"Es ist einfach mysteriös", sagt Ursula Boehm. Sie ist die Leiterin der Tierheims Wannigsmühle und macht derzeit eine Erfahrung, die sie bislang noch nicht kannte: "Es verschwinden aktuell Katzen in Hammelburg und Bad Kissingen, jetzt treffen auch aus Bad Königshofen mehr Nachrichten über verschwundene Katzen ein als sonst."

"Wahnsinnig viel"

Es seien "wahnsinnig viele" Meldungen zunächst aus Hammelburg und Bad Kissingen eingegangen. Darunter versteht sie, dass bis zu fünf vermisste Tiere am Tag gemeldet wurden - der Durchschnitt läge bei etwa zwei Katzen am Tag im Einzugsbereich des Tierheimes, das für den Landkreis Bad Kissingen zuständig ist. "Vereinzelt kommen jetzt Meldungen aus Bad Kissingen und Hammelburg, dass die Tiere gefunden wurden." Nun aber kämen die Meldungen aus dem Bereich Bad Königshofen.

"Wir können uns das schlicht nicht erklären", sagt Ursula Boehm. "Früher, also vor zig Jahren,gab es tatsächlich Katzenfänger, die die Tiere zur Fellgewinnung oder zu Tierversuchen stahlen. Aber das ist Schnee von gestern: Heute finden die Hehler ihre ,Ware' kostengünstig in den Ostblockländern. Bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen haben bislang noch keine Katzenbesitzer das Fehlen ihres Tieres angezeigt.

Durchgehend zutrauliche Tiere

Sie weiß aus Erfahrung, dass es in jedem Dorf Katzenhasser gibt, die die Tiere kurzerhand einsperren. "Aber oft lassen diese Menschen die Tiere dann wieder frei." Oft sei es sehr schwierig, diese tierquälerischen Aktionen nachzuweisen. Was Ursula Boehm noch stutzen lässt: "Es sind durchgängig kastrierte Tiere, die nur sehr selten streunen." Es seien durchgehend ganz normale Familienmitglieder, liebe, verschmuste Tiere. "Es sind auch keine scheuen Scheunenkatzen, die von ihren Futterstellen verschwinden."

Auf der Homepage des Tierheims warnte die Leiterin nun vor dem Verschwinden der Tiere. Aus gutem Grund: "Ich kann mir gut vorstellen, dass Ferienfahrten dabei eine Rolle spielen können." Kurz vor Abfahrt wurde doch noch die Luftmatratze im Schuppen vergessen, schnell die Tür auf und wieder zu - und keiner bemerkt, dass sich dabei eine Katze eingeschlichen hat. "Deshalb sollten die Besitzer zunächst in der Nachbarschaft herumfragen - vielleicht hat einer ein Miauen gehört?" Sollte das der Fall sein, sollte - so Boehm - die Polizei alarmiert werden.

Keines der vermisst gemeldeten Tiere wurde im Tierheim abgegeben. Derzeit leben in der Wannigsmühle 150 bis 160 Katzen, rund 70 als Freigänger auf dem Gelände. Unter ihnen ist auch Problemfall Claudia, ein junge Katze, der linksseitig sowohl die Hüfte wie die Kniescheibe fehlt. Ursula Boehm ist dennoch zuversichtlich, dass auch diese Handicap-Tier einen menschlichen Freund finden wird. "Handicap-Tiere stellen bei der Vermittlung kaum Probleme dar."

Vermittlung trotz Corona

Trotz Corona laufe die Vermittlung ungehindert weiter, sagt die Tierheim-Chefin. "Wir können das gut über Termine regeln." Trotzdem läuft wegen der Pandemie das Leben im Tierheim nun anders. "Wir haben kein Sommerfest gemacht, können kein Herbstfest veranstalten, Kaffee und Kuchen gibt es auch nicht - das ist sehr traurig." Dankbar sei sie darüber, dass "wir nicht vergessen wurden": Weiterhin lieferten viele Menschen Spenden ab, oder brächten Futter und Tierzubehör vorbei. "Das finden wir einfach klasse."