Am 23. August 1973 wurde die Christkönig-Kirche auf dem Lagerberg feierlich eingeweiht. Fast tagesgenau feierte die Kuratie und Militärkirchengemeinde am Sonntag ihr Kirchenjubiläum mit einem Festgottesdienst und anschließendem Pfarrfest.
Zum Gottesdienst versammelten sich neben den Gemeindemitgliedern zahlreiche Gäste um den Altar der Kirche. Militärpfarrer und Kuratus Stephan Frank, der seit 2008 am Standort Hammelburg tätig ist, freute sich, zahlreiche Mitbrüder begrüßen zu können.
In der Einführung machte Generalvikar Walter Wakenhut deutlich, dass es eine Aufgabe der Militärseelsorge sei, diese am Arbeitsplatz der Soldaten anzubieten. Mit Hinblick auf den Kirchenbau führte er weiter aus: "Kirche unter Soldaten wird nirgendwo so deutlich, wie auf dem Lagerberg in Hammelburg."
Die Festpredigt eröffnete Generalvikar Kestel mit einer Erzählung, die sich in St. Petersburg in der größten evangelischen Kirche Russlands zugetragen hat: Ein unbekannter Besucher kommt in die Kirche, schreibt in das Gästebuch und verschwindet wieder. Im Gästebuch sind darauf hin zwei Sätze zu lesen: "Ich bin hier geschwommen. Vergebt mir." Hintergrund dieser Erzählung ist, dass die russische Kirche zwischenzeitlich als Schwimmbad genutzt wurde, was auch weiterhin am Fundament sichtbar ist.

Ein Stück Denkmal

Der damalige Kirchenvorstand kommentierte den Gästebucheintrag als ein "Denkmal, für etwas, was nicht sein darf". Übertragen auf das Kirchenjubiläum stellte Kestel fest, dass auch die Christkönig-Kirche "ein Stück Denkmal" sei. Sie bietet einen festen Ort, an dem "der Glaube gestärkt und reflektiert werden kann". Doch während die Kirche von außen betrachtet als statische Immobilie erscheine, sei der Glaube durch die sich versammelnden Menschen keineswegs statisch. Besonders bei der Militärseelsorge würde die Dynamik des Glaubens deutlich: "Es gibt eine Stammbesatzung und es gibt - insbesondere junge - Soldatinnen und Soldaten, welche die Christkönig-Kirche nur einmal - vielleicht während eines Lehrgangs in Hammelburg - besuchen". Auch die Architektur der Kirche lasse die Dynamik erkennen. Während andere Kirchen Kathedralen gleichen, erscheine die Christkönig-Kirche eher schlicht und einfach - vergleichbar mit einem Zelt.
3. Bürgermeisterin Elisabeth Wende überbrachte die Glückwünsche der Stadt Hammelburg und des Landkreises. Sie stellte das "gute Miteinander" von Kuratie beziehungsweise Militärkirchengemeinde auf dem Lagerberg und der Pfarrei in der Stadt heraus, das sie als Hammelburgerin selbst miterlebe. Für die Zukunft wünscht sie, dass das "lebendige Miteinander von Soldaten und Bürgern" so bestehen bleibt.
Domkapitular Dietrich Seidl orientierte sich in seinem Grußwort an einem Satz des Schriftstellers Elias Canetti: "Ein Mensch braucht vor sich ein Gesicht, um leben zu können!" Er hob hervor, dass die Christkönig-Kirche als Ort der Begegnung wertvoll ist. Ein Ort, an dem insbesondere "die Soldaten ihre Sorgen und Anliegen vor Gott bringen können". Daher sicherte er zu, dass die Diözese Würzburg die Militärseelsorge auch weiterhin tatkräftig unterstützen werde.

Nicht aufdringlich

Für die Infanterieschule Hammelburg überbrachte der Leiter des Schulstabs, Oberstleutnant Burkhard Schneegold, die Glückwünsche. Er blickte kurz zurück auf die Geschichte der Christkönig-Kirche und ging dann auf die Aufgaben der Militärseelsorge ein: So sei die ethische Erziehung der Soldaten in Hammelburg, wo die Ausbildung des Führungsnachwuchses der Infanterie stattfindet, besonders wichtig. "Die Militärseelsorge bietet sich an - ohne sich aufzudrängen", führte Schneegold aus, "das schätzen wir Soldaten besonders!"
Generalvikar Wakenhut stellte abschließend das Alleinstellungsmerkmal der Christkönig-Kirche heraus: das Zusammentreffen von ziviler Kuratie und Militärkirchengemeinde sei deutschlandweit einmalig. So findet neben den Standortgottesdiensten für die Soldaten zusätzlich jeden Sonntag ein Gottesdienst für die Öffentlichkeit statt. Dazu käme, dass durch das hohe Engagement der Gemeindemitglieder ein Ort der Begegnung für aktive und ehemalige Soldaten sowie für zivile Bürger entstanden sei. Da Wakenhut im November in den Ruhestand eintreten wird, überreichte ihm die Kuratie und Militärkirchengemeinde Hammelburg ein Foto des Altarbildes und einen Präsentkorb.
In der Christkönig-Kirche von Anfang an dabei war der Orgelspieler Winfried Schlereth. Über einen Klassenkameraden kam er bereits 1967 zum Orgelspiel für die Militärkirchengemeinde. Damals fand der Gottesdienst noch in einem Gebäude in der Infanterieschule statt. Seit 1973 spielt er die Orgel in der Christkönig-Kirche. "Doch 1973 gab es die heutige Orgel noch nicht. Zu Beginn stand an einer Wand eine einmanualige elektrische Orgel. Erst einige Jahre später wurde die heutige Orgel an ihrem Platz installiert." Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit hat Schlereth nahezu alle Militärpfarrer in der Christkönig-Kirche musikalisch begleitet.
Constantin Deschner