Mit der bronzenen Ehrennadel des Bayerischen Landesverbands Philatelistischer Vereine wurde kürzlich der seit fünf Jahren in Bad Kissingen lebende Sammler Dietmar Feist (78) "für hervorragende überörtliche karitative Verdienste" ausgezeichnet. Seit etwa 20 Jahren sammelt er Briefmarkenbestände, verkauft diese nach Ländern oder Motiven sortiert über das Internet und spendet den Erlös gemeinnützigen Organisationen im Landkreis. "Inzwischen dürften etwa 20.000 Euro zusammen gekommen sein", schätzt der Wohltäter.

"Wo gibt es noch solche Idealisten, denen es bei Einsatz vieler Arbeitsstunden gelingt, scheinbar wertlose Briefmarken zu Geld zu machen und dieses dann an hilfsbedürftige Einrichtungen im Landkreis zu spenden", würdigt Roland Full als Vorsitzender des Hammelburger Briefmarkenvereins das uneigennützige Engagement seines Stellvertreters. Full war es auch, der dem Landesverband vorschlug, seinen Sammlerfreund und Vorstandskollegen mit der bronzenen Philatelisten-Ehrennadel auszuzeichnen. "Ich weiß, dass er es verdient hat. Wir kennen uns seit vielen Jahren."

Nadel am besten Jackett

Trotz dieser langjährigen Freundschaft und engen Zusammenarbeit war die Auszeichnung dank gelungener Geheimhaltung für den Geehrten eine freudige Überraschung. "Ich war total von den Socken", gesteht er im Telefon-Interview mit dieser Zeitung. "Ich mache das seit 20 Jahren nur aus Spaß und um helfen zu können, aber nicht der Ehre wegen." Doch jetzt steckt die Ehrennadel mit der fünf Millimeter großen stilisierten Briefmarke "an meinem besten Jackett".

Schon seit seiner Kindheit ist der pensionierte Bundeswehr-Feuerwerker und Hauptmann a.D. ein begeisterter Philatelist. Seitdem seine eigenen Sammlungen einigermaßen gefüllt sind, widmet er sich umso intensiver der Wohltätigkeit. "Alles begann vor 20 Jahren durch eine Zufallsbegegnung in Münsterschwarzach", erzählt Feist. Angeregt durch einen dortigen Flohmarktstand, wo Briefmarken gleich kiloweise zugunsten der dortigen Kirchengemeinde verkauft wurden, schlug Feist, damals noch Mitglied im ökumenischen Kirchenvorstand Hammelburgs, in einer Sitzung vor, diese Idee auch zum Wohl gemeinnütziger Einrichtungen im Landkreis umzusetzen. Gremiumsmitglied Horst Rußmann war sofort begeistert und zwei weitere Briefmarkenfreunde meldeten sich bald.

Millionen Marken landen im Müll

Das somit gebildete ökumenische Briefmarken-Team begann, Firmen in der Region sowie ihren Bekanntenkreis um gebrauchte Marken aus deren Tagespost zu bitten. Denn jährlich landen Millionen gebrauchter Briefmarken aus der täglichen Firmen- und Privatkorrespondenz leider unbeachtet im Papierkorb. Dass diese gezackten Bildchen aber kein wertloser Müll sind, sondern man mit ihnen immer noch Gutes tun kann, konnte das Quartett recht schnell beweisen.

Nachdem erste Kartons und Tüten mit ausgeschnittenen Briefmarken eingetroffen waren, begann Computerfreak Rußmann, diese im Internet paketweise als Kiloware interessierten Sammlern zum Kauf anzubieten. Zwei Jahre später starb allerdings der Computer-Fan, bedauert Feist, "da musste ich den Online-Verkauf übernehmen". Auch die beiden anderen Sammlerfreunde leben nicht mehr. Feist: "Seit gut einem Jahr mache ich alles allein."

Längst hat Feist in ganz Deutschland einen festen Abnehmerkreis für seine Briefmarken-Schätze. "Ich habe eine lange Liste mit Namen, Adressen und Sammelgebieten. Ich weiß also genau, was jeder sucht." Diese Stammkunden beliefert Feist, sobald frische Ware eingetroffen ist, immer als Erste. Was übrig bleibt, verkauft er online über Ebay. So kamen anfangs ein paar hundert Euro jährlich an Erlösen zusammen und steigerte sich bald auf 1000 Euro. In den vergangenen Jahren waren es sogar schon jeweils 2000 Euro, die gerecht aufgeteilt an die Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung, die Aktion Patenkind der Main-Post, die beiden Tafeln in Bad Kissingen und Hammelburg sowie an die Hammelburger Afrika-Hilfe gespendet wurden.

Markenspenden gesucht

Noch ein paar Jahre will der 78-Jährige weitermachen und ruft deshalb alle Privatpersonen und Unternehmen erneut zur Mithilfe auf: "Sammeln Sie alle Briefmarken aus Ihrer täglichen Post oder was an aufgegebenen Sammlungen noch in Schubladen und Schränken schlummert. Jeder kann mitmachen!" Während der Corona-Monate scheinen manche Landkreisbewohner Wohnung und Keller aufgeräumt und dabei auch an Sammler Dietmar Feist gedacht zu haben. "Etwa fünf bis sechs Umzugskartons habe ich in kurzer Zeit schon wieder zusammenbekommen", freut sich der jetzt für seine Verdienste ausgezeichnete Ehrennadel-Träger.

Markenspenden, gern auch ganze Sammlungen, können nach Terminvereinbarung direkt bei Dietmar Feist im Rückertweg 8 in Bad Kissingen (Tel.: 0971 / 133 650 05) oder in den Pfarrämtern Bad Kissingen und Hammelburg für ihn abgegeben werden. Größere Sammlungen holt er auch direkt bei den Spendern ab.