Vier Jahrzehnte gehörte das Kurbähnle für die Kissinger einfach zum Stadtbild. Jetzt, wo es weg ist, stellen viele schmerzlich fest, welche praktische Bedeutung es hatte.Das blau-weiße Gefährt war nicht nur eine gemütliche Zuckelbahn für Kurgäste und Kinder. Es erfüllte auch wichtige logistische Aufgaben, indem es Besucher zum Klaushof brachte. Unter Stadträten ist deshalb die Sorge groß, der städtische Wildpark könnte unter dem Ausfall des Zubringerdienstes leiden.


Antrag im Stadtrat

Die Fraktionen von DBK und Freien Wählern haben bereits einen formellen Antrag eingebracht. Die Stadt möge mit dem eigentlichen Anbieter Stadtwerke GmbH prüfen, schreiben sie, ob eine Haltestelle für Sammeltaxi-Betrieb das Problem für die Saison 2018 lösen könnte. Der Stadtteil Poppenroth werde ja bereits vom Sammeltaxi angefahren. Da sei doch "eine weitere Haltestelle am Klaushof vorstellbar".


Stadt: Lücke nur diese Saison

Den Antragstellern ist klar, dass eine solche Lösung auch Kosten verursachen würde. Einen Vorschlag, "wie das haushaltstechnisch abzuwickeln wäre", hätten sie nicht, geben sie im Schreiben an Oberbürgermeister Kay Blankenburg zu. Sie halten aber dagegen, man müsse auch "das mögliche Wegbleiben von Wildpark-Besuchern mangels Fahrgelegenheit und die fehlenden Eintrittseinnahmen" berücksichtigen.

Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt, bestätigte auf Anfrage, das Rathaus prüfe zurzeit verschiedene Möglichkeiten zur Behebung des Problems. So schnell, wie sich die Antragsteller das wünschen, könne es aber nicht zu einer Lösung kommen. Es gehe zwar letztlich nur darum, die durch den Abzug des Kurbähnles entstandene Lücke, in diesem Jahr zu füllen. Genau das mache die Sache aber auch nicht gerade einfacher.

Wie berichtet, sollte das Kissinger Traditionsgefährt eigentlich nach dem Verkauf an die Kölner Gecko-Bahn in dieser Saison wieder fahren. Anfang April jedoch erklärte der neue Inhaber Oliver Wolters, er habe das Bähnle in Wertheim benötigt und es deshalb dorthin abgezogen. Es sei zwar geplant gewesen, dass er im Januar ein weiteres Bähnle bekomme. Das habe sich aber im Januar zerschlagen. 2019 plane er eine Wiederaufnahme der Bähnlefahrten in Bad Kissingen.


Hoffen auf öffentliche Anbindung

Darauf setzt auch die Stadt Bad Kissingen, nicht aber Gudrun Heil-Franke. Die CSU-Stadträtin gehört dem Vorstand des Vereins der Freunde des Wildparks Klaushof an und bemüht sich deshalb bereits seit einiger Zeit um eine "generell gute öffentliche Anbindung" des Klaushofs. Beim Betreiber des Kurbähnles handle es sich um ein "privates Unternehmen mit Unwägbarkeiten, wie wir sie erlebt haben".

Auf der Suche nach einer Lösung hat Gudrun Heil-Franke schon mehrere Vorstöße unternommen. Ein Busunternehmer habe aus wirtschaftlichen Überlegungen kein Interesse gehabt einzusteigen. Auch bei Stadt und Landkreis sei sie vorstellig geworden. Die wollen aber nach ihrem Eindruck einem Privatunternehmen keine Konkurrenz machen. Das hält sie für falsch. Für den Klaushof sei es besonders wichtig, eine sichere regelmäßige Anbindung zu bekommen.


Probleme auch für Dampferle

Ein weiteres Bad Kissinger Original auf dem Gebiete der Personenbeförderung war übrigens in ähnlichem Zusammenhang jüngst ebenfalls Thema im Rathaus. Die Geschäftsführung der Saaleschifffahrt GmbH, der die Dampferle gehören, wurde vorstellig mit dem Hinweis auf Rückgänge bei den Fahrgästen durch die anhaltende Schließung des Restaurants Salinenblick. Dass sie im Norden der Strecke nichts mehr essen oder trinken können, bewege manchen potenziellen Nutzer der Dampferle, die Boote gar nicht zu bestiegen.

Die Dampferlebetreiber wären froh, wenn sich vielleicht in der Orangerie der Oberen Saline Cafébetrieb entwickeln würde. Hoffnungen auf umfangreichere Bewirtungsmöglichkeit für Fahrgäste vermochte ihnen das Rathaus aber nicht zu machen. Vielleicht, so die Betreiber der Dampferle, hilft ja ein bisschen, dass das Museum Obere Saline Kaffee und sonstige Getränke anbietet. Das gilt aber nur für die Öffnungszeiten des Museums. Und die sind nicht gerade üppig.