Zur Frage nach der Segnung homosexueller Paare kam am Montag, 15. März, von der Glaubenskongregation in Rom ein schlichtes "Nein". Damit wollten sich der Würzburger Hochschulseelsorger Burkhard Hose, gebürtiger Hammelburger, und der Padernborner Pfarrer Bernd Mönkebüscher nicht zufriedengeben. Noch am Montagabend starteten sie im Netz einen Aufruf. "Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft einlassen, auch in Zukunft begleiten und ihre Beziehung segnen. Wir verweigern eine Segensfeier nicht", heißt es in dem kurzen Aufruf.

Schon nach kurzer Zeit hatten sie über 1500 Unterstützer, darunter Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten, Religionslehrer und Professoren. "Das zeigt doch, wie weltfremd die Entscheidung aus Rom ist. Die Praxis ist doch eine ganz andere", sagt Mönkebüscher in einem Artikel auf katholisch.de. Sein Kollege Burkhard Hose macht es in einem Interview an einem einfachen Beispiel deutlich: "Jeder Sternsinger segnet Haus und Bewohner, in dem er C+M+B über die Haustür schreibt, zu segnen ist der Auftrag Gottes."

Bis Palmsonntag sammeln Mönkebüscher und Hose die Rückmeldungen und wenden sich dann an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, sowie an Birgit Mock, Vorsitzende des Synodal-Forums "Sexualität und Partnerschaft" beim Synodalen Weg in Deutschland.

Traurig über Botschaft der Ausgrenzung

Die Empörung in den kirchlichen Gremien ist groß. Wir haben im Landkreis Bad Kissingen nachgefragt, was hier die Pfarrer und Kirchenmitarbeiter darüber denken und welche Pfarrer gleichgeschlechtliche Paare segnen. Stellvertretend für das Pastoralteam im Raum Bad Kissingen haben Pfarrer Edwin Ziegler, Pfarrvikar Matthias Karwath, Gemeindereferentinnen Regina Bühner und Barbara Voll, Pfarrer Gerd Greier, Pastoralreferent Dirk Rudolph, Ehe- und Familienseelsorger Bernd Keller sich geäußert.

Viele Seelsorger aus ihrer Kirche fühlen sich durch dieses Schreiben in ihren Absichten und in ihrem Handeln nicht richtig wiedergegeben. "Wir sind traurig darüber, dass dadurch einmal mehr von der Institution der Amtskirche eine Botschaft der Ausgrenzung ausgeht. Das Evangelium verstehen wir anders. Jesus Christus ist ausdrücklich auf Menschen zugegangen, die in seiner Zeit in der offiziellen Gesellschaft keinen Platz fanden", heißt es.

"Wir werden die Segnung ihrer Partnerschaft nicht verweigern"

"Wir bedauern zutiefst, dass Menschen mit einer gleichgeschlechtlichen Sexualität sich durch die Entscheidung in Rom in ihrer Würde verletzt und nicht gesehen, ja im Grunde nicht verstanden fühlen. In einer Zeit, in der erschreckend viele Menschen den Kirchen enttäuscht und empört den Rücken zuwenden, werden wir vom Pastoralteam in Bad Kissingen Menschen mit einer gleichgeschlechtlichen Sexualität willkommen heißen, ihnen zuhören und, falls sie es wünschen, eine Segnung ihrer Partnerschaft nicht verweigern."

Der Ehe- und Familienseelsorger im Landkreis Bad Kissingen, Bernd Keller, hat die Initiative der beiden Pfarrer unterschrieben. Er plant, bei den Angeboten der Paar- und Lebensbegleitung "PaarZEIT Augenhöhe" auch einen Abend der Begegnung für gleichgeschlechtliche Paare anzubieten. Er soll geleitet sein von dem Bewusstsein, "dass Gott die Liebe ist (1. Johannesbrief 4)". Treffpunkt ist am Mittwoch, 12. Mai, von 17.30 bis 21.30 Uhr im Kurhaus Bad Bocklet.

Römisches ,Basta' nicht akzeptiert

Roland Lutz ist Pastoralreferent und Jugendseelsorger und betreut die kirchliche Jugendarbeit (KJA) im Landkreis Bad Kissingen. Im Sozialen Netzwerk Instagram veröffentlichte er auf der Seite der KJA Bad Kissingen eine Stellungnahme des Berufsverbandes der Pastoralreferent*innen Deutschland, in der es heißt: "Als Berufsverband der Pastoralreferent*innen lehnen wir die am 15.03.2021 veröffentlichte Haltung aus Rom zur Verweigerung der Segnung homosexueller Paare klar ab."

Weiter heißt es: "Pastoralreferent*innen begleiten und segnen seit vielen Jahren homosexuelle Menschen und werden es weiter tun. Wir rufen auch alle Bischöfe, Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent*innen dazu auf. Wir werden weiterhin auf dem Synodalen Weg und an allen anderen geeigneten Orten über dieses Thema sprechen. Die Diskussion lässt sich mit einem römischen ,Basta' nicht beenden." Diese Stellungnahmen ist nun auf vielen Seiten deutscher Kirchen und Kirchenvereine zu lesen.

Bild von Gott, in dem Homophobie keinen Platz hat.

Pastoralreferent Lutz sei es ein Anliegen gewesen, die Jugendlichen davon wissen zu lassen. "Uns von der kirchlichen Jugendarbeit ist es wichtig, ein Bild von Gott zu zeichnen, in dem Homophobie keinen Platz hat." Auf das Posting im sozialen Netzwerk Instagram habe es verhältnismäßig viele Likes in relativ kurzer Zeit gegeben.

Wie sie mit dem Thema umgehen, müssten kirchliche Angestellte derzeit für sich selbst klären. Das sei das Problem, in dem sie derzeit stecken, sagt Lutz. "Wenn auf mich ein homosexuelles Paar zukommen würde, würde ich eine Segnung vornehmen." Wenn es sich um eine Liebesbeziehung handelt, die auf Ehrlichkeit und Wertschätzung beruht, mit Werten der christlichen Ebene vereinbar ist, stelle das für ihn kein Problem dar. "Man muss sich aber bewusst sein, dass man sich damit gegen die Meinung der katholischen Lehrmeinung stellt", sagt der 34-Jährige.

Derzeit laufen Gespräche im Synodalen Weg, um sich bei diesem und weiteren Themen - wie der Frauenfrage oder Machtmissbrauch - zu einigen. Nach der Auffassung des Pastoralreferenten Lutz sei die erneute klare Haltung aus Rom eine Ansage an die Deutschen Kirchen. Nach dem Motto: Ihr könnt das so machen, aber wir betonen noch mal, wir haben die Lehrmeinung. Was ihr entscheidet, geht gegen unsere Meinung.

Keine kirchliche Anerkennung der Paare

Letzteres vertritt Pfarrer Hans Thurn aus Bad Brückenau, seit 2019 Leiter der Pfarreiengemeinschaft St. Georg Maria Ehrenberg. Er hält an der römischen Klarstellung fest. Zwar spricht er sich dafür aus, dass es allen Menschen aufgegeben sei, "homosexuell veranlagten Menschen Verständnis entgegenzubringen" und ihnen "pastorale Hilfe anzubieten." Aber: "Eine kirchliche Anerkennung als Institution können gleichgeschlechtliche Partner nicht erlangen".

Die Hochachtung jedes einzelnen Menschen ändere nichts an der klaren Haltung der Kirche, die sich auf biblischer Grundlage Röm 1,25-27 und 1 Tim 1,10 begründet. Da der Schöpfungsauftrag Gottes von Mann und Frau handele, könne Homosexualität nicht als eine der Heterosexualität gleichwertige Prägung angesehen werden.

"Darum wird es von meiner Seite aus eine Segnung eines homosexuellen Paares in Bad Brückenau nicht geben, weder öffentlich noch im privaten Rahmen", so Thurn. Die Erklärung der Glaubenskongregation sei sehr eindeutig und lasse keinen Spielraum zu. "Eine Segnung ist keine Privatveranstaltung, sondern Handeln der Kirche, eine Sakramentalie, die auf das Sakrament der Ehe hinweist". Die Kirche habe daher keine Vollmacht, hier gegen die Schöpfungsordnung Gottes zuwiderzuhandeln.

Mehrheitlich hat sich unterdessen der Diözesanrat der Katholiken bei seiner virtuellen Frühjahrsvollversammlung am Samstag für die kirchliche Segnung homosexueller Paare ausgesprochen, teilt das Bistum Würzburg mit.

Artikel von Kerstin Väth und Ellen Mützel