Bad Kissingen
Covid-19

Bad Kissingen: Riesiger Ansturm auf Corona-Impfaktion

Viel Lob erhielt die Impfaktion der Hausarztpraxis Brendler. Doch nicht jeder kam zum Zug, deshalb gab es auch kritische Stimmen. Es bleibt offen, ob die Aktion wiederholt wird.
Ehrenamtliche Helfer des BRK leisteten einen wichtigen Beitrag, damit die Impfaktion möglich wurde. Foto: Thomas Menz

Viele Menschen warten sehnlichst darauf, geimpft zu werden. Das zeigte die Impfaktion am Sonntag (16. Mai) vor dem Bad Kissinger Theater. Die Hausarztpraxis von Michael Brendler impfte 256 Menschen mit dem Impfstoff Astrazeneca. Aber nicht jeder, der sich eine Impfung wünschte, hat auch eine bekommen.

"Wir wissen noch nicht, ob wir die Aktion wiederholen", sagt Hausarzt Michael Brendler. "Wir überlegen, aber versprechen können wir nichts." Er wolle keine falschen Hoffnungen wecken. "Am liebsten hätten wir eine ganze Million Menschen geimpft. So viel Dankbarkeit in den Gesichtern hat man schon lange nicht mehr gesehen."

"So viel Dankbarkeit in den Gesichtern": Impfaktion ist voller Erfolg

Aber: Die Aktion erfordere einen hohen Organisationsaufwand. Die Zeit, die fürs bloße Impfen verwendet werde, falle in vergleichbarem Maße danach nochmal für die Nachdokumentation der Impfungen an. Außerdem ständen nun die Zweitimpfungen an. "Und den normalen Praxisbetrieb müssen wir auch gewährleisten."

Bundesweit zeigt sich: Immer mehr Astrazeneca-Geimpfte würden gerne ihren Impftermin vorziehen und nicht zwölf Wochen auf den zweiten Termin warten. "Das ist ein nicht durchdachtes Wahlkampfversprechen von Herrn Spahn", findet Brendler.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfehle die Zweitimpfung im Zeitraum von neun bis zwölf Wochen. In seiner Praxis würde nach zehn Wochen geimpft. "Wir sind keine Urlaubs-Impfer." Die Impfung müsse medizinisch sinnvoll sein und wirken. Die Menschen würden sich darauf verlassen, dass man nach der Zweitimpfung sicher sei. Das sei auch eine Frage der Verantwortung. Er impfe nicht früher.

Mit so einem Ansturm hatte man nicht gerechnet

Von 9 Uhr morgens bis 16.30 Uhr am Nachmittag wurde am Sonntag in Zelten des Bayerischen Roten Kreuzes geimpft. "Wir freuen uns, dass unsere Aktion auf so hohe Resonanz gestoßen ist. Mit einem solchen Ansturm hatten wir jedoch nicht gerechnet", heißt es in einem Facebook-Post der Hausarzt-Praxis. Ein Grund: Astrazeneca hat im Vergleich zu den anderen Impfstoffen ein Imageproblem. "Deshalb waren wir auch unsicher, wie viele Leute zusammenkommen würden. Das konnte man nicht abschätzen", sagt Brendler.

Auf der Facebook-Seite der Hausarzt-Praxis machte das Praxisteam am Dienstag, vier Tage vor der Aktion, in einem Facebook-Post darauf aufmerksam, dass "für alle Interessierten" ab Samstag von 9 Uhr bis 12 Uhr eine Hotline zur Verfügung stehe, bei der man sich für ein Zeitfenster für eine Impfung registrieren könne. Der Andrang war so groß, dass viele der Anrufer, die am Samstag um 9 Uhr bei der Hotline anriefen, keinen Impftermin erhielten.

Die Enttäuschung der Menschen spiegelt sich in den Facebook-Kommentaren: "Tolle Aktion! Nur leider hatte man keine Chance, an einen Termin zu kommen. Die Hotline war schon, bevor sie öffnete, geschlossen, weil alle Termine bereits vergeben waren. Wie geht das?", fragte etwa eine Facebook-Nutzerin.

Aktion auf Facebook angekündigt

"Man sollte sowas in Facebook nicht für die Bevölkerung anbieten, wenn schon um 9 Uhr (wenn die Hotline starten sollte) die Aussage kommt, dass schon alles voll ist", schrieb eine andere Nutzerin. Man spiele mit der Hoffnung von Impfwilligen und das sei "einfach nur gemein", schreibt sie weiter. Der überwiegende Teil der Kommentatoren äußerte sich sehr positiv über die Aktion. "Vielen Dank für diese Aktion und die Unterstützung der Helfer des Roten Kreuzes. War super und aus meiner Familie konnte endlich jemand seine Impfung erhalten", schreibt etwa eine Nutzerin.

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Am 24. April hatte die Arztpraxis die Impfaktion auf Facebook angekündigt. Dort gab es einen Link mit Anmeldeformular. Diejenigen, die dieses Formular ausgefüllt und der Praxis zugeschickt hatten, konnten bereits ab 8 Uhr anrufen und sich einen Impftermin sichern. Um 8.20 Uhr, also nach zwanzig Minuten, seien die Termine schon voll gewesen, sagt Brendler. "Das konnten wir so nicht abschätzen." Auf Facebook äußerte sich die Haushaltspraxis auch zu der Kritik mancher Kommentatoren: "Ja - wir hatten allen, die uns vorher gemailt haben ermöglicht, ab 8 Uhr anzurufen, weil wir nicht mit falschen Hoffnungen spielen wollen. Ja - wir hatten es vor, möglichst vielen eine Impfung zu ermöglichen. Nein - wir hatten nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet. Manchmal wird man scheinbar für seine guten Taten bestraft. Aber wir halten weiter daran fest: Wir versuchen, weiterhin unser Bestes zu geben."

Ein Fazit der Hausarztpraxis: "Wir konnten einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Dinge besser werden. Wer eine perfekte Lösung für alles sucht, dem können wir nicht helfen." An der Impfaktion waren Dr. Dorit Uhlig, Dr. Markus Full, 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des Bayerischen Roten Kreuz (BRK) zusätzlich zum Praxisteam beteiligt.