Borkenkäfer, Klimawandel, Renaturierung und die Stärkung heimischer Baumarten - am Totnansberg bei Stangenroth geht es deshalb der Fichte an den Kragen. Eingesetzt wird dafür ein Harvester, der bei vielen den Eindruck hinterlässt, mehr kaputt- als gutzumachen. Sichtbar wird dies beim Blick in die Rückegassen: Rechts und links leuchtend grüne Blätter. Dazwischen liegen ausgetrocknete braune Reisigmatten in der Rückegasse am Totnansberg bei Stangenroth. "Der Kontrast sieht auf den ersten Blick schon dramatisch aus", meint Philipp Bausch, der stellvertretende Forstbetriebsleiter in Bad Brückenau. "Tatsächlich täuscht das aber - es ist eben kein waldübliches grün zu sehen, sondern braun. Allerdings hilft das Material der Bodenverdichtung beim Befahren der Rückegassen vorzubeugen." Die Matten sorgen nämlich dafür, dass sich die 25 Tonnen des Harvesters besser auf dem Boden verteilen.

Bodenschonendes Arbeiten

Häufig wird der Harvestereinsatz wegen der Bodenverdichtung kritisiert. Durch das Befahren mit schweren Maschinen wird der Luftanteil im Boden verdichtet, was die biologische Aktivität im Boden einschränkt, das heißt, die Durchwurzelung des Bodens wird behindert. Das hat letztlich auch Auswirkungen auf das Baumwachstum. "Deswegen müssen wir bei Forstarbeiten mit dem Harvester minimalinvasiv vorgehen um den Waldboden zu schützen", betont der 37-Jährige. Hilfreich erweist sich dabei der Antrieb: "Die Maschine hat einen Raupenantrieb, das ist ein bisschen wie bei einem Bagger. Dadurch haben wir eine größere Auflagefläche und bessere Gewichtsverteilung", erklärt Rainer Langensteiner seinen 165 Pferde starken Harvester. Bei radgetriebenen Varianten könne man außerdem durch niedrigen Reifendruck der Verdichtung vorbeugen.

Allerdings lassen sich Druckbelastungen auf den empfindlichen Waldboden trotz aller technischen Raffinessen nicht vermeiden: Das Bundesforschungszentrum für Wald mahnt Forstarbeiter daher an, sich mit den Maschinen lediglich auf den Feinerschließungslinien - also den Rückegassen - zu bewegen. "Die Rückegassen haben wir in Bayern etwa alle 30 Meter. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich", informiert Bausch. "Die Gassen bleiben allerdings auch Gassen. Die benötigen wir ja wieder, also ist für die Feinerschließungslinien keine Aufforstung oder Verjüngung beabsichtigt."

Aber beim Anlegen der Rückegassen muss neben den Abständen einiges beachtet werden. Das zeigt sich auch bei einem Blick in die Vergangenheit: Im Bereich des Totnansbergs wurde bei Holzrückearbeiten vor drei Jahren ein Jägerläger aus der Mittelsteinzeitaus Unkenntnis vermeintlich beschädigt, weshalb Forstverwaltung und das Landesamt für Denkmalpflege Beschwerde gegenüber den bayerischen Staatsforsten einlegten. "Das Areal wurde dann begutachtet, aber der Freilandstation des Mesolithikums ist nichts passiert." Heute werden bekannte Bodendenkmäler aus der Erschließung herausgenommen um sie zu schützen. "Das war nicht immer so, im Bereich des Totnansbergs wurden in den 1960er Jahren noch Wege über solche historische Stätten gebaut", beschreibt der 37-Jährige den Bewusstseinswandel bezüglich der Denkmalflächen bei den Staatsforsten.

"Tauchen dennoch Funde auf, sind diese mit möglichst umfassenden Informationen an uns zu melden, so dass wir eine zeitnahe Prüfung beginnen können", teilt Matthias Merkl, der stellvertretende Gebietsreferent für den Landkreis Bad Kissingen des bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, mit. "Jegliche Funde sind nach dem bayerischen Denkmalschutzgesetz meldepflichtig."

Langfristige Angelegenheit mit Gesprächspotenzial

Ziel der Forstarbeiten im Bereich des Totnansbergs ist es, über einen Zeitraum von 30 Jahren den Fichtenbestand zu minimieren. Nach zehn Jahren werde Bilanz gezogen und das weitere Vorgehen geplant. "Alle Arbeiten haben wir als Flächenverantwortliche gemeinsam mit Naturschutzbehörden und der Forstverwaltung im Pflege- und Entwicklungsplan abgeklärt." Bei der Fichte handelt es sich um eine nicht standorttypische Baumart, die in den 1950er und 60er Jahren dort aufgeforstet wurde. "Bei Riedenberg haben sich damals Waldarbeiter damit abgemüht sie wertzuentasten." Bei der Wertästung wird durch menschliches Eingreifen versucht qualitativ hochwertiges Holz zu erzeugen, dass beispielsweise beim Bau von Musikinstrumenten verwendet wird. "Heute müssen wir so manche wertentastete Fichte herausnehmen - das sorgt nicht nur bei Förstern oder älteren Kollegen, die beteiligt waren, für Gesprächsstoff. Auch wir reden darüber", sagt der 37-Jährige.

Kein Kahlschlag

Allerdings handelt es sich bei den Arbeiten in der Kernzone des Biosphärenreservates nicht um eine flächendeckende Rodung. "Unser Ziel ist es, Licht in den Wald zu bringen. Dadurch können sich eigentlich heimische Arten wie die Buche oder die Vogelbeere wieder etablieren. Wir entnehmen also Stück für Stück die Fichte." Die Arbeiten im Jahr 2018 erstrecken sich unter anderem wegen des Tourismus und der Vogelbrut auf einen engen Zeitraum, bevor das Herbst- und Winterwetter die Holzentnahme nicht mehr möglich macht. "Das Wetter spielt uns aktuell in die Karten, wir können das Holz zügig rausholen." Hilfreich ist dabei das Abtransportsystem der Staatsforsten: "Wir übernehmen den Transfer bis zum Sägewerk. Dadurch liegt das Holz nicht allzu lange im Wald."

Über die Trockenperiode freuen sich allerdings nicht nur die Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten, sondern auch die Borkenkäfer. "Ein Großteil unserer Mannschaft ist deshalb aktuell bei der Bekämpfung der Borkenkäfers eingespannt." Neben optischen Anzeichen des Borkenkäferbefalls dienen den patrouillierenden Forstarbeitern auch Tiere als Indikator: "Die merken das meistens vor uns Menschen. Am Baum lässt sich das immer ganz gut am Spechtabschlag sehen. Der Vogel pickt die Rinde ab und frisst die Larven und Käfer. Dann werden wir schnell aktiv", erklärt Bausch ein natürliches Warnsystem.

Dass das schnelle Handeln der Staatsforsten von Erfolg gekrönt ist, zeigt sich für Bausch beim Blick ins Zahlenwerk: "Wir machen regelmäßig eine Inventur an bestimmten Punkten im Wald. Es lässt sich feststellen, dass wir mehr Zuwachs als Entnahme im Bereich des Starkholzes haben."

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Eschentriebsterben:

Durch einen eingeschleppten Pilz wird das sogenannte Eschentriebsterben verursacht.Das falsche weiße Stengelbecherchen bildet im Sommer Fruchtkörper aus. Durch den Wind werden die enthaltenen Sporen verbreitet und können die Blätter der Esche infizieren. Von den Blättern aus wächst der Pilz weiter in die Triebe. Sind diese infiziert, verbreitet er sich in die verholzten Bereiche. Sichtbar wird dies zunächst durch braun verfärbte Blätter, später durch die Rindennekrose. Die infizierten Blätter fallen schließlich zu Boden und ermöglichen die Bildung neuer Fruchtkörper im nächsten Jahr.

Lösungsansatz des bayerischen Staatsforsten:

Eine direkte Bekämpfung mit Fungiziden ist wegen der weiten Verbreitung des Pilzes nicht möglich. Auch Entastungen machen wenig Sinn, da jährlich die Neuinfektion droht. Stark erkrankte Exemplare werden entnommen. Dies geschieht aktuell auch in einem Stück Wirtschaftswald am Totnansberg. "Wir schauen unsere Eschen regelmäßig genau an. Die Gesunden lassen wir stehen und entnehmen lediglich die Geschädigten", beschreibt Philipp Bausch von den bayerischen Staatsforsten das Vorgehen.