"Immer die Ruhe bewahren." Auch für Wanderer gilt dieser alte Grundsatz. Vor allem, wenn morgens um 6 Uhr der Himmel noch arg bewölkt ist und das Bett so schön wärmt. Also Wecker weiterstellen. Um 9 Uhr sah die Sache dann schon besser aus. Und um 11 Uhr kam die Sonne heraus.
Bei um die 20 Grad am Samstag und etwa 25 Grad am Sonntag begeisterten die diesjährigen Wandertage auf dem Truppenübungsgelände Wildflecken bei idealen Bedingungen. Der Wind blies sanft, kühlte eher angenehm als dass er störte, und auf den optimal ausgeschilderten Routen, die diesmal in Riedenberg ihren Anfang hatten, ließ es sich hervorragend auf Touren kommen: Ein Verdienst auch von Hauptfeldwebel Eric Streisel und seinen Leuten, die die drei durch den Dauerregen aufgeweichten Wanderstrecken (12,95 km, 14,85 km und 19,20 km) hervorragend präpariert hatten.
Insgesamt hielten sich die Gastgeber von der Bundeswehr eher im Hintergrund, waren aber immer wieder einmal bei Patrouillenfahren oder im Rot-Kreuz-Wagen kurz zu sehen: Schließlich waren am Wochenende auch viele Senioren unterwegs. Ein Sanitäter, der namentlich nicht genannt werden wollte, gab am Samstagnachmittag gerne Auskunft: "Größere Blessuren hat es nicht gegeben, nur ein paar Blasen an den Füßen und Probleme mit Insektenstichen."
Alle Strecken führten zunächst zum Rastpunkt 1, wo man sich nicht nur stärken, sondern auch über die Arbeit der Beamten vom Bundesforst informieren konnte. Ebenso gab es von Fachleuten kompetente Auskunft über die Blindgänger und Fundmunition auf dem Übungsgelände - ein Thema, das immer wieder einmal auch politisch aktuell wird. In der Nähe dieses Rastpunktes präsentierten zudem die Freunde der US-Army in Uniformen ihre historischen US-Gerätschaften und Fahrzeuge.
Weiter ging die längere der Touren zunächst in Richtung Westen und bog dann nach Norden ab: Hin zu der abgesiedelten Ortschaft Werberg, dem alten Friedhof mit Gedenkstätte und der Burgruine Werberg. In der Nähe standen an der Strecke einige arg zerschossene Metallplatten und von Projektilen durchschlagene Stahlbetonelemente - eine kleine, aber drastische Erinnerung daran, was der eigentliche Zweck des Truppenübungsplatzes ist.
Am entferntesten Punkt der Tour wendete sich die Wegstrecke nach rechts zurück in Richtung Osten - an einem Aussichtspunkt zur Dammersfeldkuppe (927,9 Meter) vorbei, hin zum kleinen Auersberg. Wer wollte, konnte mit einer letzten kleinen Anstrengung den Gipfel (808 Meter) erklimmen und die etwas dunstige Aussicht in Richtung Kreuzberg, zur Mettermich, zum großen Pilsterkopf, hinüber an der Mottener Haube vorbei ins Fuldaer Land samt Kaliberg oder nach Maria Ehrenberg genießen.
Nach diesem geographischen wie aussichtsbezogenen Höhepunkt machten viele Wanderer Pause am Rastpunkt 2. So auch Barbara und Horst Marschall aus Eisenach, die extra angereist waren, "um endlich einmal in dem Gebiet zu wandern, das wir schon so oft vom Würzburger Haus aus gesehen haben", sagte Horst Marschall "Wir wollten nicht immer nur drumrum laufen." Er und seine Frau sind begeisterte Rhön-Fans, in den Schwarzen Bergen und der Langen Rhön kennen sie sich bestens aus. Barbara Marschall: "Auf dem Übungsgelände waren wir heuer zum ersten Mal, 2018 sind wir ganz bestimmt wieder dabei."
Innerhalb von vier Stunden war die lange Rundstrecke locker zu schaffen, mit Pausen dauerte es etwas länger. Und so mancher Kenner machte am Ende noch eine weitere kleinere Rast - nun bereits außerhalb des Truppenübungsgeländes.