Das Nüdlinger Heimatmuseum, das in ehrenamtlicher Arbeit des Heimatvereins geschaffen und jetzt vor einer umfassenden Renovierungsaktion steht, wurde den gut 20 Besuchern am Internationalen Museumstag in seiner gewohnten Art vorgestellt. Johann Göbbel und Horst Günter, die bisherigen Museumsleiter, zeigten zusammen mit weiteren Führungskräften viele Highlights unter den insgesamt etwa 10 000 Exponaten auf. "Wir sind jetzt mitten im Umbruch", sagte Göbbel im Hinblick auf die in mehreren Stufen geplante Modernisierung, die den wissenschaftlich fundierten Rat der Kulturhistorikerin Daniela Kühne als Grundlage hat.
Beim ersten Raum des Heimatmuseums ging Johann Göbbel vor allem auf Aspekte der Ortsgeschichte Nüdlingens ein. Der Ort wurde im Jahre 772 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zum Bistum Fulda. In diese Epoche fällt auch der Aufstieg der Karolinger mit dem späteren Kaiser Karl der Große. Im 11. Jahrhundert ging der fuldische Besitz in die Hände der Grafen von Henneberg über, deren Herrschaft von 1037 bis 1394 andauerte. Überliefert sind Machtkämpfe zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg. Eine von den Hennebergern errichtete Burg, die Hunburg, musste bereits nach fünf Jahren wieder zerstört werden. Kenntnisreich erläuterte Johann Göbbel die lange Tradition des Ortspatrons, des Heiligen Sebastian, sowie des Kirchenpatrons, des Hl. Kilian und Gefährten.
Zwischendurch drängte es den achtjährigen Besucher Franz, etwas über das Alter des Museumsgebäudes zu erfahren. "Das Gebäude wurde auf den Grundmauern einer alten Dorfburg errichtet", sagte Göbbel. Die Besuchergruppe nahm bei der Besichtigung Kenntnis von den früher gesammelten Museumsstücken. So wurden in einem Raum die Ausgrabungen in der Gemarkung "Bünd" erläutert und das große Keltengrab gezeigt. In einem Raum daneben erblickten die Besucher ein schönes, verziertes Weinfass, das Günter Hofmann, der Vater des Bürgermeisters, vor Jahrzehnten gefertigt hat.
Viele interessante Exponate bot der Raum mit dem "Tante-Emma-Laden", dem Regal mit vielerlei Kurzwaren und Einblicke in das Schuster- und Schuhmacherhandwerk. Mit besonderer Hingabe erläuterte Johann Göbbel die Stufen der Textilherstellung und den mechanischen Webstuhl.
Eine weitere Besuchergruppe ließ sich von Museumsleiter a.D. Horst Günter über besondere Exponate informieren. Sie staunten nicht schlecht über die kleinen Zentrifugen zur Butterherstellung oder die aus Sandstein gefertigten Kühlschränke.
Im Anschluss an den Museumsbesuch besuchten die Gäste das Museumsgasthaus "Stern", wo sie es sich bei hausgebackenen Torten oder Kuchen gut gehen ließen. Zur Unterhaltung spielte im Eingangsbereich eine 4-Mann-Kapelle, die sich "ä`weng" - die kleine Blasmusik - nennt. Mit Daniela Tutschany, Jürgen Goll, Matthias Beck und Werner Beck spielten sie volkstümliche fränkische Melodien und animierten das Publikum zum Mitsingen.