Wer im Biergarten am Kreuzberg sitzt, kommt nicht umhin die Baustelle an der Sakristei wahrzunehmen. Das Dach ist nahezu abgenommen. Ein Zwischenboden wurde als Sicherheitsboden eingezogen, damit die Sanierungsarbeiten voran gehen können.

"Dass das komplette Dach über der Sakristei abgenommen werden muss, war nicht von Anfang an klar", erklärte Pater Georg Andlinger. "Zunächst fanden Voruntersuchungen statt und diese ergaben, dass die Balkenkonstruktion so marode war, dass die komplett erneuert werden muss. Ein großer Teil war unter einem Holzfußboden verborgen, sodass das Ausmaß der Schäden an den tragenden Balken erst während der Freilegung zu sehen war."

"Der komplette Dachstuhl war nicht mehr zu retten", bestätigte auch Bauleiter Christian Enders von der Kammerdiener Peegut Gruppe. "Nicht nur, dass das Gebälk zum größten Teil vermorscht war, es war an mehreren Stellen stark verschoben. Die sogenannte Mauerlatte, die auf der Außenmauer aufliegen sollte und zur Befestigung der Deckenbalken dient ist zum Teil bis zu 30 Zentimeter und mehr verrutscht. Da war schon Gefahr in Verzug. Ein richtig strenger Winter und womöglich wäre das ganze Dach runter gekommen", erklärte Enders.

Nun werde nicht nur das Dach komplett erneuert sondern die gesamte Konstruktion der Sakristei. Die Sakristei wurde erst später an die Kirche angebaut, erklärte Andlinger. Doch wann dieser Anbau vorgenommen wurde, konnte er nicht sagen.

Die Zwischendecken zum Dachboden und dem oberen Spitzboden wurden entfernt und das Mauerwerk wird, wo es nötig ist, ausgebessert. Ein Zwischenboden werde künftig nicht mehr einzogen, die Sakristei werde mit Sichtgebälk versehen nach oben hin offen bleiben. "Allerdings nicht bis in die Spitze", erklärte Pater Georg Andlinger. Der Spitzboden werde weiterhin abgeteilt. "Die Sakristei wird ein ganze neues Aussehen bekommen, es wird ein anderes Raumgefühl sein", so Andlinger.

Spezialputz und Naturschiefer

"Wenn das Wetter es zulässt, soll die Baumaßnahme bis Ende Oktober abgeschlossen sein", sagte Enders. Allerdings sei bis dahin noch einiges zu tun. Die Bleche an der oberen Fassade der Kirche, in Richtung Innenhof, müssen noch abgenommen werden. Wenn das neue Sakristeidach aufgestellt ist, muss die Fassade mit einem Spezialputz versehen werden. Gedeckt werde das Dach mit Naturschiefer.

Für den Außenputz seien vom Denkmalamt eigens Mörtelproben am Bestand genommen worden. Die Analyse der Zusammensetzung sei Grundlage für den neuen Mörtel. "Die Ausbesserungen am Mauerwerk sollen mit einem möglichst originalgetreuen Material vorgenommen werden", sagte Enders.

Sanierungen im Bestand bringen immer wieder neue Überraschungen mit sich. So wurde in der Außenwand ein Kamin gefunden, von dem bislang niemand etwas wusste.

Auch Kuriositäten kamen zu Tage. Eine Art "Hühnerleiter", die zu einem hoch gelegenen Fenster zum Kircheninneren führte. "Hier konnten Patres die krank waren hochsteigen und dennoch am Gottesdienst teilnehmen. Fragt sich nur, ob das bei Krankheit so sinnvoll war auf dem zugigen Dachboden", meinte Enders. Erstaunt ist er über die Qualität des Mauerwerks. "Da steckt keine Feuchtigkeit drin. Es ist wirklich beachtlich, wie in früherer Zeit gemauert wurde. Jedes Steinchen wurde verwendet."

Ein Dachboden wird gerne als Abstellmöglichkeit für allerlei ungenutztes verwendet. So kam am Dachboden einiges zum Vorschein, das aus längst vergessenen Zeiten stammt. Bilder, die auf dem Dachboden aufgehängt wurden. Liturgische Gewänder, die nicht mehr getragen werden und Weihnachtsschmuck. "Wertvolles war nicht dabei", sagte Pater Georg Andlinger. Von wem die Bilder stammen konnte nicht festgestellt werden. Andlinger vermutet von Franziskanern, die sich künstlerisch betätigt haben. "Offenbar hatte man im Laufe der Jahrhunderte nicht den rechten Platz und sie auf den Dachboden gehängt."