Als die "Task Force Baum" am 26. März des Jahres 1945 ihren Weg in Richtung Hammelburg antrat, war den meisten Soldaten des Kampfverbandes bereits bewusst, dass es eine Fahrt ohne Wiederkehr sein würde. Offiziell war es ein Kommandounternehmen, um amerikanische Kriegsgefangene zu befreien. Für den kommandierenden General der dritten US-Armee, George S. Patton, war jedoch lediglich einer wichtig, nämlich sein dort gefangener Schwiegersohn Lieutenant-Colonel John K. Waters.

Ursprünglich plante Patton eine komplette Brigade in Richtung des als OFLAG XIII-B bezeichneten Kriegsgefangenenlagers oberhalb Hammelburgs zu schicken. Dies wurde ihm jedoch von Major-General Manton S. Eddy (kommandierender General des XII. US-Korps) ausgeredet. "Das wären 4000 Mann und 150 Panzerfahrzeuge gewesen, die sich durch den Spessart hätten quälen müssen. Bei den damaligen engen Reichsstraßen hätte jeder einzelne Sherman-Panzer bei einem Wendekreis von 21 Metern gleich drei Mal rückwärts rangieren müssen", beschreibt Martin Heinlein. Er forscht seit 1994 über das Kommandounternehmen und schrieb zusammen mit Peter Domes das Buch "Alarm! Die Panzerspitze kommt!" - Das war der Ausruf der deutschen Soldaten bei Sichtkontakt mit Baums Kampfverband, da sie dachten, dass die komplette dritte Armee hinterherkommen würde.

"Kaum einer hat gedacht, dass man kurz vor Kriegsende noch mal so einen Quatsch unternimmt", meint Heinlein. Denn, sämtliche Argumente Eddys waren an Patton abgeprallt, dieser ließ sich lediglich darauf ein, statt einer Brigade eine Task Force zu entsenden. Am 26. März wurde also ein Kampfverband unter dem Kommando des jungen und unerfahrenen Captain Abraham Baum, damals 23 Jahre alt, zusammengestellt.

Vor Abfahrt schon auf Verlustliste

"Die ausgewählten 300 Mann wurden von der vierten US-Panzerdivision schon auf die Verlustliste geschrieben, bevor sie überhaupt losgefahren waren", beschreibt Heinlein die Chancen. Am Abend des 26. März begann die US-Artillerie die Ortschaft Schweinheim zu beschießen, zäher deutscher Widerstand verhinderte jedoch zunächst einen Durchbruch. Dieser gelang schließlich um Mitternacht.

In Gemünden trafen die US-Soldaten auf heftigen deutschen Widerstand, der sie dazu nötigte, eine alternative Route einzuschlagen. Bei Burgsinn überquerte der Kampfverband die Sinn und stieß nahe Gräfendorf erneut auf die Reichsstraße in Richtung Hammelburg. Deutsche Luftaufklärer hatten den Kampfverband entdeckt, "informiert war die Leitung des Wehrkreises XIII in Nürnberg aber schon seit vier Uhr nachts. Die Deutschen reagierten zögerlich, weil sie dachten, die gesamte dritte US-Armee würde hinter dem Kampfverband anrücken."

Letztlich erreichten Baum und seine Soldaten um 16 Uhr den Hammelburger Lagerberg. Bis dahin hatte die Task Force schon einige Verluste zu beklagen, insbesondere der starke Beschuss an der Kreuzung Hammelburg nahe des Klosters Altstadt forderte mit drei Halbkettenfahrzeugen und zwei Jeeps einen hohen Tribut. Baum erkannte, dass im Hammelburger Lager weit mehr als die ihm genannten 300 Offiziere inhaftiert waren. Da er nicht alle mitführen konnte, stellte er vielen frei, auf eigene Faust den Weg Richtung US-Armee zu wagen, oder auf die endgültige Befreiung zu warten. Um 20 Uhr des 27. März trat die Task Force den Rückweg an, geriet jedoch in Höllrich in einen deutschen Hinterhalt.

Die deutsche Gegenseite hatte mittlerweile erkannt, dass es sich bei der Task Force nur um ein Einzelunternehmen handelte und eigene Kräfte in der Region Hammelburg zusammengezogen. Diese fügten Baums Truppen, die sich hernach auf dem nahe gelegenen Reussenberg neu sammelten, schwere Verluste zu. Die Befreiten traten unter weißer Fahne den Rückweg nach Hammelburg an. Überrascht von deutschen Jagdpanzern und schwerem Beschuss, sah sich Baum schließlich gezwungen die weiße Fahne zu hissen. Wer noch kampf- und lauffähig war, versuchte auf eigene Faust wieder Fühlung zu den US-Truppen zu bekommen. Schließlich um 19 Uhr des 28. März wurde Baum selbst durch deutsche Soldaten gestellt, das Unternehmen war gescheitert.

"Abe sagte mal zu mir, er fühle sich als Loser, da er den Raid nicht zu Ende führen konnte", erinnert sich Heinlein an eine Unterhaltung mit dem Captain. "Ich habe erwidert, dass das Erreichen Hammelburgs überhaupt unter den gegebenen Bedingungen ein Wunder war." Da die Wehrmacht in Konsequenz alle noch verblieben Kräfte auf den Spessart konzentrierten, war der Weg nach Hammelburg für die nachrückenden US-Truppen äußerst schwer und verlustreich. Am fünften April eroberten sie das Lager und befreiten die Kriegsgefangenen, darunter Baum und Waters.