Die Materie war so anspruchsvoll, dass Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) schon vor dem Titel der einen Arbeit kapitulierte: Der bringe ihn an den Rand seine intellektuellen Leistungsfähigkeit, bekannte der Jurist bescheiden. Und da hatte er die Laudatio von Manfred Steinbach, Kuratoriumsmitglied der Boxberger-Stifung, noch gar nicht gehört.

Sie würdigte zwei Expertisen von Medizinern, die sich bemüht hatten, mit ihren wissenschaftlichen Untersuchungen im Kur- und Reha-Bereich den Ruf der Hrilbäder als Zentren des Gesundheitswesens zu steigern.
2500 Euro gingen an Wolfram Kohl (Magdala), der in den Sanatorien Winterstein und Uibeleisen tätig war. Eine Summe in gleicher Höhe teilen sich Christoph Reichel, Jürgen Streit und Steffen Wunsch von der Klinik Hartwald in Bad Brückenau.

Wolfram Kohl hat von 2002 bis 2006 in zwei Bad Kissinger Häusern nachgewiesen, dass - entgegen der Befürchtungen - auch von vier auf drei Wochen verkürzte Kuren und Reha-Mapnahmen Sinn machen. Auch in dieser Zeit sei viel zu erreichen, um die Gesundheit zu verbessern. Dazu hat er 4055 stationäre Patienten, Durchschnittsalter 72, Jahren einem Ergometrietraining unterzogen.

Das Team um Christoph Reichel hat mit den Untersuchungen bei 311 Morbus Crohn-Patienten einen Modus erarbeitet, mit dem Messinstrumente für den Gesundheitsstand besser vergleichbar wurden. Steinach sprach von einer Basis für ein erfolgsträchtiges Konzept. Es könnte dazu dienen, die Behandlung weiter zu optimieren.
Manfred Steinbach war als Weltklasse-Athlet Sprinter. Als Laudator ist er eher Mittelstreckler. Der Wissenschaftler, Sportmediziner und Ex-Präsident des Deutschen Heilbäderverbandes sezierte die Arbeiten ausführlich, legte ihre Schwachstellen bloß. Sie seien aber durchaus würdig, als Förderpreis ausgezeichnet zu werden.

Der Beitrag von Christoph Reichel und seinen Kollegen sei geschrieben von und für Spezialisten. Er sei lesenswert, aber schwer zu lesen. Er hätte sich hier und da mehr Erklärungen erhofft, so Manfred Steinbach.
Die Expertise von Wolfram Kohl mit einem bewundernswerten Aufwand hätte das Kurwesen aufrollen können. Sie sei von gesundheitspolitischer Dimension. Er vermisse aber eine Kontrollgruppe mit vier wöchigen Maßnahmen. Offene Fragen seien unbeantwortet geblieben.

In seinen Dankesworten erinnerte Wolfram Kohl daran, dass seine Untersuchungen parallel zum normalen Klinikbetrieb mit Unterstützung des Arbeitgebers vorgenommen worden sind.
Christoph Reichel sagte, er verstehe den Preis als Ansporn, die Forschungen fort zu führen. Er sprach von einem Fundament sehr wichtiger Vorarbeiten.

OB Blankenburg hatte in seiner Ansprache die Bedeutung des Boxberger-Preises Bad Kissingen hervorgehoben. Der habe eine lange, gute und erfolgreiche Tradition. Bad Kissingen lebe nach wie vor von seinem herausragenden Ruf als Kurort. Dabei unterstütze der Preis sehr.

Den "Einfluss einer dreiwöchigen bewegungsorientierten Kur in Bad Kissingen auf das kardiopulmonale System 60- bis 90-jähriger Patienten" hat Wolfram Kohl (Sanatorien Uibeleisen und Winterstein) untersucht. Die "Verknüpfung von Variablen zur Erfassung des Gesundheitszustandes bei Morbus Crohn mit der internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit und berufsbezogenen Rehabilitationsergebnissen" war Thema von Christoph Reichel, Jürgen Streit, Steffen Wunsch (Klinik Hartwald, Bad Brückenau).

Der Boxberger-Preis Bad Kissingen ist mit 10 000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben, Die Forschungen befassen sich mit stationären und ambulanten Formen, mit den Heilquellen und ortstypischen Kurmitteln wie Moor. Über die Vergabe entscheidet ein wissenschaftliches Kuratorium mit dem Mediziner, Balneologen und Hochschullehrer Klaus Louis Schmidt an der Spitze.

Der Boxberger-Preis erinnert an den Apotheker Anton Boxberger (1679 bis 1765), einen gebürtigen Hammelburger. Er wurde erstmals 1964 und seither elf Mal von der 1961 gegründeten Boxberger-Stiftung vergeben. Den verwandten Preis der Stadt ab es seit 1970 bis 1992. Beide waren mit jeweils 10 000 Mark dotiert und im Jahre 2000 miteinander verschmolzen. 2004, 2010 und 2012 gab es keinen Hauptpreis. Wie auch 2012 geschehen, kann der Boxberger-Preis geteilt werden. So wurden 2004 zwei Arbeiten als Förderpreise mit 5000 beziehungsweise 2000 Euro bedacht. ed