Der Weg zu den Tiergehegen im Stall ist mit Müll übersät. Kaputte Planschbecken, Telefonkabel und alte Möbel machen den Weg zum Gatter zu einer Stolperfalle. Im Halbdunkeln liegen, verstreut über den Strohboden, sieben mumifizierte Schafe. Der Gestank hält sich in Grenzen, im Gegensatz zum Wohnhaus gegenüber, wo eine Familie über drei Jahren lebte. Eine Frau mit mehreren Kindern war die Mieterin des Hauses und des Stalles sowie die Halterin der Tiere. Sie verließ Münchau im Januar und hinterließ ein Chaos im Haus und auf dem Grundstück.


Polizei vom Besitzer verständigt

Polizeihauptkommissarin Silke Kleinheinz und Polizeikommissar Alexander Schulz begutachten den Fall vor Ort. "Wir haben immer wieder mit Fällen von Tierquälerei zu tun, doch das hier ist schon extrem", sind sich beide einig. Die Polizei wurde vom Besitzer letzte Woche verständigt. Nachdem sich eine Streife ein erstes Bild von Stall und Haus gemacht hat, wurde das zuständige Veterinäramt informiert. "Polizei und Veterinäramt arbeiten in dem Fall eng zusammen", sagt Polizeikommissar Schulz.

Dr. Richard Roider, Amtstierarzt vom Veterinäramt in Bad Kissingen, ist für den Fall zuständig. "So etwas habe ich seit über 20 Jahren nicht gesehen", sagt der erfahrene Gutachter. Die gehörnten Schafe, vermutlich Heidschnucken, seien schätzungsweise seit einem Jahr tot. Futter lag in einem separaten Raum in der Scheune. Nach der ersten Inaugenscheinnahme könnte Verhungern die Todesursache der Tiere sein, doch die genaue Todesursache wird noch untersucht. In wieweit das aufgrund des Verwesungszustandes möglich ist, muss noch verifiziert werden. Daher können gerade keine sicheren Angaben machen, teilt das Landratsamt Bad Kissingen auf Nachfrage mit.

 


Hausbesitzer waren Hände gebunden

Warum wurde nicht früher reagiert? Dass hier Tiere gestorben sind, hat scheinbar niemand mitbekommen. Zumindest kam es nie zu einer Anzeige. Und Hausbesitzer Müller waren die Hände gebunden: "Obwohl die Mieterin im Januar ausgezogen ist, durfte ich als Vermieter nicht in die Wohnung oder den Stall, denn es gab keine Kündigung." Erst durch eine Räumungsklage vor drei Wochen konnte sich der Vermieter Zugang verschaffen. "Wir haben die abgeriegelte Scheune aufgebrochen und das Unheil gesehen", sagt er noch sichtlich geschockt.

Auf die Mieterin komme mindestens eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetztes zu, teilt der Polizeikommissar mit. Außerdem werde nach Angaben des Landratsamtes von Seiten des Veterinäramtes ein Tierhaltungsverbot geprüft. Eine Überprüfung der neuen und bekannten Wohnadresse der Frau laufe derzeit, so Schulz. Auch das Gesundheitsamt und das Jugendamt seien informiert, doch "wir befinden uns erst am Anfang unserer Ermittlungen", sagt Schulz.

 

 


Wütend und ratlos

Der Fall lässt alle Beteiligten wütend und ratlos zurück. Für Hausbesitzer Richard Müller ist es besonders ärgerlich, denn er bleibt auf den Kosten des Schadens sitzen. "Das war nicht das erste Mal, dass Mietnomaden in meinem Haus hohe Kosten verursachen", sagt er resigniert. Das werde nicht mehr vorkommen, denn das Haus in Münchau will er verkaufen.