Von Lena Quandt

Die Spurensuche nach dem schnellen Internet für das Holz- und Fertighausbau-Unternehmen von August Wiesner beginnt nicht in seinem Wohnort Züntersbach, sondern in der Bahnhofstraße 4 in Sterbfritz. Dort hatte im November 2019 der Spatenstich für den Breitbandausbau mit Glasfaserkabel für Gewerbetreibende im gesamten Kreisgebiet begonnen.

Das Ziel des Projekts war und ist es, kostenfreie Direktanschlüsse für Gewerbetreibende bis ins Firmengebäude zur Verfügung zu stellen. Das Angebot enthielt jeweils einen Anschluss im Bereich von bis zu einem Gigabit pro Sekunde. Kosten entstünden erst, wenn der Unternehmer den Anschluss nutzen will, hieß es.

Wiesner musste nicht lange überlegen. Eine Gigabit pro Sekunde - das macht in Züntersbach einen beträchtlichen Unterschied. "Seit circa Ende März sind die Tiefbauarbeiten und der Glasfaseranschluss bei uns im Gewerbegebiet Reitäcker/Judenbeete abgeschlossen. Ein Vertrag mit Vodafone besteht ebenfalls seit diesem Zeitpunkt", erläutert der Züntersbacher. Und: "Das Glasfaserkabel liegt seit der elften Kalenderwoche 2020 in unseren Gebäuden." Seit April 2020 unterhält der Sinntaler einen regen Schriftverkehr mit dem Netzbetreiber Vodafone und der Breitband Main-Kinzig GmbH. Die letzte Rückantwort stammt vom 4. Dezember, erzählt er.

Bislang habe sein Unternehmen mittels eines Hybrid¬Routers von der Telekom "einen relativ guten Zugang zum Internet gehabt". Weil sich aber immer mehr Züntersbacher für diese Variante entscheiden, sei die Geschwindigkeit spürbar geringer. Nicht nachvollziehen kann Wiesner, dass in seiner Straße drei Glasfaserkabel von Telekom, M-Net und Vodafone verlegt wurden. Er fragt sich: "Wozu braucht man drei Glasfaserkabel in einer Straße, wenn keiner der Anbieter gewillt ist, die erforderlichen Anschlüsse herzustellen und freizuschalten?"

In der Freischaltung liegt das Problem. Sie klappt einfach nicht. Aus einem E-Mail-Verkehr vom April geht hervor, dass im Züntersbacher Gewerbegebiet die Glasfaserkabel bereits in den Räumen liegen und in den Verteilerkästen verklemmt sind. Das bestätigt Wiesner. Schnelleres Internet ist aber immer noch Fehlanzeige.

Im September hört Wiesner erneut per E-Mail von der Breitband Main-Kinzig GmbH. Das Schreiben macht Hoffnung. Es heißt darin: "Wir hatten heute unser Gespräch mit der Vodafone. In diesem Gespräch wurde uns mitgeteilt, dass die Aufschaltung seitens Vodafone zu Ende Oktober 2020 geplant ist." Jetzt ist es Januar 2021. Das Glasfaserkabel ruht immer noch ungenutzt in der Erde. Eine Mitarbeiterin der Breitband Main-Kinzig GmbH teilt schriftlich mit, dass man Wiesners Enttäuschung nachvollziehen könne. "Wir würden es auch sehr begrüßen, dass die Anschlüsse schneller freigeschaltet werden", heißt es in dem Schreiben.

"Dieser Text lässt die Vermutung zu, dass wir bis zum Sankt Nimmerleinstag auf die Freischaltung warten können beziehungsweise müssen", befürchtet der Unternehmer.

Nach der Rückmeldung von Vodafone soll die Freischaltung laut der Breitband Main-Kinzig GmbH ab dem 22. Januar erfolgen. Vodafone könne der Notiz zufolge aber nicht sagen, wann Wiesner selbst freigeschaltet werde. Der Züntersbacher findet: "Die Beteiligten hätten es in einem Dreivierteljahr bewerkstelligen können, die verlegten Hausanschlüsse freizuschalten."

Hintergrund:

"Die kostenlose Anbindung der Gewerbegebiete in Sinntal an das schnelle Glasfasernetz der kreiseigenen Breitband Main-Kinzig GmbH läuft nach Plan", lautet die Antwort beim Main-Kinzig-Kreis.

In der Pressemitteilung des Kreises heißt es zudem weiter: "Der von Bund und Land geförderte Ausbau in den Gewerbegebieten hat in Sinntal begonnen, ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Die ersten Sinntaler Kunden und Kundinnen sollen Anfang Februar ,ans Netz" gehen können." Der Ausbau des Glasfasernetzes laufe in mehreren Phasen ab, so die Erklärung. Zwar seien die Bagger vor der Haustür der Kunden mit ihrer Arbeit "sichtbar fertig", dennoch sind weitere Ausbauschritte erforderlich. Dabei gehe es laut Kreis "nicht nur darum, das kleine Teilstück zu den jeweiligen Betrieben herzustellen, sondern es müssen auch teilweise sehr lange Zuführungsstrecken gebaut und einiges an Technik errichtet werden, auch seitens des Netzbetreibers, in diesem Fall Vodafone". All das benötige seine Zeit.

Die Breitband Main-Kinzig GmbH sei "natürlich bestrebt, alle Abläufe so zu koordinieren, dass der Ausbau zügig vorangeht und bittet die Kundinnen und Kunden vor Ort noch um ein wenig Geduld", appellieren die Verantwortlichen. Der Auftrag des Kunden August Wiesner liege vor "und der Netzbetreiber wird sich sicherlich rechtzeitig zur Inbetriebnahme mit ihm in Verbindung setzen".