Einer der Nebeneffekte, die viele von Putins Angriff auf die Ukraine zu spüren bekamen, ist der Anstieg der Spritpreise. Nicht nur deswegen ist es sinnvoll, sich über Alternativen Gedanken zu machen: Auch wegen des Kampfes gegen den Klimawandel werden die Preise für fossile Brennstoffe eher teurer als billiger. Und es gibt Alternativen:

Viel diskutiert sind E-Autos - eine andere Möglichkeit sind Gasautos. Sie laufen mit fossilem Erdgas (CNG) und regenerativen Biomethan, auch Bioerdgas oder Bio-CNG genannt. Der Antrieb von Autos mit Erdgas (CNG) sollte nicht mit Autogas (LPG) verwechselt werden. Letzteres ist flüssig und in jedem Fall fossil.

Positive Bilanz für Biogas aus Reststoffen

Ob ein Auto Erdgas oder Biomethan bekommt, ist egal. Auch preislich gibt es noch kaum Unterschiede. Das regenerative Biomethan entsteht aus Abfallprodukten aus der Landwirtschaft, aber auch aus gezielt dafür angebauten Pflanzen, etwa Mais.

Wegen letzterem steht das Biomethan oft in der Kritik, das weiß auch Bernd Rech vom Helmholtz-Zentrum Berlin: "Der Anbau verbraucht sehr viel Energie und Ressourcen, er schadet zum Teil auch den Böden. Für Biogas aus Reststoffen aber ist die Bilanz eindeutig positiv", sagt er auf deren Website.

Alternative zu Elektroautos

Fahrer eines Erdgasautos und Verfechter des Biomethan-Tankens ist der Hammelburger Joshua Augsburg. Den Pkw habe er sich vor etwa dreieinhalb Jahren gekauft. "Ich wollte etwas möglichst Umweltfreundliches und Elektro war für uns noch nicht alltagstauglich", sagt er. In seiner Recherche stieß er auf Erdgasautos.

Um möglichst umweltfreundlich zu fahren, präferiert er Anbieter, die das Biomethan ausschließlich aus Abfallprodukten aus der Landwirtschaft herstellen. Wie etwa Stroh, das laut einer Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) zum Teil ohne sinnvolle Nutzung vergeht. Bisher findet er diesen Anbieter jedoch nur in Lohr, Karlstadt und Veitshöchheim.

Billig fahren mit Erdgas und Biomethan

"Anstatt das einfach so verrotten zu lassen, fängt man das Methan, das dabei entsteht, auf. So hat man keine zusätzlichen Emissionen produziert, sondern zusätzlich die Energie genutzt", führt Joshua Augsburg aus. So seien Biomethan-betriebene Fahrzeuge eine gute Ergänzung zur Elektrifizierung des Verkehrs.

Erdgas lohnt sich preislich

Ein weiterer Vorteil: "Witzigerweise sind die Ökogastankstellen billiger als die fossilen Tankstellen, weil kein CO2-Preis und andere Kosten dazukommen." Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz rechnet sich Erdgas, ob fossil oder nicht, derzeit am meisten (siehe Grafik).

Um einen Vergleich zu "normalen" Preisen zu bekommen, helfen die Infos der Stadtwerke Eichstätt: Vor einem Jahr lag der Preis für ein Kilogramm Erdgas oder Biomethan bei etwa 1,10 Euro (Derzeit kostet es im 50-Kilometer-Umkreis zwischen 1,10 und 1,38 Euro pro Kilo). Das wäre ein vergleichbarer Benzinpreis von rund 74 Cent je Liter. Der Dieselpreis läge bei etwa 83 Cent je Liter.

Nicht nur gute Seiten: Kritik am Biomethan 

Wer nicht geplant hat, in nächster Zeit ein neues Auto anzuschaffen, wird hier enttäuscht werden: Im Gegensatz zu Autogasfahrzeugen (LPG), ist die Umrüstung des Fahrzeuges auf Erdgas (CNG) laut dem ADAC zu teuer, als dass es sich lohnen würde.

Dazu kommt die Kritik am Biomethan selbst: Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, verteuert sich das Ackerland in der Umgebung, je mehr Biogasanlagen entstehen. Zudem sind die Gärreste der Biogasanlagen umstritten. Werden sie auf der einen Seite als hochwertiger Dünger angepriesen, wird auf der anderen Seite bemängelt, dass sie viel Stick- und Kohlenstoff enthalten.

Forschungen, wie sich das auf längere Zeit auswirkt, gebe es laut dem BR noch nicht. Außerdem werde das Grundwasser mit Nitraten belastet. Weitere Kritik ist, dass die Rohstoffe für die Biomethanherstellung oft noch weit transportiert werden müssen, meist mit fossil betriebenen Fahrzeugen. Mehr auf .

Lage im Landkreis Bad Kissingen

Insgesamt sind laut Landratsamt im Landkreis 119 Fahrzeuge mit Erdgasantrieb unterwegs, davon 99 Pkw, 14 Lkw und sechs Busse. Daneben gibt es 1540 Hybridfahrzeuge, davon 1502 Pkw und 38 Lkw.

Viele davon tanken an der Gastankstelle der Bad Kissinger Stadtwerke - die einzige im Landkreis. "Neben privaten Pkw versorgen wir mit dieser Tankstelle auch acht Fahrzeuge in unserem Fuhrpark sowie sechs Busse des Stadtbusverkehres", berichtet Geschäftsführer Manfred Zimmer.

Die Tankstelle bietet seit diesem Jahr ausschließlich Biomethan an. Dabei handelt es sich um keinen Anbieter, der den gezielten Anbau von Pflanzen untersagt: "Eine differenzierte Aufgliederung, wie sich die Herstellung des Biomethan es darstellt, also was aus Abfall, Reststoffen oder aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wird, hängt dabei davon ab, welche Erzeugungsanlagen wann und wie ihre Biomethan in das Erdgasnetz einspeisen", heißt es von den Stadtwerken.

1000 Tonnen CO2 durch Erdgasbusse gespart

Doch das muss nicht schlecht sein. Bereits im Oktober 1997 sei die Kurstadt als bayerische Erdgasmodellstadt ausgezeichnet worden. Zum 20-jährigen Jubiläum hat die Stadt laut einer Auszeichnung mit den Erdgasbussen rund 1000 Tonnen CO2 eingespart.

"Grundsätzlich sind unsere Erfahrungen mit Erdgasfahrzeugen sehr positiv und wir planen, diese weiterhin in unserem Fuhrpark einzusetzen", so Zimmer. Jedoch gehe derzeit vor allem bei Nutzfahrzeugen das Angebot an Erdgasfahrzeugen zurück.

Mit 1,38 Euro pro Kilo ist Bad Kissingen derzeit die teuerste CNG-Tankstelle im Umkreis. Der gestiegene Preis liege daran, dass die Verteuerung des fossilen Erdgases eine gestiegene Nachfrage des regenerativen Biomethan nach sich zog, erklärt Manfred Zimmer. Außerdem könnten die Stadtwerke mit dem höheren Preis die Kosten für das Erdgas für das nächste halbe Jahr stabil halten.