Die Einsatzszenarien der Freiwilligen Feuerwehren sind heute sehr vielfältig: Vom Brandschutz bis zur Technischen Hilfeleistung reicht hier die Palette, bei jeder Alarmierung gibt es zudem Besonderheiten, auf die geachtet werden muss. Und wenn die Sirene mitten in der Nacht losgeht und die Floriansjünger aus dem Schlaf gerissen zum Feuerwehrhaus eilen, dann ist es nur gut, wenn im Vorfeld viele der Szenarien schon einmal geübt worden sind. Denn Übung macht bekanntlich den Meister und wenn jeder ganz genau weiß, was er im Ernstfall zu tun hat, dann kann der Einsatz routiniert ablaufen - denn dann muss alles schnell gehen und jeder Handgriff sitzen.
Um möglichst viele Szenarien abzudecken, hat die Feuerwehr Bad Kissingen auch in diesem Jahr wieder eine 24-Stunden-Übung durchgeführt. "Im Vorfeld gab es da natürlich einiges zu tun", weiß Kreis- und Stadtbrandinspektor Harald Albert zu berichten, der sie geplant und ausgearbeitet hat. Mit den Vorbereitungen wurde schon Mitte Dezember begonnen, jede der teilnehmenden Feuerwehren wurde gefragt, was sie für Ideen hat bzw. was sie als Übungsszenario als sinnvoll ansieht. "Wichtig war, hier möglichst umfangreich zu üben, jeder sollte zum Einsatz kommen. Deshalb wurden die einzelnen Übungen so konzipiert, dass sie nicht länger als 45 bis 60 Minuten dauern", sagt Harald Albert. Bis zu vier Übungen liefen parallel ab, so dass die teilnehmenden Wehren ein großes Pensum abzuarbeiten hatten. Neben der Kissinger Wehr war auch die aus Garitz vor Ort, ebenso wie Hausen, Nüdlingen, Reiterswiesen, Oberthulba und Aschach. Und selbst von weit her war eine Wehr angereist, nämlich aus dem österreichischen Eisenstadt. "Als Partnerstadt von Bad Kissingen haben wir sie eingeladen, und sie haben auch prompt zugesagt, was uns natürlich sehr freut", so der Stadtbrandinspektor. Die Wehren waren nicht nur von der guten Vorbereitung und der Kameradschaft in Bad Kissingen begeistert, sondern auch von den abwechslungsreichen Übungsszenarien, die sehr realitätsnah gestaltet worden waren. So waren unter anderem zahlreiche "Verletzte" mit vor Ort, die vor ihrem Einsatz entsprechend geschminkt worden waren. Das Bayerische Rote Kreuz, das an der 24-Stunden-Übung teilnahm, hatte ebenso alle Hände voll zu tun, die Verletzten zu versorgen.
Doch warum übt man hier eigentlich gemeinsam, schließlich könnte auch jede Wehr eine solche Übung selbst durchführen. "Natürlich ist es leichter, wenn so etwas zentral geplant wird. Außerdem ist es wichtig, dass man im Ernstfall zusammenarbeiten kann. Beispielsweise bei Verkehrsunfällen ist dies unerlässlich", weiß Albert aus Erfahrung. Zudem macht es auch viel mehr Spaß zu üben, wenn viele Feuerwehrleute mit dabei sind. Mit der Beteiligung an den Übungen war der Stadtbrandinspektor sehr zufrieden, vor Ort merkte man, dass jeder mit viel Begeisterung bei der Sache war und das Übungsziel auch sehr ernst nahm. Der Funkverkehr wurde dabei von den Kissingern selbst abgewickelt. Timo Naujoks und Peter Krammer bildeten auf der Feuerwache in Bad Kissingen die Einsatzzentrale.
"Alle Einsätze, die bei der 24-Stunden-Übung geprobt wurden, könnten so auch in der Realität passieren", betont Harald Albert. Vom Zimmerbrand über einen eingeklemmten Verkehrsteilnehmer bis hin zu einer vermissten Person in einem Schacht reichte am Freitag die Palette, am Samstag wurde außerdem das Vorgehen bei einem Kellerbrand, das Verhalten bei einem Verkehrsunfall sowie ein Zimmerbrand im Übungshaus der Kissinger Wehr geübt, um nur einige Einsatzszenarien zu nennen. Hier ging es sehr realitätsnah zu: So kamen bei den Übungen auch Nebelgeneratoren sowie Rauch- und Knallkörper zum Einsatz, so dass man tatsächlich glaubte, mitten im Einsatz zu sein. Die rund 30 Darsteller, die Verletzte spielten, waren im Vorfeld entsprechend geschminkt worden. Und auch ihr Verhalten war auf die jeweilige Situation abgestimmt. Bei den einzelnen Übungen fiel auf, dass sich hier vieles um die so genannte Technische Hilfeleistung drehte. Diese werde immer wichtiger, in Bad Kissingen gebe es ebenso viele Einsätze in diesem Bereich wie in der Brandbekämpfung, so Albert. Nach jeder einzelnen Übung fand sofort eine Nachbesprechung statt. Die jeweiligen Übungsleiter hatten sich dabei Notizen gemacht, was man noch verbessern könnte. Die Erfahrung, die hier gesammelt werden konnte, wird den Feuerwehrleuten im Einsatz zugute kommen.
"Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Den Feuerwehrleuten hat es gefallen und auch die Kollegen aus Österreich meinten, dass sie bei der 24-Stunden-Übung sehr viel dazulernen konnten", zieht Albert ein positives Fazit. Alle waren mit Elan dabei, so dass sich die Arbeit im Vorfeld mehr als gelohnt hat. Und auch die Kameradschaft wurde durch die Aktion gestärkt. "Wir haben die Übung heuer zum 2. Mal in einem solch großen Rahmen durchgeführt. Vor Ort waren zwischen 80 und 90 Übende. Ich denke, dass wir eine solche 24-Stunden-Übung wiederholen werden", meinte der Stadtbrandinspektor.