Die Gäste interessierten sich für die Kunst des Kettensägens in der Waldarbeit, für die Ausstellung von Fachbetrieben rund um Holz und Wald sowie für Informationen von Behörden. 620 Euro aus dem Verkauf von Holzfiguren, welche mit Kettensäge in den Pausen hergestellt wurden, konnten Bürgermeister Gotthard Schlereth (Freie Wählergemeinschaft/CSU) für einen guten Zweck überreicht werden.
In Diskussionen von Forst und Jagd um das Rotwild klafft die alte Wunde "Wild contra Wald" anhand der Verbiss- und Hegeschäden leicht auf. Insbesondere, wenn der Oberammergauer Forst- und Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky mit seinem provokanten Vortrag "geweiht - gehegt - geächtet" die bestehenden Lebensbedingungen für den Rothirsch in Bayern an den Pranger stellt. "Ich fordere mehr Lebensraum für die Hirsche, die zurzeit in inselartigen Waldgebieten wie im Getto leben müssen", macht sich Wotschikowsky zum Anwalt des Rotwildes. Außerdem setzt er sich für den Naturfeind des Rotwildes, den Wolf ein. An der deutsch-polnischen Grenze gebe es diesbezüglich gute Erfahrungen, weil die Hirsche dort von den Wölfen auf Trab gehalten werden.
In der Schulturnhalle leitet Wilhelm Schmalen (Außenstelle Forst Bad Kissingen) die anschließende Podiumsdiskussion. Offene Türen läuft Wotschikowskys Vortrag bei Dr. Peter Gleißner ein, dem Pächter des Jagdreviers Oberthulba Nord. "Die Verbände sollen sich nicht hinter Fledermauskisten verstecken, sondern für die Dezentralisierung des Hirschvorkommens einsetzen", so Gleißner. Weiterhin fordert er eine Schonzeit für die Hirsche, die schon ab dem 30. November statt 30. Januar beginnen soll, und hinterfragt die Jagd auf Hirschkälber.

Grünbrücke und Schadensbilanz


"Auf der Grünbrücke über der Rhönautobahn A 7 laufen zurzeit mehr zweibeinige als vierbeinige Hirsche", bestätigt Gunter Hahner, Förster des Staatswaldes. Konflikte für das dort auf engstem Raum hausende Rotwild gebe es auch durch das Freizeitverhalten der Menschen: "Das reicht vom Pilzsucher und Spaziergänger bis hin zu den Mountainbikern", so Hahner. Wenn die Hirsche auf so kleiner Fläche eng zusammenleben, dann sei auch mit einer Konzentration von Baumschäden in diesem Gebiet zu rechnen.
Dass die Käfer- und Sturmschäden im etwa 1600 Hektar großen Gemeindewald des Marktes Oberthulba noch nicht aufgearbeitet seien, kann der zuständige Revierförster Tobias Wallrapp bestätigen. "Da gibt es doch etliche große Freiflächen für die Hirsche", meint er. Gegen die Verbiss- und Schälschäden komme man mit der Waldverjüngung nur mühsam an. "An vielen Stellen gibt es noch Bonsaibäumchen", denkt Wallrapp an höhere Abschusszahlen bei den Hirschen und an Einzäunungen junger Baumpflanzen. Ausgaben, die den Gewinn aus den gemeindlichen Holzerträgen schmälern.

Waldwirtschaft vor Jagd


"Die Waldwirtschaft hat gesetzliche Priorität vor der Jagd", stellt Forstsachverständiger und FBG-Betriebsleiter Rupert Wolf fest. "Allerdings gibt es auch Fälle von mangelndem Gesetzesvollzug", so Wolf. Ein gewisses Maß an Schäden müsse akzeptiert werden.
Großen Eindruck hinterließ der Festvortrag "Der Wald zwischen Medien und Erlebnis" von Professor Dr. Michael Suda (TU München) bei den Zuhörern in der Mehrzweckhalle. Mit Weitblick von der Platzer Kuppe ließ Suda seine Betrachtungen auf das Dreigestirn von Mensch, Tier und Pflanze gleiten. "Das in den Medien angefeuerte Bewusstsein des Waldsterbens aus den 80er Jahren wirkt heute noch als unterschwellige Betroffenheit nach", bestätigt Suda . So herrsche immer noch eine Stimmung von "fünf vor zwölf" in der Volksmeinung. Das stimme aber bei Weitem nicht mit der Realität überein. "Nur eine von zehn Stimmen der Befragten ist positiv. Der Rest hat die negativen Meldungen der Medien über den Waldzustand übernommen", bestätigt der Professor. Die Sinne Hören und Riechen kämen im Wald auf ihre Kosten: "Unbezahlbares Walderlebnis", kommentiert er. Da ärgere es schon, wenn unbedachte Freizeitmenschen ihren Müll im Wald hinterlassen oder dort lärmen. Auf die verschiedenen Funktionen des Waldes ging Bürgermeister Gotthard Schlereth ein: "Rohstoff, Erholungsraum für die Menschen sowie Naturraum für Tiere und Pflanzen." Stellvertretender Landrat Emil Müller gemahnte die Verpflichtung zur Erhaltung des Waldes in gutem Zustand.