Im vergangenen Jahr war das Vorkommen der Eichenprozessionsspinner in der Stadt und den Stadtteilen besonders groß. Mitarbeiter des Bauhofes fanden Nester zum Beispiel am Bahnradweg, am Schulzentrum in Römershag, an Wanderwegen und in Wernarz. "Mindestens vier Stellen waren betroffen", sagt Bauhofleiter Michael Krug. Meist errichten die Raupen ihre Nester, wie der Name schon sagt, auf den Eichenarten.

Das Tückische daran: Die Raupen bilden im dritten Larvenstadium - das ist meistens im Mai oder Juni - giftige Brennhaare aus. Diese können bei Berührung zu extrem juckenden Hautausschlägen führen. In diesem Jahr, sagt Krug, habe es glücklicherweise noch keine bekannten Funde gegeben. "Es kann aber gut sein, dass es abseits im Wald Nester gibt", sagt Krug.

Kontakt nicht erforderlich

Die Brennhaare können auch mit dem Wind fortgetragen werden und im größeren Umkreis bei Berührung noch Reaktionen, eine sogenannte Hautdermatitis, auslösen. Der direkte Kontakt mit den Raupen ist also nicht unbedingt erforderlich. Gerade deshalb ist bei den haarigen Vertretern Vorsicht geboten. Laut Bayerischer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft stellen sie eine "akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar."

Dessen ist sich Krug bewusst. Seit rund fünf Jahren treten die Raupen immer wieder in Bad Brückenau auf. "Wir kontrollieren sehr genau, vor allem im Umfeld von Kindergarten, Schule oder Spielplatz", betont er. Werden Nester der Raupen gefunden, dann müsse eine Fachfirma beauftragt werden. Mit Schutzanzug und Atemschutzmasken werden sie mit einem speziellen Staubsauger von den Bäumen gesaugt.

Biologische Alternative

Pflanzenschutzmittel gegen die Schädlinge kommt hingegen nicht in Frage: "Seit Jahren benutzen wir keine Chemie mehr, das ist auch hier der Fall", sagt Krug. Auch das Abfackeln der Nester schließt er aus, nicht zuletzt wegen der Trockenheit und der dadurch bedingten Brandgefahr. Eine weitere Möglichkeit ist das Aufsprühen von bestimmten Fraßmilben, die die Raupen vernichten, bevor diese die gefährlichen Härchen entwickeln können.

Über diese biologische Alternative "sind wir aber noch in der Entscheidungsfindung", sagt Krug. Für den Einsatz der Fraßmilben, die auf die betroffenen Bäume gesprüht werden sollen, ist der exakte Zeitpunkt der Aktion besonders wichtig. Sollte es zu einer Zunahme der Raupenpopulationen kommen, dann werde diese Methode in Betracht gezogen.

Auch wenn derzeit keine Nester bekannt sind, ist davon auszugehen, dass das Problem nicht weg ist. Denn die zunehmende Trockenheit und Wärme sind ideal für die Raupen des Schmetterlings.

Für den Baum ist vor allem der mehrjährige Befall oder Massenvermehrung schädlich. Ein "einmaliger Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner hinterlässt üblicherweise keine nachhaltigen Schäden an der Eiche", heißt es auf der Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Wald und Forstwirtschaft.

INFOKASTEN

Über die Raupen

Der Eichenprozessionsspinner ist ein nachtaktiver Schmetterling aus der Familie der Zahnspinner. Die Brennhaare der Raupe können beim Menschen Raupendermatitis auslösen. Er ist ein klarer Gewinner des Klimawandels, denn er mag warm-trockene Regionen. Seit einigen Jahren ist eine starke Zunahme in Unterfranken zu verzeichnen.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Wald und Forstwirtschaft

Bei Verdacht auf Raupennester in Stadt und Umgebung sollte umgehend der Bauhof unter der Nummer 09741 931227 kontaktiert werden.