Für göttliche Verhältnisse ist es nicht einmal ein Wimpernschlag, aber für irdische hat es wirklich lange gedauert. Seit über zehn Jahren ist das Thema Kirchenverkleinerung in Motten präsent und wird immer wieder diskutiert. Bei steigenden Heizölpreisen war ein so großes Kirchenschiff immer teurer zu beheizen gewesen.

Als Mängel wie Risse im Betonpfeiler, nasse Wände und ein undichtes Dach hinzukamen, wollte die Kirchenverwaltung endlich Nägel mit Köpfen machen. Vor vier Jahren stellte Architekt Friedrich Staib aus Sommerhausen ein Modell einer verkleinerten Kirche im fränkischen Stil vor und fand unter der Gemeinde und der Kirchenverwaltung großen Zuspruch.

Glaswand kann nicht erhalten bleiben

Seit zwei Jahren nun steht der Plan mit seinen Einzelheiten fest. Auf den ursprünglichen Grundriss aus dem 19. Jahrhundert wird die Kirche zurückgebaut, von den heute 580 Quadratmetern bleiben noch 220. Die Sockelsteine, die Sakristei, Lagerräume und Toiletten bleiben. Alle Betonwände werden allerdings abgerissen und durch Ziegelwände ersetzt. Die Nordseite wird mit einer Glas-Stahl-Wand versehen, auf der Südseite kann die bisherige Glaswand mit dem "Blutenden Herz Mariens" leider nicht erhalten bleiben. "Die Kosten, die hierfür nötig wären, stehen in keinem Verhältnis", erläutert Kirchenpfleger Michael Mahr. Obwohl Pfarrer Hans Thurn die nun bevorstehende Verkleinerung des Kirchengebäudes auch begrüßt, blutet ihm das Herz: "Früher haben Pfarrer Kirchen gebaut, heute reißen Pfarrer Kirchen ein".

Hoher Heizölbedarf

Wie ursprünglich von Friedrich Staib vorgesehen, wird die Kirche geostet sein. Vom Westeingang aus ist der Blick auf den Altar gen Osten gerichtet. Der bisherige Altar wird in das neue Kirchengebäude mitgenommen, wenn auch in den Größenverhältnissen angepasst. Auch die Kirchenbänke werden umgearbeitet. Statt 448 Sitzplätzen wird es nach dem Umbau nur noch etwa 160 geben. Vollständig besetzt sind alle Kirchensitze gerade mal an den Hochfesten, sagt Michael Mahr: "Nur für diese vier oder fünf Gelegenheiten die große Kirche zu behalten, können wir uns nicht leisten." Rund 9000 Liter ist der jährliche Heizölbedarf derzeit.

Was noch bleibt, sind der Taufstein und die Statue des Heiligen Bartholomäus. Für die anderen Figuren ist die neue Kirche zu klein, sie müssen eingelagert werden. Es wird auf eine Pelletheizung umgestellt, die Orgel wird durch eine elektronische Orgel ersetzt werden.

Personalmangel in der Diözese

Im Laufe dieses Jahres soll es mit dem Rück- und Neubau endlich losgehen. Die Verzögerung liegt begründet in Personalmangel der Diözese Würzburg. Zudem ist der Mottener Kirchneubau eine von nur zwei Baumaßnahmen der Würzburger Diözese inmitten des 2019 beschlossenen dreijährigen Baumoratoriums. Die Kosten konnten mit leicht veränderten Details im Bauplan von ursprünglich 3,2 Millionen auf 2,5 Millionen Euro gedrückt werden.

Allerdings musste die Kirchenverwaltung schon im Vorfeld diverse Gutachten in Auftrag geben. Die Dachbalken und ihre Farbkonservierung sowie eine dünne Asphaltschicht unter den Bodenfliesen müssen gesondert entsorgt werden. Für diese Gutachten musste die Kirchenverwaltung laut Mahr "bereits einen fünfstelligen Betrag aufbringen". Hinzu kommen etwa 60.000 Euro Anteil an den Rück- und Neubaukosten. Als Bauträger trägt die Diözese Würzburg den Rest.

Gottesdienste im Josefsheim

Beim Rück- und Neubau der Kirche ist die Gemeinde Motten außen vor, die Neugestaltung des Kirchumfelds ist allerdings schon lange ein angestrebtes Ziel. Wegen der Verzögerungen hat sie dies bereits mit der barrierefreien Sanierung des Josefsheims in die Wege geleitet. Im Anschluss an die Baumaßnahmen wird die Gemeinde das Kirchumfeld gestalten. "Wir werden seitens der Gemeinde die Planungen dazu wieder aufnehmen, sobald durch die Diözese ein belastbarer Zeitplan vorliegt", heißt es von der 1. Bürgermeisterin Katja Habersack.

In der Zeit, in der nur Bauarbeiter die Kirche betreten dürfen, finden Gottesdienste im Josefsheim statt. Dessen barrierefreie Sanierung soll abgeschlossen sein, wenn mit dem Kirchrückbau begonnen wird.