In den vergangenen Jahren meldete die Kisssalis-Therme zuverlässig Bestwerte bei den Besucherzahlen. 2017 wurde zum ersten Mal die Marke von 400 000 Gästen überschritten, 2018 verfehlte die Therme diesen Wert nur knapp, 2019 folgte mit rund 410 000 Besuchern ein erneutes Rekordjahr. 2020 sind die Gästezahlen jedoch Coronabedingt um die Hälfte eingebrochen. 217 509 Besucher meldet das Bad für das Krisenjahr. "Dabei waren wir gut gestartet. Im Januar hatten wir den besucherstärksten Monat überhaupt. Dazu kam noch die Auszeichnung als beste Therme Deutschlands", sagt Betriebsleiter Richard Pucher.

Die Kisssalis bestätigt damit den Trend, den auch schon die Gästestatistiken für Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Brückenau gezeigt haben: 2020 fing durchweg vielversprechend für die Tourismuswirtschaft an, dann legte jedoch die Pandemie die Branche monatelang lahm. Die Heilbadelandschaft hatte annähernd ein halbes Jahr komplett geschlossen. Immerhin: Nach der schrittweisen Wiedereröffnung im Juni kamen die Gäste auch wieder in die Therme. "Im Sommer waren wir trotz der Hygieneauflagen mit dem Besucherzuspruch zufrieden", sagt Pucher. Die Auslastung sei gut gewesen, wenngleich die Spitzenauslastung aufgrund der Beschränkungen nicht an die der Vorjahre herankam.

Therapiebetrieb im neuen Rückenzentrum

Für einen Lichtblick in dem ansonsten schwierigen Jahr sorgte die Eröffnung der neuen Ruhelandschaft im Saunapark im Juli. Die zwei Millionen Euro teure Erweiterung hatte im Frühjahr 2019 begonnen. Der Sauna-Innenbereich wurde dazu um eine Etage aufgestockt. Neben der neu geschaffenen Ruhelandschaft wurde gleichzeitig auch die Fitnessarena erweitert. "Der Ruhebereich ist wunderschön geworden. Dass er vergrößert wurde, ist sehr viel Wert", sagt der Betriebsleiter. In der Fitnessarena gibt es seit der Erweiterung ein Rückenzentrum. Das ist einer der wenigen Bereiche, in denen aktuell auch während des Lockdown gearbeitet wird. Pucher: "Präventionsangebote finden derzeit nicht statt. Der Betrieb ist rein auf Therapie beschränkt. Den Umständen entsprechend läuft es sehr gut."

Besucherstarke Monate gehen verloren

"Es ist das grausamste Jahr, das wir je erlebt haben", sagt Manfred Zimmer, Geschäftsführer der Kissinger Stadtwerke. Das städtische Tochterunternehmen ist Eigentümer der Therme. Besonders der aktuell noch laufende Lockdown trifft das Bad schwer. "November bis März sind unsere besucher- und umsatzstärksten Monate", erklärt er. Die Fixkosten für die Heilbadelandschaft laufen jedoch auch während der Schließung weiter, wohingegen die Einnahmen ausfallen. Aktuell befinden sich die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit, einzig in der Verwaltung, in der Technik sowie in den physiotherapeutischen Bereichen wird gearbeitet. Die wirtschaftliche Situation bereite ihm Bauchschmerzen, "auch wenn wir bisher das Schlimmste noch haben abfedern können", sagt Zimmer.

Corona-Hilfen beantragt

Im ersten Lockdown sei die Therme nicht von den staatlichen Coronahilfen erfasst worden, für die November- und Dezemberhilfen hingegen wurden die entsprechenden Anträge gestellt. "Die Gelder sind avisiert, aber wir haben sie noch nicht erhalten", berichtet der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Der Betriebsleiter hofft, dass die Infektionszahlen eine Eröffnung bald wieder möglich machen. Er verweist darauf, dass Schwimmbäder und Thermen europaweit nicht als Infektionsquellen aufgefallen sind. "Wir gehen davon aus, dass wir, wenn es soweit ist, mit Restriktionen öffnen. Darauf bereiten wir uns vor." Auch wenn sich die Infektionslage bessert, habe die Therme ein schweres Jahr vor sich, weil die umsatzstarken Monate im Winter verloren gehen.

Altes Bad muss länger durchhalten

Die Coronakrise wirkt sich auch auf künftige Investitionen aus. Oberhalb der Zufahrt zum Wohnmobilstellplatz soll für acht Millionen Euro der Ersatzneubau für das städtische Hallenbad entstehen. "Wir arbeiten mit Nachdruck daran, das Thema voranzubringen", sagt der Stadtwerke-Chef. Die aktuell getrübte Situation verzögere die Planung. Einen konkreten Termin für Baustart und Fertigstellung des neuen Hallenbades kann Zimmer aktuell nicht nennen. "Das alte Bad muss noch etwas länger durchhalten", meint Zimmer.