F idelis Kwazu ist Christ, einer von rund 90 Millionen in Nigeria. Seit zehn Jahren lebt er in Deutschland, besetzt seit 2016 eine Stelle als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft St. Georg - Maria Ehrenberg. Als Doktor der Theologie und Philosophie kennt Kwazu natürlich die Geschichte von den Heiligen Drei Königen. Wie diese Tradition in Deutschland am Dreikönigstag begangen wird, war ihm allerdings neu. Im Interview erzählt Kwazu, wie er sie als erstes erlebte, was er von "Blackfacing" hält und warum der "Mohr" bei den Heiligen Drei Königen auf keinen Fall fehlen sollte.

Herr Kwazu, was haben Sie gedacht, als sie das erste Mal in Deutschland Kinder gesehen haben, die sich als Heilige Drei Könige verkleidet hatten?

Fidelis Kwazu: Ich persönlich fand es lustig, habe gelacht. Dass ein Kind sich als König aus Afrika angemalt hat, sah irgendwie nicht echt aus. In meiner Heimat ist die Geschichte von den drei Königen bekannt. Auch, dass einer von ihnen aus Afrika und die anderen aus dem weißen Land stammen. Aber dass die Kinder am 6. Januar von Haus zu Haus gehen, sind wir in unserer Heimat nicht gewohnt. Eher spenden die Leute an diesem Tag für Kinder, die arm sind. Die Katholiken besuchen Waisenkinder in den Kinderheimen.

Fühlen Sie sich peinlich berührt, dass "Weiße" sich als "Schwarze" ausgeben?

Ich habe kein Problem damit. Ich verstehe diese Tradition als Zeichen, dass die Menschheit eins ist. Christus ist für sie gekommen als König der Könige. Egal, ob ich schwarz oder weiß bin: Ich gehöre der Menschheit unter einem König an, der für uns Christen der Messias ist. Dieses Kind, das schwarz angemalt ist, steht als Mensch aus dem Morgenland da, als Teil der gesamten Menschheit.

Was sagen Sie denen, die fordern, man solle sich nicht mehr das Gesicht schwarz färben?

Das empfinde ich als rassistisch. Das bedeutet, dass alle Schwarzen ausgeklammert werden.

Apropos: Haben Sie mit dem Begriff "Schwarzer" ein Problem? Oder sollte es besser "Dunkelhäutiger" heißen?

Ich finde beide Bezeichnungen in Ordnung. Sie werden wohl nur in einem Land zum Problem, wo die Schwarzen unterdrückt oder in Sklaverei gehalten wurden. "Neger" geht für mich gar nicht.

Haben sie jemals von "Blackfacing" gehört (weiße Menschen schwärzten sich die Gesichter, um zum Beispiel in Musik- und Unterhaltungsshows Sprache und Tanz von Afroamerikanern zu karikieren, d. R.)?

Das ist ein Begriff, der für mich und einige Schwarze ganz negativ besetzt ist. Er stellt eine Differenz zwischen Weißen und Schwarzen her, die praktisch nicht sein sollte. Es sollte so sein, dass alle Menschen sich als gleich ansehen.

Manche behaupten, dass das Schwarzmalen der Gesichter bei den Heiligen Drei Königen Blackfacing darstellt.

Seit ich im Februar vergangenen Jahres davon gehört habe, verbinde ich damit, dass die Leute in Europa wieder diese angesprochene Differenzierung in der Menschheit machen. Das halte ich für ganz negativ.

Würden Sie die Tradition des Dreikönigstages weiterführen?

Ich finde es nicht verkehrt. Es hilft, den Kindern klarzumachen und zu beschreiben, dass wir jedes Jahr an jene Kinder denken, die arm sind. Und dass alle Menschen - ob schwarz oder nicht - gleich sind.

Das Gespräch führte

Steffen Standke