Wer das Loch im Wald sieht, schüttelt nur ungläubig den Kopf. Otto Werdenitz hätte allerdings "fast der Schlag getroffen, als ich das gesehen habe". Der 85-Jährige war Ende vergangener Woche mit Waldarbeiten beschäftigt, als er sich über eine helle Lichtung in seinem Waldstück wunderte. Fassungslos betrachtete er das Ergebnis einer mutwilligen Zerstörungsaktion. Circa 80 bis 100 Fichten und Douglasien wurden gefällt. In einer Höhe von etwa einem Meter waren die im Durchmesser 20 bis 30 Zentimeter starken Stämme durchgesägt. "Die haben sich noch nicht mal die Mühe gemacht, sich zu bücken", versteht er auch Tage später die Welt nicht mehr. Die abgesägten Stämme liegen kreuz und quer auf dem Waldboden oder lehnen an noch stehende Fichten.

Ihm und allen Bekannten ist völlig unklar, wer ihm das angetan haben könnte. Den gelernten Waldarbeiter kennt man in der Gemeinde als regen und hingebungsvollen Waldfreund. Seinen Wald hält er frei von mit Borkenkäfern befallenen Fichten, sorgt laufend für einen nachwachsenden Unterbau und treibt so die Waldverjüngung stetig voran. Nicht selten bewässert er die jungen Pflanzen in Trockenzeiten. Die auf circa 1500 Quadratmetern gefällten Bäume haben er und seine Frau Reni vor 25 Jahren selbst gesetzt. "Was haben wir uns geplagt", erinnert sich Werdenitz.

Die Zerstörung der Bäume bezeichnet er als "Anschlag" und "Waldfrevel", so sehr entsetzt ihn die Tat. "Die Bäume waren gesund und im Wachstum". Weitere 25 Jahre hätten sie bis zur Erntereife benötigt.

"Mit der Motorsäge haben die sich ausgekannt, womöglich war es eine Akku-Säge", mutmaßt Otto Werdenitz. Diese läuft leiser und die Fällaktion fiel somit nicht auf. Auch das Schnittbild an einem Baumstamm unterstütze diese These.

Erfahrung in Waldarbeit

Auch Polizeihauptmeister Benjamin Lenhard von der Polizeiinspektion Bad Brückenau vermutet, dass der oder die Täter mit Waldarbeit betraut gewesen sein mussten. "Die Täter haben nicht zum ersten Mal einen Baum gefällt". Er selbst ist auch Waldbesitzer und war von dem Bild der Zerstörung "erschrocken. In 20 Jahren bei der Polizei habe ich so etwas noch nie gesehen". Offensichtlich ging es den Tätern nicht darum, sich zu bereichern, "sondern nur kaputt zu machen. Die Täter haben sich viel Arbeit gemacht, um Schaden anzurichten". Circa ein bis zwei Stunden müssen die Täter benötigt haben, um die Bäume zu fällen. Hier aufzuräumen, wird nicht nur aufwendig, sondern auf Grund der quer übereinanderliegenden und -hängenden Stämme auch gefährlich.

Der Schaden, den sie durch die mutwillige und gesetzeswidrige Baumfällung angerichtet haben, schätzt Lenhard auf 3000 Euro. "Wenn man den entgangenen Holzzuwachs mit einberechnet, ist der finanzielle Schaden deutlich höher". Hinzu kommen derzeit noch nicht bezifferbare Kosten durch die Aufräum- und Aufforstungsarbeiten.

Derzeit steht die Polizei noch am Anfang ihrer Ermittlungen. Betreiber des in der Nähe befindlichen Sägewerks am Eisenhammer, Nachbarn und Landwirte werden befragt. Da am Tatort kein Hinweis auf den Täter zu finden war, erhofft sich die Polizei Hinweise aus der Bevölkerung.

Belohnung ausgesetzt

"Ich kann noch von Glück sagen, dass es Winter ist. Im Sommer kommt in frisch gefälltes Holz schnell der Borkenkäfer", sagt Otto Werdenitz. Nach dem Aufräumen steht im nächsten Frühjahr die Wiederaufforstung an. Mindestens 800 Setzlinge wird er dafür brauchen. Zumindest vor Wildverbiss soll ein Zaun schützen. Otto Werdenitz hofft, einen solchen Naturfrevel nicht noch einmal erleben zu müssen. Für die Ergreifung des Verursachers hat er eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

INFO:

Von 2018 bis 2.12.2020 gab es in Unterfranken 60 Anzeigen wegen Zerstörung von Bäumen und Wald. Eine solche Tat ist eine Ordnungswidrigkeit nach dem bayerischen Waldgesetz. Laut Polizeihauptkommissar Michael Zimmer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken fallen Ordnungswidrigkeiten nicht in die Kriminalstatistik, die nur Straftaten und deren Aufklärungsquoten erfasst. Daher kann man auch keine Aussagen zu möglichen Tatmotiven machen.

Hinweise aus der Bevölkerung: Das Waldstück, auf dem die Fichten und Douglasien gefällt wurden, befindet sich in der Gemarkung Kothen, oberhalb des Eisenhammers. Wem dort zwischen dem 16. und 23. November ungewöhnliche und verdächtige Geräusche, Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind, möchte dies der Polizeiinspektion Bad Brückenau unter Tel.: 09741/60 60 melden.