Ein weißes Tuch, ein Kreuz, Kelch und Schale - mehr war nicht notwendig, um das "All In", die Feier vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi auf moderne und tiefgehende Weise zu begehen. Nach zwei Jahren Pause fand diese außergewöhnliche Feier rund um das Ostergeschehen wieder als ökumenische Andacht zum Osterfest in Wildflecken statt.

Aus dem Alltag an den Tisch des Herrn, Verzweiflung und Gefangennahme im Garten Gethsemane, Kreuzigung und Tod auf Golgatha, Grabesstille und Einsamkeit und schließlich Auferstehung und das freudige Oster-Halleluja. Die Eckpunkte dieser Geschichte sind klar gesteckt, doch die inhaltliche Vermittlung beim "All In - Alles oder Nix" ist jedes Jahr eine andere.

Ohne viele Worte

In diesem Jahr diente ein großes weißes Tuch der tiefgreifenden Symbolik um die letzten Tage im Leben Jesus. Vom Tischtuch wurde es zur überdimensionalen Hostie, zum Leidenstuch mit dem Anlitz des Herrn, zum Kreuzestuch und Leichentuch und schließlich gemeinsam mit der Osterkerze zum Symbol für die Auferstehung. Ohne viele Worte ließen die Akteure die Symbolik für sich sprechen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Pastoralen Raum Bad Brückenau und der direkten Nachbarschaft, dem Pastoralen Raum "Am Kreuzberg" waren eingeladen, sich einzulassen, die Symbolik und die Musik auf sich wirken zu lassen. Start war am Kirchenzentrum Wildflecken mit dem letzten Abendmahl.

Danach bewegte sich die Gemeinde durch den Ort zu unterschiedlichen Stationen, um eben jenes Geschehen an unterschiedlichen Örtlichkeiten mitzuerleben. Wobei es nicht beim Miterleben blieb, schon durch das mitgehen wurde jeder Teil des Geschehens, der Gemeinschaft, die Jesus auf seinem Weg begleitet. Pastoralreferent Bernhard Hopf und ein Team von Ehrenamtlichem aus dem Pastoralen Raum Bad Brückenau haben die diesjährige gottesdienstliche Liturgie zusammengestellt, die Gläubigen wie Kirchenfernen die Möglichkeit bot sich auf ganzheitliche Weise dem Geheimnis um Tod und Auferstehung zu nähern.

Eine ungewöhnliche Form

Die Idee ein "All In - Alles oder Nix" zu feiern fand erstmals 2017 als eine Aktion der "Modell-Gemeinden-Liturgie" statt, die im Prozess Pastoral der Zukunft des Bistums Würzburg entstanden ist. Im Pastoralen Raum Bad Brückenau, in der Pfarrgemeinde Wildflecken wird diese österliche Feier als weiteres zusätzliches Angebot zu den traditionellen Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen fortgeführt.

Eigens für das "All In" in diesem Jahr wurde ein Bläserensemble zusammen gestellt, das traditionelle Kirchenlieder intonierte, und zeigte, dass die alten Texte durchaus nicht altbacken sind, sondern auch heute noch zu den Menschen sprechen können. Die Frauenschola Jubilate verband modernes Liedgut mit modernen Rhythmen. So wurde das "All In" zu einem vielfältigen Erlebnis für den, der sich einließ auf diese ungewöhnliche Form. Vom Kirchenzentrum ging es in einen Garten zum innigen Gebet. "Vater, wenn es möglich ist, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen". Mitten in Wildflecken, Mahnmal und Ort der Erinnerung an die abgesiedelten Dörfer aus dem Truppenübungsplatz. Der Kreuzweg musste gegangen werden. Kreuzigung im Hof der evangelischen Kirchen. "Oh Haupt voll Blut und Wunden". Alles aus und vorbei? Hat nicht jeder Mensch ein Kreuz zu tragen? Die Teilnehmer waren eingeladen sich selbst ans Kreuz zu begeben. Eine intensive Erfahrung. Christen von heute sollten österliche Menschen sein. Das Wissen, das mit dem Kreuz nicht alles vorbei war, sondern die Auferstehung auf die Grabesruhe folge, begleitete die Gruppe. Die Osterkerze als Symbol für den Auferstanden läutete den Osterjubel ein. Das Licht der Kerze wurde verteilt. Osterjubel und Wein im Kirchenzentrum entließen die Menschen in diese besondere Nacht.