Seit September letzten Jahres schicken sich nun Ulrike und Thomas Lange an, das ramponierte Image wieder aufzupolieren. Die neuen Eigentümer des Weingutes Schloss Saaleck haben den äußert schwierigen Betriebsübergang gerade hinter sich und richten den Blick nunmehr mit großem Optimismus in die Zukunft. Das Motto des Ehepaares: "Wir schaffen das".

"Wir haben uns das sehr gut überlegt"


Blauäugig ist das Ehepaar nach eigenem Bekunden nicht an das Projekt herangegangen. "Wir haben uns das sehr gut überlegt, haben gerechnet und kalkuliert, haben uns professionelle Beratung geholt", verdeutlicht die 39-jährige diplomierte Weinbau-Ingenieurin aus Bergtheim die wohl überlegte, schwierige Entscheidung, das Weingut zu erwerben. Ihr Kopf und der ihres 40-jährigen Mannes sind voller Ideen. Thomas Lange hat inzwischen beschlossen, seinen sicheren Job im Außendienst eines Großhandels aufzugeben und seine Frau voll und ganz zu unterstützen. In zwei bis drei Jahren möchte er die Prüfung als Winzer ablegen.

Chaotische Wochen liegen zurück


Mit dem Einbringen der spärlichen 2011er-Ernte gingen noch andere wichtige Dinge einher. "Am 13. September hatten unsere beiden Söhne Lukas und Moritz ihren ersten Schultag in Hammelburg. Am gleichen Tag begann die Weinernte. Da war der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben." Die wichtigsten Dinge seien schnell noch in einer Vereinbarung mit der Stadt geregelt worden. "Ich danke Gott, dass das alle gut gegangen ist", schaut Ulrike Lange heute auf diese extrem an den Nerven zehrende Zeit zurück.
Inzwischen haben die elf- und neunjährigen Söhne gute Freude in Hammelburg gefunden. Sie drängen Mama und Papa, sich hier wohnlich niederzulassen. "Wir haben uns entschieden, unser 2002 gebautes Haus in Bergtheim zu verkaufen und hier sesshaft zu werden", lautet die klare Botschaft der Eltern an ihre Söhne. Dies sehr zur Freude der beiden aufgeweckten Jungs.

Zeichen stehen auf Expansion


Unterdessen haben die beiden Weingutbesitzer die Weichen auf Expansion gestellt. Mit Klemens Rumpel hat das Ehepaar Lange sich einen Winzermeister an Land gezogen, der in Fachkreisen hohe Anerkennung genießt. Rumpel war viele Jahre beim Bürgerspital Würzburg tätig, sein Arbeitsplatz war die Lage Würzburger Stein. Für den Betrieb hat das Ehepaar einen Kellermeister in Teilzeit verpflichtet und außerdem einen Winzer gewonnen, der sich um den Schnitt der 16,2 Hektar im Ertrag stehenden Rebflächen kümmert. Ulrike und Thomas Lange werden sich die Aufgaben in Vertrieb, Marketing und Verkauf teilen. Eine Halbtagskraft und eine Kraft auf 400-Euro-Basis leisten Unterstützung.

Kulinarisches Weinfest


Die Vinothek im Parterre des Rathauses ist langfristig gemietet und wird bereits im März umgebaut. "Wir wollen uns mehr öffnen, den Menschen signalisieren, dass sie uns herzlich willkommen sind." Dazu dienen auch Betriebsführungen und Weinbergswanderungen. "Das Schlossweinfest wird es zum traditionellen Termin an Fronleichnam weiter geben. Als kulinarisches Weinfest. "Die Gäste dürfen gespannt sein", freut sich die Winzertochter auf das Fest.

Der Wein reift bei Klängen von Mozart


Auch im Keller hat sich seit September einiges getan. "Wir arbeiten mit anderen Hefen, die fruchtbetonte Weine hervorbringen." Und noch ein Novum gibt es: "Unsere Weine reifen zu Klängen von Mozart, zu tibetischen Mönchsgesängen und bei Wellness-Musik. Meine Eltern haben damit beste Erfahrungen gemacht. Es gilt als erwiesen, dass Mikroorganismen wie Hefe auf bestimmte Klänge positiv reagieren." Die Önologin sieht im bisherigen Gärprozess des gestressten 2011er-Jahrgangs ohne jegliche Störungen den Beleg dafür, dass die Berieselung mit entspannender Musik ein Schritt in die richtige Richtung ist. Mit Umstellung des Betriebes in ein paar Jahren auf naturnahen Weinbau soll eine weitere wichtige Veränderung so bald wie möglich vollzogen werden.

"Es gibt viel zu tun, packen wir's an"


Vertrauen schaffen, alte Kunden zurückgewinnen und neue akquirieren, qualitativ hochwertige Weine kreieren, sanieren und neu bauen kosten unendlich viel Zeit und Kraft. "Den Rückhalt bietet die Familie, aus ihr schöpfen wir all unsere Kraft."