Die ehemaligen Tennisplätze sind Jörg Schaffelhofer noch in guter Erinnerung. Idyllisch am Ortsrand gelegen, nutzte der TV Jahn Arnshausen sie nicht nur für Trainings und Ligaspiele, sondern auch für Feiern und Vereinsmeisterschaften. "Ich habe mit fünf Jahren mit dem Tennisspielen in Arnshausen angefangen. Er war eine total schöne Gemeinschaft und ein intaktes Vereinsleben", erinnert er sich. Das blieb auch nach dem Zusammenschluss mit dem mit dem SV zum heutigen TSV Arnshausen so. Zumindest vorerst. Denn obwohl der Verein eine gute Nachwuchsarbeit leistete und die Jugend erfolgreiches Tennis spielte, nahm das Interesse an dem Sport ab. "Die Tennisabteilung bekam Mitgliederprobleme bis hin zur Auflösung", bedauert Schaffelhofer.


Attraktiv für junge Familien

Das ist inzwischen 13 Jahre her. Im März 2005 hat der TSV sie aufgelöst. Es folgte eine lange Zeit des Wartens, in der die 3000 Quadratmeter große Anlage brach lag und dem Verfall Preis gegeben war. Jetzt ist das Kapitel allerdings offiziell beendet. Die Stadt Bad Kissingen hat das neue Baugebiet Gründlein offiziell eingeweiht. Insgesamt sechs Bauplätze stehen ab sofort für Häuslebauer bereit.
"Hier kann man sehen, wie sich die Zeiten ändern", meint Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Der Tennis-Boom rund um die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf ist verflogen, die Tennisplätze waren nicht mehr gefragt. Aber: "Bauplätze in guter Lage sind es." Das kleine Baugebiet im Süden von Arnshausen wird umrahmt von Wiesen und vom Aubach, der in Richtung Ortskern fließt. Blankenburg: "Es ist gut geeignet für Familien mit Kindern. Wir haben die komfortable Situation, dass es hier keinen Durchgangsverkehr gibt."

Nachdem die Abteilung geschlossen war, passierte erst einmal lange nichts. Die Plätze wucherten zu und boten einen trostlosen Anblick. Die Eigenheimer bekundeten anfangs Interesse an dem Gelände, die Stadt sah schon vor zehn Jahren die Option, hier eine kleine Wohnsiedlung zu schaffen. 2013 legte der Bauauschuss hierfür die Grundlage: Die Tennis- sollten in Bauplätze umgewandelt werden. Die Stadträte beauftragten die Verwaltung, Baurecht zu schaffen und einen Bebauungsplan für das Areal aufzustellen. "In Arnshausen hatten wir nicht mehr viele freie Plätze. Es hatte Priorität, das Baugebiet zu erschließen", berichtet Horst Geier von der städtischen Bauverwaltung.


Glasfaserkabel und LED-Laternen

Die Umwandlung verzögerte sich dennoch. Eine Bodenprobe hatte Schwermetalle in den obersten zehn Zentimetern nachgewiesen. Auch wenn der Abraum als unbelastet galt, entschied das Rathaus, die Erde 15 Zentimeter abzutragen und zu entsorgen.

Danach waren die Probleme beseitigt und die Beseitigung der Tennis-Brache ging voran. Im Juni 2016 beschloss der Stadtrat, die Fläche als dörfliches Mischgebiet auszuweisen, 15 Monate später rückten die Bagger an, um das Areal zu erschließen. Der bestehende Feldweg wurde verbreitert, eine neue Stichstraße asphaltiert sowie Gas-, Strom-, Wasser- und Glasfaserleitungen verlegt. "Mit einem Gasfasernetz bis zur Grundstücksgrenze und Straßenbeleuchtung mit LEDs sind wir auf dem neuesten Stand", sagt Tiefbauchef Thomas Hornung.

Das Baugebiet hat ein Trennsystem. Regen- und Schmutzwasser werden in zwei verschiedenen Kanälen abtransportiert. "Man versucht so, das Regenwasser in den Aubach und in das Grundwasser zu leiten und nicht in die Kläranlage", erläutert er. Somit fallen geringere Wassermengen zur Reinigung in der Kläranlage an. Das senkt die Kosten. Ein Grundstück ist bereits verkauft, Interesse an den übrigen ist auch vorhanden, berichtet Horst Geier. Die Stadt geht davon aus, dass die Plätze zügig Abnehmer finden. Der Preis pro Quadratmeter liegt bei 60 Euro zuzüglich Erschließungskosten.

Bei aller Nostalgie ist Jörg Schaffelhofer froh, dass die heruntergekommene Sportanlage verschwunden ist. "Die Brache musste weg. Es wäre dort nie mehr zu zu einem Tennisplatz gekommen", meint er.

Gründlein Auf den ehemaligen Tennisplätzen sind sechs Bauplätze entstanden mit einer Größe zwischen 426 und 596 Quadratmetern. Für die Erschließung hat die Stadt 92 Meter Kanal für Schmutzwasser und 200 Meter Kanal für Regenwasser verlegt. Die Datzenbrunnenstraße wurde auf einer Länge von 83 Metern ausgebaut. Die Fahrbahnbreite beträgt 5,50 Meter. Ins Baugebiet zweigt außerdem eine 27 Meter lange Stichstraße mit Wendehammer ab. Die Kosten für die Erschließung betragen 500 000 Euro. Diese teilen sich mit je 250 000 Euro auf den Straßen- sowie auf den Kanalbau auf.