Ein Kind müsste man eigentlich wieder sein, wenn man den großen, roten Vorhang langsam zur Seite schiebt und auf die von Kisten eingerahmte Zirkusmanege blickt: Erst dann kann man sich einmal wieder über die spielerischen Möglichkeiten unserer meist zu ernsten Welt freuen, in der sich jeder austesten kann, ohne mit den in der Schule und im Leben üblichen Konsequenzen rechnen zu müssen, meint Lehrer Marcel Proksch und fügt an: Feuer, Jonglage, Laufkugel, Trapez - das sind Spielwiesen mit ihrer eigenen Magie.

Ausprobieren, was Spaß macht

Verantwortlich für den Einblick in diese Welt ist der "Zirkus Schnipp", das pädagogische Projekt am Volkersberg, das dieses Mal coronabedingt in den Turnhallen des Landkreises Bad Neustadt stattfinden musste. Um den Zirkuspädagogen Herrn Lui gruppieren sich vier Trainerinnen, die mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6a der staatlichen Wirtschaftsschule Bad Neustadt eine Vorführung eingeübt haben: "Mir ist gefallen, dass ich mich ausprobieren konnte, und es hat Spaß gemacht", meint Lukas.

Mit einem Trapezring in der Luft, Parterrespringen, mit Feuerkünsten, einem Nagelbrett oder mit zwei Laufkugeln war so viel Abwechslung geboten, wie vom Volkersberg nach Bad Neustadt transportiert werden konnte. "Ich musste mich überwinden, bei Fakir das Feuer auf meinem Arm zu streifen und mit der Faust auszumachen", resümiert Lotta. Schnell fügt sie hinzu: "Das war aber nicht so schlimm." Während Jalal sich vor dem Parterrespringen aufwärmt, hat es Nele geschafft, bei Rolla Rolla auf ein Doppelbrett zu springen: "Da ist es leichter, bei den Pyramiden zu stehen, wenn man ganz unten ist", meint sie schließlich.

Marie und Julian haken sich oben in der Luft in einen Trapezring ein und bewegen sich zu den langsam-verträumten Klängen von "River Flows In You": "Es war nur etwas schwer, die Fahne zu halten, als ich meine Hand oben in die Schlaufe tun musste", stellt Alexandra nachher fest.

Vorführung für Eltern

Trotzdem ist vor allem Angelika Martin, die als Sozialpädagogin an der Wirtschaftsschule arbeitet und schon seit zehn Jahren in ihrer Freizeit Trainerin im Zirkusteam ist, mit der akrobatischen und smartphonekameratauglichen Szene schon sichtlich zufrieden. "Ich hatte Spaß und konnte auch mal andere aus der Klasse besser kennenlernen und alle waren nett", fasst Lotte die Trainingstage zusammen.

Ende Oktober, vor dem Lockdown, hieß es schließlich - mit Hygieneplan und Genehmigung durch das Gesundheitsamt - für die 23 jungen Artistinnen und Artisten in der Turnhalle vor ihren Eltern, einigen Lehrern und der Schulleitung "Manege frei": "Die Vorführung war gut, wir hatten viel Spaß und die Eltern waren auch begeistert", erinnert sich Marie, und Lotta fügt hinzu: "Wir haben auch viel gelernt, und mir hat die Teamarbeit gefallen. Bei Laufkugel haben wir viel gelacht."

Ein ähnliches Gefühl kommt sonst an Orten, an denen vor allem Pflichten und Notwendigkeiten existieren, vielleicht viel zu selten auf. Deswegen war die Projektwoche Zirkus eine gelungene Abwechslung, die für die Schule ganz untypisch war, findet Lehrer Marcel Proksch. "Es war super toll",meint die ganze Klasse.