Mit ihrem architektonisch und gastronomisch ungewöhnlichen Erlebnis einer eigenwilligen Wein- und Tapas-Bar bereichert seit Pfingsten die Weinmanufaktur von Kathrin Baier-Buttler (44) an der Balthasar-Neumann-Promenade die Gastronomie-Szene der Kurstadt. Mit der Verlegung ihres Hammelburger Weinwerks an die Promenade hat Bad Kissingen nun seine erste Winzerei. Die neue „Weinmanufaktur“ bewirtet ihre Gäste ohne Ruhetag täglich ab 14 Uhr.

Mit seiner schwarzen Kuppel sticht das als Einzeldenkmal geschützte Gebäude inmitten der Promenade schon seit 1873 hervor. Seit 1985 kannten es die Kissinger als Teppichgalerie Khonsari, als Ladengeschäft für edle Teppiche. Edel ist auch die Vielfalt aller Weine, die nun das Hammelburger Weinwerk aus eigenem Anbau nicht nur in seiner neuen Weinmanufaktur ihren Gästen zur Verkostung anbietet, sondern deren Verarbeitung von der Anlieferung der Trauben bis hin zur Abfüllung in Flaschen dort auch zu erleben ist. Die Aufgabe, Gastronomiebetrieb und Winzerei in diesem Gebäude zu ermöglichen, stellte Ehemann und Architekt Stefan Buttler (54), Inhaber des Architekturbüros Planwerk (Würzburg), vor große Herausforderungen.

„Die Kuppel ist ein Wahrzeichen im Rosengarten, das viele kennen“, ist sich Inhaberin Baier-Buttler bewusst. Deshalb wurde sie erstmals seit Bestehen generalsaniert, abgedämmt und mit neuen Blechen belegt. Direkt darunter reifen nun im zweiten Obergeschoss die edlen Tropfen des Weinwerks in großen Edelstahltanks und jeweils 225 Liter fassenden, hölzernen Barrique-Fässern. „Unser Weinkeller ist unter dem Dach“, amüsiert sich die 44-Jährige. Einen sonst üblichen Keller unter dem Gebäude kann es wegen des Quellwassereinzugsgebietes nicht geben. Um aber die Last der Tanks und Fässer tragen zu können, musste die Statik des Hauses neu berechnet und eine tragfähige Zwischendecke zum ersten Obergeschoss eingezogen werden.

Natürlich musste das gesamte Gebäude mit seiner auf drei Geschosse verteilten, 550 Quadratmeter großen Nutzfläche generalsaniert, zweckdienlich entkernt und völlig neu strukturiert werden. Jetzt präsentiert sich die Weinmanufaktur in rustikalem Industrie-Design. „Wir wollten den industriellen Charakter der Winzerei auch im Gastronomiebereich sichtbar machen.“ So zeichnet sich die Bar im Erdgeschoss vor allem durch die wieder freigelegten, an einer Stelle sogar durchbrochenen Bruchsteinwände aus. Die Besonderheit der Bar lässt sich zudem an ihrer Inneneinrichtung erkennen: „Jedes einzelne Möbelstück wurde individuell ausgewählt oder speziell für uns entworfen.“ So hat Inhaberin Baier-Buttler auch die 1952 hergestellten Wirtshausstühle eigenhändig aufgearbeitet und in mattem Schwarz lackiert, während die Eichentreppenstufen im elterlichen Sägewerk hergestellt wurden.

Bis zu 80 Sitzplätze bieten die Bar im Erdgeschoss und der durch eine neue stählerne Wendeltreppe verbundene Raum im ersten Obergeschoss, der sich vor allem für gesellige Weinproben oder Familienfeiern eignet, zumal bei gutem Wetter auch die Dachterrasse (40 Plätze) mit ihrer Aussicht auf Rosengarten und Regentenbau genutzt werden kann. Auch die Außenterrasse auf der Promenade bietet bis zu 40 Gästen Platz. Nicht nur erlesene Weine, sondern auch das ausgefeilte Angebot an fränkischen Tapas kommt bei den Gästen gut an. „Wir haben uns spezielle Leckereien ausgedacht, kombiniert aus fränkischen und südländischen Zutaten.“

Das Besondere der neuen Weinmanufaktur von Betriebswirtin (DH) Kathrin Baier-Buttler ist vor allem, dass die Gäste bei der Weinproduktion zuschauen können, die im rückwärtigen Teil des Erdgeschosses hinter gläsernen Schiebewänden untergebracht ist. Interessierte können dort von der Annahme der Trauben über das Abbeeren bis hin zum Pressen alle Arbeitsschritte mitverfolgen. Gerade in diesen Tagen werden die ersten Trauben des Jahres aus eigenem Anbau verarbeitet. Um die Anlieferung von der Theresienstraße zu erleichtern, wurde im Rahmen des Umbaues gleich ein öffentlicher Durchgang zur Balthasar-Neumann-Promenade geschaffen. Baier-Buttler: „Damit verkürzen wir vielen den Weg in den Rosengarten.“

 

 

Ein Artikel von Sigismund von Dobschütz