War es hier schon immer so heiß? Das ist die erste Frage, die sich Julia Hildmann stellte, als sie bei schwülen 30 Grad aus dem Flughafen in den brasilianischen Winter hineintritt. Durch die Nähe zum Äquator scheint in der am Atlantik gelegenen Großstadt Fortaleza eigentlich fast jeden Tag die Sonne. Hitze ist also nichts Neues, und doch, das Klima hat sich - wenn auch eher im bildlichen Sinne gesprochen - geändert.

Die Welt, die Hildmann betritt, ist ganz anders als ihre deutsche Welt. Unterschiede machen sich nicht nur am Wetter und der Vegetation fest. Okay, sie fährt mit dem Bus an Palmen statt an Buchen vorbei und in den Bäumen sieht sie Affen statt Eichhörnchen herumspringen. Der eigentliche Unterschied aber findet sich im Sozialen. Seit ihrem letzten Studienaufenthalt vor Ort im Jahr 2016 hat sich sowohl die politische als auch die ökonomische Krise verschärft. Und das wirkt sich ganz praktisch im Leben der Menschen aus.


Welche Gang regiert im Stadtviertel?

Viele ihrer Freunde sind nun arbeitslos. In dem Capoeira-Sportsozialprojekt, in dem Hildmann privat trainiert, hat der Staat vor wenigen Wochen alle Mittel gekürzt. Die Eltern müssen jetzt pro Monat zehn Reais (entspricht 2,50 Euro) für die Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder bezahlen und haben noch nicht mal dafür das Geld. Dass die Realität eine andere ist, merkt man auch an den Fragen und Antworten der Kinder. Ein Junge mit dem Spitznamen Salto, den Julia noch vom letzten Besuch aus dem Sportprojekt kennt, stellt gleich zu Beginn die Frage: Welche Gang regiert in deinem Stadtviertel?