Seit 2017 gibt es in den acht Rhönallianzgemeinden die Möglichkeit, eine Sanierung von Gebäuden in den Ortskernen - recht unbürokratisch - fördern zu lassen. Die Regierung von Unterfranken (RUF) fördert die verpflichtende Beratung dazu im Vorfeld bisher zu 60 Prozent. Die Gemeinde übernimmt den restlichen Anteil. Ende des Jahres läuft die Förderung der RUF aus. "Die Bürgermeister der Allianz bedauern dies sehr", sagt Allianzmanager Uwe Schmidt.

Konkret gehe es um "rund 400 Euro, die eine solche Beratung durch einen Architekten kostet", sagt Schmidt. Darin enthalten sei ein objektbezogenes Protokoll, ein Beratungsprotokoll und eine Einschätzung durch den Architekten für eine mögliche Sanierung. Diese Beratung ist Voraussetzung für die kommunale Förderung der Rhönallianz, durch die Hauseigentümer bis maximal 10.000 Euro über die Gemeinden plus Kinderzulage an Unterstützung bekommen können (siehe Info-Kasten).

Regionale Unterschiede

"Für uns ist jede noch so kleine Unterstützungen wichtig, wenn es um die Innenentwicklung geht", bestätigt Gerd Kleinhenz (PWW), Bürgermeister von Wildflecken. Insgesamt sind in den vergangenen Jahren immerhin 31 solcher Objektberatungen in allen acht Allianzgemeinden durchgeführt worden. Regional gab es dabei große Unterschiede. Während in Zeitlofs keine Beratung stattgefunden hat, haben sich in Oberleichtersbach neun und in Wildflecken drei interessierte Bürger beraten lassen. Letztendlich beantragt wurden 16 Sanierungen.

Der Grund für die regionalen Unterschiede liegt unter anderem in den Kriterien für eine Förderung. Diese sind nämlich eng gestrickt: Das Gebäude muss mindestens 50 Jahre alt sein und seit einem Jahr leer stehen, so steht es im Katalog für die Förderung. Diese Kriterien "treffen in Schondra leider auf sehr wenige Gebäude zu", erklärt Bürgermeister Bernold Martin (CSU). Deshalb habe in der Gemeinde bisher nur ein Bürger einen Leerstand mit Hilfe der Rhönallianz saniert.

Leerstand noch nicht akut

Riedenbergs Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) pflichtet ihm bei. Auch wenn aktuell noch wenig Leerstand in der Ortsmitte zu verzeichnen sei, so "wird uns das Problem in den kommenden Jahren beschäftigen." Damit entspricht Römmelt der Empfehlung der Regierung von Unterfranken. "Ziel ist es, den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten und die Ortskerne zu beleben", schreibt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken.

Warum die Regierung nun die finanzielle Unterstützung der Beratungsgespräche streicht, erklärt der Pressesprecher mit einer grundsätzlichen Änderung der Bund-Länder-Programme zur Aufwertung der Innenstädte. Zukünftig sei es Voraussetzung für eine solche Förderung, ein Sanierungsgebiet auszuweisen. Dies ist aber aktuell nur im Zentrum von Bad Brückenau und seit Frühjahr dieses Jahres auch in Zeitlofs der Fall (wir berichteten).

"Die Voruntersuchung für die Ausweisung eines Sanierungsgebiets sind allerdings mit einem hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden", sagt Allianzmanager Schmidt. Bis zu zwei Jahren könne so eine Studie in Anspruch nehmen und zwischen 50.000 und 100.000 Euro kosten. Das sei für einige Gemeinden bei der aktuellen Haushaltslage nicht machbar. Daher auch der Appell des Riedenberger Bürgermeisters: "Die Hürden zur Ausweisung dieser Sanierungsgebiete sollten niedriger gelegt werden."

Die gute Nachricht für die Bürger: Die Rhönallianz behält das kommunale Förderprogramm zur Belebung der Ortskerne bei. Alle Bürgermeister sind einstimmig der Meinung, dass "die Sanierungsberatungen und das kommunale Förderprogramm wichtige Instrumente gegen die Leerstände in Ortszentren sind", schreibt Schmidt. Sie sprechen sich daher dafür aus, die Kosten für die Sanierungsberatungen ab 2021 komplett zu übernehmen. Die letzte Entscheidung darüber treffen aber die Gemeinderäte. Wildflecken hat vor wenigen Tagen den Anfang gemacht und übernimmt - nach der Entscheidung des Gemeinderats - die Kosten für die Sanierungsberatungen.

Hintergrund

Unterstützung: Das kommunale Förderprogramm der Brückenauer Rhönallianz wurde Anfang des Jahres 2017 aufgelegt. Die Kosten für die Förderung von innerörtlichen Sanierungen werden zu 100 Prozent von den Kommunen getragen. Die Förderung für die Sanierungsberatungen im Vorfeld durch die Regierung von Unterfranken läuft Ende des Jahres aus.

Kriterien: Das Gebäude muss zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens 50 Jahre alt sein und mindestens seit zwölf Monaten komplett leer stehen. In begründeten Ausnahmefällen kann auch ein Gebäudeabriss und (Teil-) Neubau gefördert werden.