Es reicht. Findet ein besorgter Bürger, der anonym bleiben will. Ein Bad Kissinger, der jetzt Strafanzeige stellt: Bei der Staatsanwaltschaft in Schweinfurt, der Oberstaatsanwaltschaft in Würzburg und bei der Generalstaatsanwaltschaft. Weil dieser Bürger sagt, dass Gefahr für Leib und Leben sowie die Umwelt besteht. Die Keimzelle des Übels: die Bad Kissinger Eishalle. Genauer gesagt die Kühlanlage mit dem darin gelagerten Ammoniak. Ein Giftgas, das bei hoher Konzentration tödlich sein kann.

Die Wartung der Anlage lag bisher in den Händen der Zimmermann GmbH aus Niedersachsen, die zum Hoch- und Runterfahren der Anlage zweimal im Jahr eine Fachkraft nach Bad Kissingen geschickt hatte. Diese Firma hatte zudem einen gewissen Personenkreis in der Handhabung und Wartung der Anlage unterwiesen. Gewöhnlich den Eismeister sowie einige ausgewählte Mitglieder der Kissinger Wölfe, die damit wussten, wie eine Notabschaltung eingeleitet werden kann. "Ich bin echt froh, dass wir in jüngster Zeit keinen Störfall hatten. Bis zum 12. Juni 2019 war mit der Anlage alles in Ordnung", sagt mit Ralph Kiesel der ehemalige Geschäftsführer der Eissport GmbH.

Tritt ein Störfall ein, wird eine Rufbereitschaft aktiviert. Beginnend bei den Stadtwerken Bad Kissingen. "Bei uns gehen bezüglich der Eishalle automatisiert Informationen und Meldungen bei unserer 24-Stunden-Warte ein. Im Rahmen eines abgestimmten Alarmierungsplanes werden von uns dann die zuständigen Stellen in Kenntnis gesetzt", erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer, der sich allerdings bedeckt hält zu Gerüchten, dass die Eissport GmbH (auch) bei den Stadtwerken (erneut) in der Kreide stehen würde. "Dazu können wir Ihnen aus datenschutzrechtlichen Gründen leider keine Information geben", heißt es hierzu. Schon seit längerem sieht Harald Albert Handlungsbedarf. "Es gibt Hinweise, dass sich aktuell niemand um die Wartung kümmert. Da muss jetzt was passieren", sagt der Kreisbrand-Inspektor, der sich noch gut an den Ammoniak-Austritt im Jahr 2012 erinnert, als zehn Menschen leicht verletzt wurden. "Da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Damals konnten wir schnell auf Spezialisten zurückgreifen, die in Chemikalien-Schutzanzügen die Ventile geschlossen haben", sagt Harald Albert, der bezüglich der Gefährdungssituation auf diversen Schriftverkehr mit den jeweiligen Behörden verweist.

"Wenn es zum Unglücksfall kommt, muss die Feuerwehr ran. Im Technikraum weiß aber niemand, welcher Schieber dann zugemacht werden muss. Das Ammoniak muss abgepumpt werden, dann ist die Anlage erst einmal sicher. Zumal solche Gerätschaften wie Kompressoren alt und porös sind."

Natürlich fällt die Sicherheit in der Eishalle in den Aufgabenbereich des Besitzers Alexander Kondrashov. Eigentlich. Der ukrainische Geschäftsmann soll sich aktuell zwar mal wieder in der Kurstadt aufhalten; doch baulich tut sich nichts an der Immobilie, die im Außenbereich einen verwahrlosten Eindruck hinterlässt, inklusive einer vor sich hin rostenden Eismaschine.

Weil mit Andreas Goerke sich auch der letzte Geschäftsführer aus der Eissport GmbH zurückgezogen hat, war zuletzt nur eine Art von Kondrashov bestellter Hausmeister für die Immobilie abgestellt. Der hätte in Russland Metallbau mit der Fachrichtung Elektronik gelernt und einen qualifizierten Abschluss in Russland gemacht. So steht es zumindest geschrieben in einem der Redaktion vorliegenden Email-Verkehr an das Landratsamt, ein entsprechender Nachweis fehlt offensichtlich.

Da die Kühlanlage aktuell nicht im Betrieb ist und es sich um ein geschlossenes System handelt, ist die Gefährdungslage nicht akut. "Aber wir haben den Eigentümer zur technischen Nachrüstung aufgefordert. An und in der Eishalle braucht es eine fachkundige Person, die mit der Anlage vertraut ist. Die gegenwärtige Situation ist uns ein Dorn im Auge", sagt Thomas Schoenwald. Der Abteilungsleiter im Landratsamt für Bauen und Umweltschutz berichtet zudem, dass dem Besitzer der Eishalle, respektive der Eissport GmbH, eine Frist gesetzt wurde, das in der Kühlanlage befindliche Ammoniak abzupumpen. Dieser Bescheid sei am 13. März ausgelaufen. Bis Mitte April hätte Kondrashov nun Zeit, die entsprechenden Schutz-Maßnahmen zu ergreifen und diese auch nachzuweisen. Sonst wird wohl das Landratsamt aktiv und würde entstehende Kosten dem Betreiber in Rechnung stellen. "Angebote zur Entsorgung haben wir schon eingeholt", sagt Thomas Schoenwald.