Der "Pumptrack" in Wildflecken nimmt Tag für Tag Formen an. Die künstlich angelegte, asphaltierte und wellenförmige Rennstrecke für Mountainbiker, Longboarder, Skateboarder, BMXer, Inline-Skater und Rollschuhfahrer ist bereits gut zu erkennen. Voraussichtlich am Samstag, 26. September soll das Freizeitgelände eröffnet werden, das sich vor allem an den Wünschen der Wildfleckener Jugend orientiert.

Die gesamte Freizeitfläche umfasst rund 8200 Quadratmeter. Die Sinn wurde entlang des "Pumptracks" verlegt und in das Freizeitgelände eingebunden. Aufgrund von Altlasten, die nach dem Abriss des ehemaligen Pumpwerks zu Tage getreten waren, musste das Projekt immer wieder verschoben werden.

Altlasten

Letztlich wird das gesamte Vorhaben die Marktgemeinde nach Auskunft von Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) rund 300 000 Euro kosten. Dass die Kommune das Projekt überhaupt finanziell stemmen kann, liegt an den zusätzlichen Fördermitteln aus dem Konversionsmanagement. Die erheblichen Kostensteigerungen über mehrere Jahre hinweg, die in erster Linie an der Lösung der Altlastenfrage lagen, hatten das Projekt in den zurückliegenden Monaten durchaus zur kommunalpolitischen Streitfrage werden lassen. Der Marktgemeinderat einschließlich Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) hielten aber an dem Vorhaben fest. "Es gab einige Bürger, die gefordert haben, dass der Bau des Pumptracks eingestellt wird. Aber wenn wir das gemacht hätten, dann wäre all das Geld, das schon in das Projekt geflossen ist, unwiederbringlich verloren gewesen", blickt der Rathauschef zurück.

Vor dem Abriss des alten Pumpwerks habe man mit gravierenden Altlasten in dem Areal nicht rechnen können. Selbst monatelange Recherchen hatten nicht zur Antwort geführt, woher die Altlasten stammen. Noch bevor also mit der Gestaltung des Freizeitgeländes überhaupt begonnen werden konnte, wurden kostspielige Bodengutachten notwendig.

Jetzt aber wird der "Pumptrack" doch noch Realität. Über vier Jahre haben die Wildfleckener Jugendlichen warten müssen. Ein paar von denen, die zu Beginn der Planungen aktiv dabei waren, sind mittlerweile junge Erwachsene. Und dennoch blieb das Interesse der einheimischen Jugend stets groß an dem Projekt, das die Jugendlichen selbst maßgeblich beeinflussten.

Wellen und Steilwandkurven

Doch was ist überhaupt der Sinn eines "Pumptracks"? Das sportliche Ziel ist, durch Hochdrücken des eigenen Körpers aus der Tiefe am Fahrrad immer mehr Geschwindigkeit aufzubauen. Aus diesem Grund wird der Parcours mit Wellen und weiteren Elementen wie Steilwandkurven oder Sprüngen versehen. "Die Geschwindigkeit wird beim Fahren auf einem Pumptrack ausschließlich durch Gewichtsverlagerung und gezielte Zieh- und Drückbewegungen aufgebaut. Mit ein wenig Übung kann der Kurs ganz ohne Pedalumdrehung durchfahren werden", lautet die Erklärung von Konrad Willar aus Augsburg, der den Wildfleckener Pumptrack baut. "Die Fahrtechnik, die aus einem gezielten Be- und Entlasten besteht, wird Pumping genannt und funktioniert auch mit vielen anderen Sportgeräten. So kann ein Pumptrack auch mit Skateboard, Longboard, Inlineskates oder Scooter befahren werden. Selbst Kleinkinder können ihre motorischen Fähigkeiten hier mit dem Laufrad trainieren." Grundsätzlich kann der "Pumptrack" in beide Richtungen gefahren werden, da er auf einer ebenen Fläche errichtet wird.

Glatte Oberfläche

Der Wildfleckener "Pumptrack" wird aus Asphalt gebaut, die feste Oberfläche hat Vorteile bei der Instandhaltung und hinsichtlich der Vielfalt der Nutzergruppen wie BMXer oder Inline-Skater und Longboarder, für die eine eher glatte Oberfläche günstig ist. Der eigentliche "Pumptrack" umfasst eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern. Um den Parcours herum werden noch Sitzmöglichkeiten geschaffen, außerdem soll es einen kleinen Bolzplatz geben. Auf einer Länge von rund 250 Metern wurde die Sinn verlegt und renaturiert, sodass keine Brücke notwendig ist, um zu dem Freizeitgelände zu kommen.

Letztlich wurden auf dem Areal rund 19 000 Tonnen Boden bewegt. Und da ist die Altlastensanierung noch nicht einmal eingerechnet. Nicht alle ursprünglichen Wünsche der Wildfleckener Jugend werden auf dem Freizeitareal tatsächlich umgesetzt. So hat der Marktgemeinderat entschieden, auf eine Feuerstelle komplett zu verzichten. Hintergrund waren zum einen Bedenken hinsichtlich der Brandgefahr, zum anderen aber auch Unklarheiten hinsichtlich der Beschaffung von Brennmaterial. In den Workshops vor vier Jahren hatten sich die Jugendlichen gewünscht, auf dem Gelände grillen zu können. Daraus wird dann erst einmal nichts.

Keine festen Öffnungszeiten

Feste Öffnungszeiten wird es nach Auskunft von Bürgermeister Kleinhenz nicht geben. Das Areal soll auch nicht eingezäunt werden. Auch wenn die Jugendlichen vorrangig bei der Planung der Freizeitanlage im Blickpunkt standen, so richtet sich der "Pumptrack" an alle Altersgruppen. Sollte sich das Nutzerverhalten anders als gewünscht entwickeln, wird die Kommune um eine Nutzungssatzung oder um feste Öffnungszeiten nicht herumkommen. Die Beleuchtung der Freizeitanlage wird in jedem Fall durch eine zusätzliche Straßenlaterne sichergestellt. Auf kostenloses WLAN verzichtet die Kommune entgegen der ursprünglichen Planung nun ganz bewusst, weil die Attraktivität der Anlage in der sportlichen Betätigung auf dem Parcours ihren Schwerpunkt haben soll.

"Auch für versierte Fahrer bleiben Pumptracks langfristig interessant. Dort stellen sie ihr Können unter Beweis und präsentieren immer ausgefeiltere Tricks", ist die Hoffnung von Pumptrack-Bauer Konrad Willar. "Pumptracks sind Spiel- und Sportanlagen. Hier werden motorische Fertigkeiten ausgebildet. Das dem Konzept eigene, allmähliche Herantasten an Bewegungsabläufe sorgt für einen risikobewussten, spielerischen Einstieg während der Fahrspaß zum regelmäßigen, eigenverantwortlichen Training motiviert."

Einweihung noch ungewiss

Dass aufgrund der erheblichen, unerwarteten Verzögerungen in den vergangenen Jahren nun die Stadt Bischofsheim ihren eigenen Pumptrack noch ganz knapp vor den Wildfleckenern fertigstellen konnte, stört zumindest den Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung, Daniel Kleinheinz, überhaupt nicht: "Der Parcours in Wildflecken ist ganz anders konzipiert und das Freizeitgelände insgesamt viel weitläufiger und anders angelegt." Zudem liege die Zielgruppe des Wildfleckener "Pumptracks" doch eher in den Gemeinden der Bad Brückenauer Rhönallianz und nicht im Rhön-Grabfeld. Der "Pumptrack" kann daher künftig auch ein beliebtes Ausflugsziel für Nutzer des Rhönexpress-Radweges werden. Unklar ist nur noch, wie in Zeiten von Corona die Einweihung des Freizeitgeländes gestaltet werden soll. Ideen gibt es nach Auskunft von Daniel Kleinheinz genügend. Was umgesetzt werden kann oder darf, steht noch in den Sternen.