Für Elisabeth Wischlitzki stand schnell fest: "Das Staatsbad ist der ideale Ort für unsere Studie". Wischlitzki ist Leiterin des Projekts "Stärkung gesundheitlicher Ressourcen bei Lehrkräften" am Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Erlange. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie daran, herauszufinden, welchen psychischen und körperlichen Belastungen Lehrkräfte aller Schularten ausgesetzt sind.

In Zusammenarbeit mit Lehrern hat Wischlitzki im Vorfeld einen Fragebogen entwickelt. Dann kam Corona dazwischen. "Wir haben flexibel darauf reagiert und den Aspekt in den Fragebogen mit einbezogen", sagt die Projektleiterin. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hätten rund 200 Personen an der Befragung teilgenommen. Vorrangig gehe es darum, herauszufiltern, was sich diese Berufsgruppe explizit wünscht und für eine Genesung benötigt.

Psychische Belastungen

Bisher sind die Ergebnisse noch nicht ausgewertet - wegen Corona haben die Studienverantwortlichen die Befragung verlängert. Doch ein Trend ist sichtbar: "Erschöpfung und Schlafstörungen sind ein großes Thema, das sich bereits im Vorfeld der Studie im Gespräch mit Schulleitern und Lehrern zeigte", fasst Wischlitzki zusammen. Aber auch körperliche Beschwerden am Bewegungsapparat gehörten dazu.

Der Direktor des Instituts, Professor Hans Drexler, konkretisiert die Situation der Lehrer vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie: "Neben der biologischen Belastung mit dem Virus selbst kommt es auch zu psychischen Belastungen durch neue Umgangsregeln, geänderte Sozialstrukturen, der Informationsflut und der raschen Einführung neuer digitaler Unterrichtsformen." Ziel sei es, besonders stressempfindliche Menschen herauszufiltern, und sie mit konkreten Angeboten für den Alltag in der Schule stark zu machen.

Gemeinsam mit dem Kurort und den ansässigen Häusern wie beispielsweise der Limes Schlossklinik Fürstenhof, dem Röder Training und der Malteser Klinik von Weckbecker in der Stadt sollen deshalb Angebote für die Regenation der Lehrer ausgearbeitet werden. "Eine Intervention könnte beispielsweise ein Vier-Tage-Aufenthalt sein, begleitet von Seminaren zum Zeitmanagement, Achtsamkeitsübungen, Bewegung und Erholung", erklärt die Studienleiterin.

Begleitende Studie

Parallel zu den Angeboten mit den Kooperationspartnern soll eine Studie die Wirksamkeit untersuchen. "Bisher zeigen die ansässigen Häuser ein großes Interesse", bestätigt die Studienleiterin. Kurdirektorin Andrea Schallenkammer freut sich über die Teilnahme an dem Pilotprojekt: "Wir als Staatsbad haben ein vielfältiges Potenzial an speziellen Therapieangeboten vor Ort."

Im Anschluss an die Auswertung der Befragung sollen dementsprechend spezielle Angebote für Lehrer entwickelt werden. "Diese reichen von Tagesseminaren bis hin zum stationären Aufenthalt, beispielsweise in der neuen Limes Schlossklinik", konkretisiert Schallenkammer.

Was die Kosten der Behandlung betrifft, so " müssen die Lehrer für die Interventionen selbst aufkommen", sagt die Projektleiterin. Allerdings befinde man sich mit den Kostenträgern in Kontakt, um eine mögliche Kostenübernahme in Zukunft abzuklären. Unter diesen Internetlink können Lehrer an der Studie teilnehmen.