Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938, bei der die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Synagogen zerstört haben, fand am Freitagabend auf dem Hammelburger Marktplatz eine Gedenkveranstaltung statt.
Unter Leitung ihrer Lehrerin Eva-Maria Conrad hatten Schüler des Frobenius- Gymnasiums Hammelburg das Ereignis gestaltet und den Ablauf geplant. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung durch jüdisch anmutende Klänge von Realschullehrer Stefan Eideloth (Ziehharmonika), Gymnasiallehrer Andreas Strehler (Oboe) und Gymnasiallehrerin Eva-Maria Conrad (Gesang). Auch die katholische und die evangelische Kirche waren durch Pastoralreferent Markus Waite und Pfarrer Robert Augustin vertreten. Sie lasen aus dem biblischen Text "Höre Israel", der zum täglichen Gebet der Juden gehört.
Vier Gymnasiasten lasen Texte vor, die aus der Sicht der Juden wichtige Stationen in der Geschichte des Volkes schilderten. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Egal, ob während der Sklaverei in Ägypten und der anschließenden Flucht unter Moses, während der Verfolgung durch die Nationalsozialisten oder im heutigen Kampf um Israel und vor allem Jerusalem - das Gottvertrauen der Religionsmitglieder war und ist unerschütterlich.
Auch speziell an die Juden, die in Hammelburg, Untererthal und Westheim gelebt haben und unter den Nationalsozialisten in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet worden waren, wurde erinnert. Dazu bekamen die Besucher Zettel, auf denen die Namen ehemaliger jüdischer Hammelburger geschrieben standen. Diese wurden nacheinander verlesen, während die mitwirkenden Schüler Lichter in Form eines Davidsterns auf dem Marktplatz aufstellten.
Vor dem abschließenden Segensgebet trug Bürgermeister Ernst Stross noch ein Gedenkwort bei. Als "Bürgerinnen und Bürger, Mitschüler und Nachbarn" und als "Teil der Gesellschaft" bezeichnete er die Juden, die damals in Hammelburg gelebt hatten. Dass niemand etwas dagegen getan hatte, als dieses Ansehen sich zu verändern begann, bezeichnete Stross als für viele heute schwer zu verstehen, zollte aber auch seine "Hochachtung" und seinen "Respekt denen, die damals für Recht und Leben der jüdischen Mitbürger eingetreten sind". Wichtig sei heute, dass man Fremdenhass die Stirn biete, um ein solches Unheil, wie es den Juden widerfahren ist, nie mehr zuzulassen.