Willkommen, Bienvenue, Welcome: Mit dem Gassenhauer der Sally Bowles aus dem Filmklassiker "Cabaret" begrüßte Sandra Weipert die Zuhörer zum Sommerkonzert des Gesangsstudios Iva Simon im Bad Bockleter Kursaal. Stilecht gekleidet, rief sie mit einladender Geste ihres Zylinders die Mitschülerinnen der Gesangsklasse auf die Bühne und alle zusammen sangen den Welthit der Liza Minelli. Schwungvoller Beginn eines heiteren Nachmittags, bei dem nicht nur die Familienangehörigen und Fans, sondern auch die Kurgäste des Biedermeierbads prächtig unterhalten wurden.
Iva Simon ist aktive Opernsängerin und arbeitet mit verschiedenen Orchestern und Künstlern zusammen. Bekannt ist sie vor allem durch den Kissinger Operettenzauber im stets ausverkauften Max-Littmann-Saal, den sie im September nun schon zum 19. Mal mit ihrer Stimme verzaubert. In ihrem Gesangsstudio bildet sie seit über 15 Jahren Gesangsschülerinnen aus, vermittelt Freude am Gesang, fördert Konzentration, Körperbeherrschung und weckt Vertrauen zur eigenen Stimme. Viele ihrer Schülerinnen sind bei der Musik geblieben, studieren weiter oder sind an Bühnenengagiert, berichtet sie aus ihrer Arbeit. Freilich träumen viele der jungen Mädchen von einer großen Gesangskarriere, aber den meisten macht es einfach Spaß zu singen. Viele sind länger als nur ein Jahr dabei, weil sie ihre eigenen Stimme formen wollen und spüren, wie sie von einer professionellen Begleitung profitieren, meint die Sopranistin aus Ramsthal.
So wie Birgit Schultz, die zu den ersten Schülerinnen von Iva Simon gehört und immer noch mit großer Freude dabei ist. Sie singt in verschiedenen Gruppen, ist Leadsängerin der "Fuschter Troubadours" und erhielt für ihren Musicalsong "The Movie in my Mind" aus "Miss Saigon"stürmischen Applaus. "Dabei hab' ich gezittert wie Espenlaub", gestand sie nachher hinter der Bühne.
Nervös waren sie alle. Es ist ein großer Unterschied, im Wohnzimmer zu trällern oder einen stimmigen Auftritt vor Publikum abzuliefern. Aber sie haben es alle geschafft. Sandra Weipert hat den Bann gebrochen, sie wagte sich später an Schuberts "Forelle" und zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Maike kam sie bei Andrew Lloyd Webber und "Angel of Music" an. Nicht jede hat einen guten Tag, nicht jede Note sitzt, aber alle konnten sich auf die unerschütterlich sichere Begleitung von Pianistin Keiko Meissner verlassen, ausnahmslos jeder Auftritt wurde begleitet von anerkennendem Applaus. Die ansteckenden Fröhlichkeit und das Einfühlungsvermögen bei der Ansage von Iva Simon milderte das Lampenfieber.


Alle sind Sieger

Man muss auch nicht unter 30 sein, um Spaß am stimmlichen Gestalten zu haben. So beeindruckte Gabriele Kautzsch mit der gesprochen-gesungenen Ballade "Gold von den Sternen" aus dem "Mozart" Musical und Regine Kotowski traute sich an Händels "Ombra mai fu".Ob Klassik, Musical oder aktuelle Hits, jeder Auftritt war eine neue kleine Überraschung und jedes Solo ein Sieg über Nervosität und Lampenfieber.Birgit Schultz fasste es so zusammen: "Alle haben Spaß an der Musik und alle sind besser geworden."