Elisabeth Borst ist überrascht. "Das geht ja einfach", sagt sie. Die Aschacherin ist am Montagnachmittag die erste Kundin, die frische Milch am neuen Automaten zapft. Der steht direkt neben dem Eingang des Edeka-Marktes von Klaus Rüttger in der Straße "Spitzwiese". Gleich mehrere Flaschen füllt sich die Aschacherin ab. Bei der ersten steht ihr Landwirt Kevin Klüber vom Breitenbacher Grundhof noch beratend zur Seite.

Der 21-Jährige ist auch derjenige, der die Idee zur Einrichtung der Milchtankstelle hatte. "Ich studiere Landwirtschaft in Triesdorf und bin dort darauf aufmerksam geworden", erzählt er. Doch zunächst musste der junge Mann Überzeugungsarbeit leisten - bei seinem Vater Claus Klüber und dessen Kompagnon Walter Kleinhenz. Seit 15 Jahren arbeiten die beiden Landwirte in der Grundhof GbR zusammen, bewirtschaften mit ihren Söhnen einen Hof mit mittlerweile 130 Kühen. "Wir produzieren unsere Milch konventionell, aber gentechnikfrei", erklärt Claus Klüber.


Milch wird auf 72 Grad erhitzt

Die Tiere auf dem Grundhof werden in sogenannten Laufställen gehalten, in denen sie sich frei bewegen können. Zum Fressen bekommen sie größtenteils selbst angebautes Futter. Das besteht aus Heu, Gras- und Maissilage sowie Getreide- und Rapsschrot. Lediglich der Biertreber als Eiweißkomponente wird zugekauft. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - und schmeckt. Das sagen zumindest Elisabeth Borst und die anderen Kunden, die die Milch an der neuen Tankstelle auch gleich kosten dürfen.


Flaschen gibt es vor Ort

Die Flüssigkeit beinhaltet vier Prozent Fett und ist nicht homogenisiert, sondern pasteurisiert. "Dabei wird die Milch 20 Sekunden auf 72 Grad Celcius erhitzt", erklärt der angehende Landwirt Kevin Klüber. Somit hält die Milch etwa sieben Tage gut gekühlt im Kühlschrank. Doch wie kommen die Kunden an die Milch? Gefäße brauchen sie nicht mitbringen. "Wir haben einen Flaschenautomat dazugestellt. Darin sind welche aus Glas und Plastik für je einen Euro erhältlich", erklärt Alexander Kleinhenz. Wie viel Milch die Kunden abfüllen möchten, ist ihnen überlassen. Die Mindestabnahmemenge beträgt 200 Milliliter. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Rund 180 Liter fasst der Milchtank im Innern des Automaten. "Geht seine Füllung zur Neige werden wir über eine App benachrichtigt", weiß Kevin Klüber.


Nachschub mit mobilem Tank

Mit dem Milchlaster müssen die Landwirte aber nicht extra anrücken. Stattdessen haben sie einen zweiten mobilen Tank, den sie in Breitenbach befüllen und die 25 Kilometer mit dem Lieferwagen nach Bad Kissingen transportieren. "Ich schätze, dass wir alle zwei Tage hierherkommen müssen, um die Tanks zu tauschen", fügt er hinzu.

Marktbetreiber Klaus Rüttger ist überzeugt, dass der Milchautomat, der 24 Stunden geöffnet hat, gut angenommen wird. "Ich habe viele Kunden, die bewusst regionale Lebensmittel kaufen", sagt er. Bedenken, dass sein Milchabsatz einbricht, hat er nicht. Die Leute, die das Lebensmittel frisch zapfen, würden das bewusst machen und nicht zur homogenisierten Variante greifen. Ein Liter Milch kostet am Automaten ein Euro.
"Das wird ein Erfolg. Das ist eine super Idee", sagt Edgar Thomas, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes bei der Inbetriebnahme des Gerätes. Schließlich sei diese Tankstelle die einzige in der Region. Lediglich in Obereschenbach gebe es eine sogenannte "Coole Jule". "Jetzt können die Leute beweisen, dass sie wirklich regional kaufen", ist er überzeugt.

Spontan entschließt sich am Montagnachmittag Klaudia Schick dazu, einen Liter Milch frisch zu zapfen. "Das finde ich klasse", sagt sie. Mit dem Display kommt die Bad Kissingerin gut zurecht. Bei Fragen kann sie sich an Kevin Klüber wenden. Es wird noch eine Weile so bleiben, dass ein Vertreter vom Grundhof vor Ort ist und erklärt, wie das Milchzapfen funktioniert. "Denn anfangs sind die Kunden noch unsicher, wo sie drücken und wie sie die Flasche halten müssen", sagt er.

Doch mit jedem Liter steigt das Selbstvertrauen - so auch bei Elisabeth Borst aus Aschach. Sie zapft inzwischen ihre fünfte und letzte Flasche - allein, ohne Hilfe. "Diese fünf Liter reichen die Woche nicht", verrät sie. Schließlich trinke sie selbst viel Milch - im Kaffee und auch mal zwischendurch, einfach so. "Und dann haben wir auch noch Enkel", fügt ihr Mann hinzu.