Vorbereitet hatte man sich in der Franz-von-Prümmer-Klinik auf eine Massenversorgung. Doch Patienten kamen zunächst nur wenige: In der Klinik herrschte Anfang März 2020 "eine angespannte Ruhe". Insgesamt 17 Corona-Fälle behandelte das Krankenhaus während der ersten Infektionswelle im Frühjahr. Zur Herausforderung wurde dann vor allem die zweite Welle, als es im Dezember 2020 auch beim Personal zu Infektionen kam.

Krankenhausdirektor Ralph Pleier, zuvor beim Paracelsus-Klinikum Sachsen beschäftigt, ist seit Jahresbeginn im Amt. Die Situation des vergangenen Jahres kennt er aus Gesprächen und Berichten der Mitarbeiter. Aktuell merke man, dass die hohe Anspannung und die fehlende Perspektive ihren Tribut forderten, berichtet er. Mit Blick auf das derzeitige Infektionsgeschehen sagt der 49-Jährige, dass die Klinik gut gerüstet sei, sich die Lage aber insgesamt wieder verschärfen werde.

Wie ist die Klinik bislang durch die Pandemie gekommen?

Pleier erklärt, dass er persönlich natürlich nur den Bereich ab dem 1. Januar 2021 überblicken könne. Aber: "Aus vielen Gesprächen mit Mitarbeitern habe ich die Einschätzung erhalten, dass nach Beginn der Maßnahmen im letzten Jahr zunächst eine angespannte Ruhe herrschte", berichtet er. In der Klinik habe man umfangreich für eine Massenversorgung geplant; zunächst seien aber keine Patienten gekommen. "Das hat dazu geführt, dass eine hohe Anspannung herrschte, aber durch die angeordnete Schließung vieler Stationen zur Vorhaltung von Betten keine Arbeit mehr da war."

Die Mitarbeiter hätten in der Folge ihre Überstunden abgebaut und auch ihre vertragliche Arbeitszeit nicht mehr erbringen können. Dies habe zu erheblichen Spannungen geführt, weil völlig unklar gewesen sei, wie es mit der Erfüllung der Verträge weitergehe. "Bis dahin waren noch keine Patienten im Haus", erklärt Pleier.

"Während der ersten Welle kamen dann vom 14. März bis zum 3. Mai 2020 gerade einmal 17 Fälle ins Haus", fährt er fort. Im Sommer habe dann wieder angespannte Ruhe geherrscht. Es seien zudem deutlich weniger Patienten zu den wieder möglichen regulären Behandlungen gekommen.

Gleichzeitig nutzte die Klinik diese Zeit zur Vorbereitung: "Es wurden umfangreiche Änderungen an den Prozessen vorgenommen, alle Strukturen auf Risiken geprüft, die Schutzausrüstung bevorratet und in erheblichem Umfang Schulungen durchgeführt", berichtet der Krankenhausdirektor. Ende September habe dann die zweite Welle begonnen. Diese führte nach Auskunft der Klinik bis zum Jahresende zur Aufnahme von 90 nachgewiesenen Corona-Fällen.

Zudem seien 49 Patienten mit Verdacht auf Covid-19 aufgenommen worden, was ebenso zu einem erheblichen Mehraufwand geführt habe, "da diese ja zunächst so behandelt werden müssen, als wären sie infiziert". Damals habe es in der Spitze deutschlandweit mehr als 30 000 Neuinfektionen pro Tag gegeben, während im Zuge der ersten Welle knapp 7000 der Höchstwert gewesen seien, ruft Pleier in Erinnerung.

"Besonders problematisch war die Situation, dass es auch beim Personal zu einem erheblichen Ausbruch kam und somit also zeitgleich nur eine kleine Mannschaft für die Versorgung der Patienten bereit stand", erklärt der Krankenhausdirektor. Vor allem im Dezember sei die Situation eskaliert und habe sich erst Ende Januar wieder beruhigt. "Aktuell tauchen nur noch einzelne Verdachtsfälle auf."

Pleier lobt indes die Belegschaft: "Ich habe hier Kollegen vorgefunden, die sich mit großer Aufopferungsbereitschaft, großem Fleiß und einem hohen Maß an Flexibilität um die Covid-Patienten gekümmert und dabei auch enorm viel Energie in den Schutz der anderen Patienten investiert haben."

Wie ist aktuell die Auslastung der Intensivbetten?

Im Moment werden in der Franz-von-Prümmer-Klinik keine Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, wie Pleier berichtet (Stand: 18. März). Auf der Intensivstation des Krankenhauses stehen sechs Intensivbetten, darunter vier Beatmungsplätze, zur Verfügung.

Wie unterscheidet sich die aktuelle Lage von der im März 2020?

Im März 2020 sei es anstrengend, aber - wie eingangs beschrieben - auch noch recht ruhig gewesen. "Aktuell merkt man, dass die hohe Anspannung, die permanent hohe Aufmerksamkeit und die fehlende Perspektive einer sich entspannenden Situation einen hohen Tribut fordern", sagt Pleier. "An jeder Ecke spürt man, dass Normalität fehlt." Der Krankenhausdirektor führt hier als Beispiele den hohen bürokratischen Aufwand im medizinischen und dem zur Verwaltung gehörenden Bereich an, "die ständigen Testungen in der eigenen Nase" oder auch die Regeln und Gegebenheiten, die sich fortwährend änderten. Das sorge für Dünnhäutigkeit.

"Im Verwaltungsbereich treibt der ständige Wechsel in der Finanzierung und die fehlende finanzielle Planungssicherheit die Mitarbeiter an die Grenzen der Belastung", sagt der 49-Jährige. "Dazu müssen in einer hohen Frequenz die ständigen Änderungen der Coronaschutz-Verordnungen, der Impfverordnung und der gefühlt 100 anderen Regelungen überwacht und operativ umgesetzt werden."

Die nun schon langandauernde Situation mit wenig Patienten und einer ungesicherten Finanzierung bereite den Trägern und den Mitarbeitern im Gesundheitssystem erhebliche existenzielle Sorgen, was den Bestand der Einrichtungen und des eigenen Arbeitsplatzes betreffe. Viele hätten Angst vor einer "kalten Bereinigung" des Krankenhausmarktes, welche insbesondere die kleinen Häuser treffen könnte, berichtet Pleier. "Da ist die Diskussion aus der Zeit kurz vor Corona noch allzu präsent. Mein erster Eindruck ist aber, dass der Freistaat Bayern im Vergleich einen guten Job macht und bisher versucht, den Häusern gut durch die Krise zu helfen."

Was erwartet Pleier für die kommenden Wochen hinsichtlich des Infektionsgeschehens? Sind die Kliniken dafür gerüstet?

"Ja, wir sind gut gerüstet", erklärt Pleier. "Die Prozesse sind angepasst und eingespielt und ein großer Teil der Mitarbeiter ist geimpft oder verfügt nach eigener Infektion über einen guten Schutz vor Erkrankung." Insgesamt werde sich die Lage aber wieder verschärfen. "Eine Prognose lässt sich alleine schon auf Basis der vielen Varianten des Virus nicht vernünftig oder linear treffen", sagt Pleier. "Ich möchte die Gelegenheit nutzen und an jedermanns Verstand und Vorsicht appellieren: Es ist gefährlich und wird es noch eine ganze Zeit bleiben."

Schließt der Krankenhausdirektor sich der Forderung der Intensivmediziner in Deutschland nach einer Rückkehr in den harten Lockdown an?

"Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich wünsche mir endlich mal wieder, einfach zur Bundesligakonferenz ins Gasthaus gehen zu können, mit Freunden am Feuer zu sitzen oder auch mal wieder auf ein Fest im Verein gehen zu können", sagt Pleier. In der täglichen Lagebewertung zeige sich aber, dass man leider wieder eine besondere Aufmerksamkeit auf das Thema Corona richten müsse.

"Insbesondere die Verschiebung innerhalb der Altersklassen macht mir enorme Sorgen", sagt der Krankenhausdirektor. "Wir müssen uns bewusst werden, dass der Lockdown eigentlich nicht vorbei ist und trotz besserer Witterung - schon seit einiger Zeit vor den leichten Öffnungen - nur eine Stagnation in der Fallzahl erfolgt ist. Das entspricht ja ganz offensichtlich nicht den Erwartungen und kann ein Hinweis darauf sein, dass sich unter der zunächst sinkenden zweiten Welle ein Tsunami aufbaut."

Die bereits kursierenden Mutationen würden sich sicherlich noch erheblich auswirken, sagt Pleier. Und: "Es ist entscheidend für das Zurückdrängen der Infektionen, dass die Impfungen sehr schnell und konsequent erfolgen, damit sich nicht Mutationen bilden, die mit dem aktuellen Impfstoff nicht beherrscht werden können."

17 Corona-Fälle wurden während der ersten Welle im Frühjahr 2020 in der Franz-von-Prümmer-Klinik behandelt.