Zwei Stummel kleben noch am Rücken. Die feinen Flügel sind nicht mehr wie sie einmal waren. Die zarte Haut verkrüppelt. Alles geht langsamer. Träge und lahm. Was Erhard Bieber im Spätsommer bei seinen Tieren beobachtet hat, machte ihm keine große Hoffnung. Dann vor ein paar Wochen die Gewissheit: Die Hälfte seiner Bienen hat den Winter nicht überlebt. Dieses Schicksal ist kein Einzelfall. Die Imkerkollegen des Kreisvorsitzenden haben Dutzende Völker verloren. Ein Ende des großen Sterbens - nicht in Sicht.

Sieben seiner ehemals 25 Völker hat Erhard Bieber am Waldrand nahe Maßbach aufgereiht. "Denen ist nichts passiert", sagt er. Warum es gerade die geschafft haben und die anderen nicht, die nur ein Stück entfernt stehen? Erhard Bieber weiß es nicht. Den einen Grund gibt es nicht: "Es tritt kombiniert auf", meint der Imker. Spritzmittel, Monokulturen, lasche Winter und der Hauptschuldige: die Varroa-Milbe. "Es kommen mehrere Sachen zusammen, die die Bienen schwächen", sagt Erhard Bieber, der an seinen Tieren hängt, seit er 16 Jahre alt ist.

Fast alle Völker tot

"In den letzten fünf, sechs Jahren wird es immer schlimmer", sagt Gertrud Hartmann aus Lauter. Ihr und ihrem Mann Ewald sind von ihren 30 Bienenvölkern 28 weggestorben. "Mein Mann hat geweint. Er war fix und fertig. So was haben wir noch nicht mitgemacht", sagt sie. Die Bienen gehören zum Leben des Ehepaars dazu. Schon der Großvater und der Vater ihres Mannes hatten Bienen, erzählt Gertrud Hartmann, die mit ihrem Honig jede Woche auf dem Wochenmarkt in Burkardroth steht (  Seite 7 ). Der Honig geht ihr langsam aus. Das Angebot wird knapp.

Spritzmittel als Auslöser?

Gertrud Hartmann vermutet, dass ein Spritzmittel der Auslöser für das große Sterben war. "Das Spritzmittel ist im Morgentau, den die Biene morgens sammelt. Das wirkt bei den Bienen wie ein Nervengift und macht sie wie besoffen. Sie finden ihren Stock nicht mehr und kommen nicht mehr heim", sagt Gertrud Hartmann.

"Wir können nur hoffen, dass sich die Bauern an die Spritzvorgaben halten", sagt Erhard Bieber. Er appelliert an die Landwirte, die Zwischenfrucht erst zu mulchen, wenn sie abgeblüht ist, "damit die Bienen noch etwas davon haben". Auch wenn er weiß, dass er damit höchstens die kleinen Bauern anspricht. "Leider ist heute jeder dazu gezwungen, alles rauszuholen." Trotzdem: Es muss mehr für die Biene getan werden, meint Martin Holzinger aus Obereschenbach. Er ist Vorsitzender des Imkervereins Hammelburg. "Man darf nicht immer alles gleich runtermähen", sagt er und spricht damit Kommunen und Privatleute gleichermaßen an. Noch besser sei die aktive Methode: "Es gibt spezielle Mischungen, die man aussähen kann." Ausschlaggebend sei die Vielfalt. "Wenn Raps abgeblüht ist, hat Biene erst einmal nichts mehr", sagt Erhard Bieber. In manchen Jahren finden sie gerade so viel, dass sie überleben, meint er.

"Ich kenne viele, die aufhören", sagt Gertrud Hartmann. Selbst nach den Verlusten, die das Imker-Paar wegstecken muss, ist das keine Option. Auch Erhard Bieber will seine Völker wieder aufbauen: "Man darf den Mut nicht verlieren."