Die Winterstürme Ylenia, Zeynep und Antonia fegten Mitte Februar mit orkanartigen Böen und Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h über Deutschlands Wälder hinweg. In Bayern liegen die Schadenschwerpunkte in Nordbayern. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt informiert hierzu in einer Pressemitteilung, dass auch in der Rhön und an der Saale zahlreiche Bäume geworfen oder gebrochen wurden.

Oliver Kröner, Bereichsleiter Forsten am AELF, berichtet, dass vor allem einzelne Bäume oder kleinere Trupps von Bäumen den Stürmen zum Opfer gefallen seien - insbesondere an Bestandsrändern, die seit dem Jahr 2018 durch Borkenkäferbefall entstanden sind. Flächige Schäden seien zum Glück die Ausnahme.

Auch wenn es auf den ersten Blick scheine, als ob die Wälder im Landkreis Bad Kissingen die Winterstürme nur mit leichten Blessuren überstanden hätten, warnt Kröner vor weiteren drohenden Folgen. "Die großflächig verteilten Einzelwürfe werden bei nicht rechtzeitiger Aufarbeitung zu weiteren massiven Borkenkäferschäden im Frühjahr und Sommer führen", gibt er zu bedenken.

Infolge der Trockenjahre 2018 bis 2020 sei das Borkenkäferpotenzial noch sehr hoch. Die erst wenig ausgetrockneten Schadhölzer seien für einen Borkenkäferbefall besonders attraktiv und die neue Schwärmsaison stehe bereits vor der Tür. Daher müssten die geschädigten Fichten bis Ende April waldschutzwirksam aufgearbeitet werden. Dabei gelte der Grundsatz, mit den Einzelwürfen zu beginnen und sich zu den größeren Schadflächen vor zu arbeiten.

500 Meter Abstand

Kröner weist darauf hin, dass die Aufarbeitung der geschädigten Bäume allein nicht reiche. Sofern die aufgearbeiteten Bäume nicht zeitnah ins Sägewerk abgefahren werden, müssten diese aus dem Wald herausgefahren und in der Flur gelagert werden. Dabei sei ein Abstand von mindestens 500 Metern zu Wäldern mit Fichtenanteilen erforderlich. Auch Baumkronen und Resthölzer aus der Aufarbeitung müssten aus dem Wald gebracht oder zeitnah gehackt werden, um sie den Borkenkäfern - insbesondere dem Kupferstecher - als Brutmaterial zu entziehen.

Restmaterial zu verbrennen, sei nur bei feuchter Witterung ohne erhöhte Waldbrandgefahr und bei intensiver Überwachung zulässig. Für die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung könnten Waldbesitzer bei ihrem zuständigen AELF-Förster eine finanzielle Förderung beantragen. Der Förderantrag muss vor Beginn der Aufarbeitung gestellt werden, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Besonders wichtig ist Kröner zu betonen, dass die Aufarbeitung von Sturmholz sehr gefährlich ist, insbesondere wenn dieses unter Spannung stehe oder sogenannte Verhaue bilde. Er empfiehlt Waldbesitzern, die keine Erfahrung mit der Aufarbeitung von Sturmholz haben, auf die Hilfe von professionellen Forstunternehmern zurückzugreifen. Bei der Vermittlung solcher Forstunternehmer würden die Forstbetriebsgemeinschaften Rhön-Saale sowie Fränkische Rhön und Grabfeld Waldbesitzer unterstützen, ebenso bei der Holzvermarktung oder der Pflanzenbestellung für die Wiederaufforstung von Schadflächen.

Sofern Waldbesitzer Schadhölzer selbst aufarbeiten, appelliert Kröner an diese, in jedem Fall die Unfallverhütungsvorschriften zu beachten, eine vollständige, funktionsfähige persönliche Schutzausrüstung zu tragen und keinesfalls allein in den Wald zu gehen.

Klimastabile Wälder

Freuen würde sich Kröner laut Mitteilung, wenn die bereits entstandenen oder noch entstehenden Schadflächen für die erforderliche Anpassung der Wälder an den Klimawandel genutzt würden. Die Flächen sich selbst zu überlassen und dabei eine natürliche Wiederbewaldung - überwiegend mit Fichten oder Weichlaubhölzern wie Pappel, Vogelbeere oder Weide - in Kauf zu nehmen, ist für ihn keine Option für klimastabile Wälder.

Die Förster des AELF beraten der Pressemitteilung zufolge Waldbesitzer kostenlos in ihren Wäldern, mit welchen klimastabilen Baumarten Schadflächen wiederaufgeforstet werden können, und wickeln auch die finanzielle Förderung solcher Maßnahmen ab.