Volksmusik ist Brezen, Bierzelt und Busen? Dass das so nicht stimmt, zeigt sich an Bands aus der "Neuen Volksmusik" wie LaBrassBanda: "Vergoldete" Mofas für Konzertbesucher, Unplugged-Alben aus dem Kuhstall, Punk- und Reggea-Kühe und ein Konzert in Los Angeles berühmtestem Rock Club. LaBrassBanda vereint das scheinbar Unvereinbare in ihrer Musik. Im Interview bringt der Schlagzeuger Manuel da Coll Ordnung in das vermeintliche Begriffschaos.

Herr da Coll,Sie und Ihre Band sind für außergewöhnliche Gedanken bekannt. Wie kamen Sie auf die Idee, mit Mofas und einem alten Traktor auf Tournee zu gehen?
Manuel da Coll: Das war zur Fußball-Europameisterschaft 2008. In der Band haben wir alle Interesse an Fußball, da haben wir überlegt, was man machen könnte. Weil wir alle auf alte Gefährte stehen, sind wir dann bei den Mofas und dem Traktor gelandet. Minimalismus pur. Das war allerdings eine Geschichte für sich - fahrtüchtig waren zu Beginn alle Mofas, am Ende mussten sie auf den Traktor gepackt werden. Immerhin waren das mit allen Schlenkern 800 Kilometer, die mit 18 Kilometer die Stunde gefahren werden mussten. Wir greifen das Mofa-Thema auch dieses Jahr wieder auf. Man kann es nicht so genau sagen, aber 2018 werden wir unseren Millionsten Konzertbesucher haben - der bekommt ein gold-farbenes Zündapp-Mofa geschenkt.

Eine andere Aktion der Band, die Wellen schlug, war der ungewöhnliche Ansatz, ein Album im Kuhstall aufzunehmen. Was waren die Hintergründe?
Es gab die Idee für ein Unplugged-Album. Allerdings fanden wir das etwas unsinnig. Immerhin sind wir als Blasmusiker sowieso unplugged unterwegs. Das bekannteste Format, MTV-Unplugged, hätte nicht zu uns gepasst. Deshalb haben wir unser eigenes Ding gemacht: Kiah Royal - aufgenommen im Kuhstall. Allerdings hatte das Projekt eine lange Vorarbeit. Zunächst mussten die Kühe an unsere Musik gewöhnt werden. Deshalb haben wir sie zwei Monate mit unserer Musik bespielt. Die Tiere sind ziemlich schreckhaft, deswegen lief das alles in Sprechlautstärke ab. Nach den zwei Monaten Eingewöhnung haben wir gemerkt, dass auch Kühe einen eigenen Musikgeschmack haben: Manche haben den Stall verlassen, andere waren richtige Punk- und Reggea-Kühe, die die Musik sichtlich genossen haben.

Wie viele Musiker braucht man überhaupt für eine Gruppe wie LaBrassBanda?
Das ist ein bisschen wie beim Rock. Damit es richtig Spaß macht, braucht man mindestens drei Rollen: Rhythmus, Bass und Lead-Gitarre. Wir haben das bei uns so umgesetzt, dass der Bass von der Tuba kommt. Die Rhythmusfraktion stellen eine Posaune und eine Trompete. Als Solisten haben wir noch eine Trompete dabei. Wenn man uns in fünf Worten definieren würde, wären das "Tuba", "Posaune", "Trompete", "Schlagzeug" und "Bass". Alles andere wie "barfuß" oder "Lederhose" würde andere Bilder im Kopf wecken. Auch hier zeigt sich unser minimalistischer Ansatz.

Minimalistisch ist auch Ihr Bühnenoutfit - wie trotzen Sie in Tracht der Sommerhitze?
Wir spielen ja barfuß in Lederhose. Das ist unheimlich praktisch. Die Krachlederne lässt sich super durchlüften, ein anderer Vorteil ist, dass sie nicht waschbar ist - sprich, sie stinkt kaum und der Schweiß läuft einfach raus. Nach dem Auftritt hängen wir sie nur aus dem Fenster. Streng genommen ist die Lederhose ja eher Arbeitskleidung.

Mit Ihrem Bühnenoutfit ecken Sie auch manchmal an - beim Gautrachtenfest in Ruhpolding bezichtigte Sie der Ehrenvorsitzende des bayerischen Trachtenverbands, Otto Dufter, des Traditionsbruchs. Was ist vorgefallen?
Wir treten prinzipiell barfuß in Lederhose auf. Das ist ihm aufgestoßen. Daraufhin gab es eine Brandrede, in der Dufter Bands in zwei Kategorien beurteilt hat: Welche sind gut und welche nicht. Allerdings scheint das kaum jemanden zu interessieren. Wir haben seine Rede mit Musik unterlegt und ins Netz gestellt. Dufters Thesen fanden keinen Anklang in der Fangemeinde. Ich glaube, es ist wichtiger was in einem Menschen steckt, als in was er sich kleidet.

Ein Konzert, das für eine Blasmusik-Band ungewöhnlich ist, war der Auftritt im Whisky-A-Go-Go in Los Angeles. Wie kommt eine bayerische Blaskapelle in den Rock-Club, der Bands wie Guns 'N Roses und Mötley Crüe bekannt machte?
Das haben wir uns auch alle gefragt. Das war alles recht amerikanisch geprägt. Das ist etwas anders als in Deutschland. Im Whisky waren noch vier andere Bands, die alle ihre Gitarren im Anschlag hatten - und dann kamen wir als Unbekannte mit den Blasinstrumenten. Ich glaube, dass wir da einige Fürsprecher in der Deutschen Botschaft in Washington hatten, die uns das eingefädelt haben. Klischeehaft war dann die After-Party, die wir in Los Angeles gefeiert haben: Unzählige Leute und Meerblick.

Gibt es bei LaBrassBanda vor und nach der Show Rituale?
Naja, nicht so recht. Wir spielen uns vor dem Auftritt ein, wer noch keine Lederhose anhat, zieht sie sich dann eben an. Nach der Show sind wir gerne noch mit dem Publikum an der Bar. Wir hoffen, dass das auch in Bad Brückenau möglich ist. Ich war bisher zwar noch nicht vor Ort, freue mich aber auf das Erlebnis: Das sind häufig ganz banale Geschichten, das Essen, das Bier - man spürt das Eigentümliche jeder Region bei den Auftritten.

Das Gespräch führte Johannes Schlereth.