2012 machte Kreisheimatpfleger Werner Eberth bei der Stadt den Vorschlag, für den aufgelassenen Kapellenfriedhof Patenschaften zur Pflege von Grabmalen zuzulassen. Ihm ging es um das Grab des früheren Kissinger Distriktstechnikers (Kreisbaumeister) Conrad von Morandell, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Bad Kissingen und im damaligen Distrikt (Landkreis) Privatbauten errichtet hat, was damals einem Beamten zu seiner praktischen Fortbildung möglich war. Sein wichtigster Bau ist die Kirche von Kleinbrach.
Nach langen Verhandlungen erhielt Eberth im August als erster die Patenschaft für dieses Grab. Wie meist üblich, lagen die Probleme im Detail. In Paragraf 5 der Vereinbarung hatte die Stadt die Haftung für leichte Fahrlässigkeit ihrerseits ausgeschlossen, für den ehrenamtlichen Helfer umgekehrt nicht. Obwohl Eberth dies als eine Schlechterstellung für ehrenamtliche Tätigkeit ansieht - ein Bediensteter haftet für leichte Fahrlässigkeit wohlweislich nicht - hat er sich entschlossen, es auf einen tatsächlichen Fall ankommen zu lassen.

Probleme durch Efeu

In der Zwischenzeit hat er am Grab Morandell den Efeu erneut zurückgeschnitten, der vor Jahren das Grabmal als Kern eines Efeubaumes eingeschlossen hat. Bei dieser sogenannten Arboreszenz bildet der sonst rankende Efeu einen Stamm mit Krone und ändert auch seine Blattform.
Zu solchen Einzelmaßnahmen ist die Stadt auf Grund der personellen Besetzung nicht in der Lage, so dass bürgerschaftliche Mithilfe zur Pflege dieser besonderen Parkanlage nötig ist. Inzwischen hat die Stadt vorbildlich den ganzen Friedhof gemäht, eine Maßnahme, die nur zweimal im Jahr angezeigt ist, jedoch Pflege von Einzelgräbern nicht zulässt.
Bei Eberth haben sich in der Zwischenzeit Helfer für Erhaltung des Kapellenfriedhofs gemeldet. Gerd Schindelmann und Eberth haben sich kürzlich einige Gräber vorgenommen, die mit gärtnerischer Handarbeit leicht wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt werden konnten. Dabei wurde klar, dass, unabhängig von Grabpatenschaften, gärtnerische Einsätze im Durchgang erforderlich sind für Arbeiten, die die Stadtgärtnerei mit Maschineneinsatz nicht erledigen kann.
So war das verwilderte Grab Jahreis in relativ kurzer Zeit durch Entfernung des Wildwuchses wieder in einen einigermaßen ordentlichen Zustand versetzt. Dies gilt auch für das Grab Ludwig, an dem sich der Efeu, begleitet von einer Ameisenkolonie, hochrankte. Kann sich eine Efeuranke unter eine Schrifttafel aus Marmor schieben, sprengt sie diese beim Wachsen ab. Von der liegenden Grabplatte Josef Baier wurden die dicken Moospolster entfernt, so dass man die Grabinschrift wieder lesen kann.
Solche Pflegemaßnahmen sind, auch ohne Patenschaft für ein bestimmtes Grab, für ehrenamtliche Helfer möglich, die nach der Reichsversicherungsordnung (RVO) allerdings bei der Stadt angemeldet sein müssen, um so Unfallversicherungsschutz zu haben.
Andererseits haften sie nach jetziger Vorstellung der Stadt für jeden Schaden, den sie auch nur leicht fahrlässig verursachen. Wichtig ist es dabei, den bürokratischen Aufwand in Grenzen zu halten.
Kreisheimatpfleger Werner Eberth lädt alle ein, die sich je nach Anfall für gemeinschaftliche Pflegemaßnahmen im Park Kapellenfriedhof einsetzen wollen, sich unter Tel. 0971/ 612 87 bei ihm zu melden.