Nach der letztjährigen Verleihung des Welterbe-Titels an Bad Kissingen als eines der von der Unesco ausgezeichneten elf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft "Great Spas of Europe / Bedeutende Kurstädte Europas" beteiligte sich die Stadt am Pfingstsonntag erstmals am deutschlandweiten Welterbetag. Der wurde 2005 von der Deutschen Unesco-Kommission und dem Verein Unesco-Welterbestätten Deutschland eingeführt und findet seitdem jeweils am ersten Sonntag im Juni statt. Diesmal stand der Tag unter dem Motto "50 Jahre Welterbekonvention: Erbe erhalten - Zukunft gestalten".

Veranstalter sind zufrieden

"Unsere Premiere ist gut gelaufen", waren sich Kulturreferent Peter Weidisch und die städtische Welterbe-Koordinatorin Anna Maria Boll am Abend einig. Mit umfassenden Informationsmöglichkeiten, zwei neuen Welterbe-Wanderungen und weiteren Themenführungen, Besichtigungsangeboten und Ausstellungen, Quiz-Spielen und Kurkonzerten der Staatsbad Philharmonie hatten die Veranstalter ein vielfältiges, über den ganzen Tag verteiltes Programm geboten.

Komponisten mit Kissingen-Bezug

Gleich am Morgen nutzte Welterbe-Managerin Boll ebenso wie nachmittags die Kurkonzerte der Staatsbad Philharmonie zur Information der Zuhörer über die Aufgabe dieses Unesco-Tages, die Welterbestätte Bad Kissingen allen Einwohnern und Gästen erlebbar zu machen. In ihren Sonderkonzerten, moderiert von Trompeter Reinhold Roth, widmeten sich die Musiker einigen Werken jener Komponisten, die wie Gioachino Rossini oder Richard Strauss in Bad Kissingen zur Kur weilten oder wie Cyrill Kistler sogar hier lebten.

"Es gibt noch viel zu tun"

Anschließend gab es am Welterbe-Infostand bei Boll und Kollegin Stefanie Kutzer ergänzende Informationen zur Bedeutung des Welterbe-Titels und am Stand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz von Restaurator Reinhard Haus Informationen über die Arbeiten zum Schutz des Welterbes. "Es gibt in Bad Kissingen noch viel zu tun", meinte der Kurator für Denkmalpflege im Gespräch mit dieser Zeitung. "Es gilt, den Verfall historischer Bauten aufzuhalten. Denn überall, wo historische Bauten stehen, fühlen sich die Menschen wohl", meint der Fachmann. Zudem erhöht sich durch den Rückbau verfallener Gebäude die Attraktivität für Investoren und bietet Raum für Innovation.

Welterbe auf Wanderung entdecken

Informationen über ausländische Welterbestätten lieferten das Länderquiz des Bad Kissinger Integrationsbeirats sowie das Welterbe-Quiz mit Stefan Schmidt (27). Der gebürtige Landshuter, der in Leipzig Politikwissenschaften studiert, war als Mitglied des deutschen Unesco-Welterbe-Teams zur Unterstützung nach Bad Kissingen gekommen. "Es ist faszinierend, wie die Saale in Bad Kissingen eine Sichtachse zwischen dem Kultur- und dem Naturerbe bildet. Man erkennt, dass die Stadtplaner sich damals etwas dabei gedacht haben." Wer am Sonntag dies selbst erleben wollte, konnte bei den zwei neuen Welterbe-Führungen mitwandern, die das historische Welterbe erlebbar werden ließen. Die Lebendigkeit des Welterbes auch in unserer Zeit bewiesen die "Historischen" Rainer Hauck als Theodor Fontane, Peter Krug (Prinzregent Luitpold) und Ludwig Büchner (Ludwig III.), die beim Spaziergang in den Kuranlagen für manche Besucher "Welterbe zum Anfassen" waren.

"Unsere Führungen wurden gut angenommen", freute sich Welterbe-Koordinatorin Boll am Ende des Tages. Auch habe es an den Informationsständen interessante Gespräche vor allem mit Gästen des Staatsbades gegeben - wie mit Andreas und Monika Hippe aus Hildesheim. Beide waren noch vom Kapellenfriedhof angetan, wo bayerische und preußische Gefallene des Deutschen Krieges (1866) nebeneinander liegen, und wollten sich nun der Gruppe um Stadtheimatpfleger Peter Kaidel zur Führung durch das Grandhotel Kaiserhof Viktoria anschließen.

Was wollen die Bad Kissinger?

Peter Weidisch und Anna Maria Boll dankten ausdrücklich allen Partnern, "die sich an einem Pfingstsonntag so engagiert beim Welterbetag eingebracht haben". Beide sind jetzt auf das Motto des nächsten Unesco-Tages gespannt. Weidisch: "Das Welterbe und Bad Kissingen ist vielschichtig. Deshalb wollen wir passend zum Tagesmotto jeweils ausgewählte, attraktive Facetten hervorheben." Auch Ideen und Wünsche aus der Einwohnerschaft zur Gestaltung des Welterbetages 2023 nehmen beide Organisatoren schon jetzt gern entgegen.