Erdbeere über Erdbeere stapelt sich in den Schälchen, die Jochen Müller in einer Kiste vor sich trägt. Der Inhaber des gleichnamigen Obsthofes in Modlos ist vollauf beschäftigt. Denn das sonnige Wetter der vergangenen Tage hat die Erdbeer-Ernte richtig in Fahrt kommen lassen. Doch wirkt der ungewöhnlich kühle und nasse Mai noch nach? Schwebte die Erdbeer-Ernte womöglich zwischenzeitlich sogar in Gefahr?

Nein, sagt Müller. Gefährdet sei die Ernte nicht gewesen. "Wir mussten in diesem Frühjahr die Erdbeeren allerdings außergewöhnlich oft mit Vlies abdecken, weil nachts Frost gemeldet war. Das machen wir jedes Jahr. Heuer war es aber gefühlt doppelt so oft der Fall, dass wir die Erdbeeren abdecken mussten." Der kühle und nasse Mai sei für die Ernte weder gut noch schlecht gewesen, berichtet er weiter. "Es hat sich im Prinzip nur der Erntebeginn nach hinten verschoben."

Erdbeeren selbstpflücken ab Mitte Juni

Etwa zehn bis 14 Tage liege man im Vergleich zu den vergangenen drei bis fünf Jahren zurück. "Wenn man den Zeitraum erweitert und auf die vergangenen 20 Jahre blickt, ist es aber nicht das erste Mal, dass die Ernte spät beginnt." Geerntet werde aktuell noch ausschließlich auf den Feldern des Obsthofes bei Hammelburg. Klimatisch bedingt seien die Erdbeeren im Saaletal immer etwa zehn bis 14 Tage früher dran als in der Bad Brückenauer Gegend.

Auch die Selbstpflückfelder haben aktuell noch nicht geöffnet, wie Müller erklärt. Während diese sonst schon immer in den letzten Mai- und den ersten Juni-Tagen öffneten, seien die Erdbeeren dort momentan erst im Stadium der Vollblüte. Mitte Juni erwartet der Obstbauer, dass auch die Selbstpflückfelder in die Saison starten können. Für Besucher gilt, wie im vergangenen Jahr, aufgrund der Corona-Pandemie auf dem Parkplatz und am Kassenhäuschen Maskenpflicht.

Anders als 2020 zu Beginn der Pandemie gestaltete sich die Anreise der Erntehelfer in diesem Jahr problemlos, wie Müller berichtet. Die Erntehelfer des Obsthofes würden größtenteils aus Rumänien stammen. Das Land sei seit vergangener Woche kein Risikogebiet mehr. Insgesamt versuche man "mit allen Mitteln", das Ansteckungsrisiko zu minimieren, etwa durch Corona-Tests.

Erdbeer-Saison womöglich bis Anfang August

Die Obsthof-Mitarbeiter ernten jedes Jahr auf rund sieben Hektar Erdbeeren. Unter den Sorten sind dabei auch immer einzelne neue Erdbeer-Pflanzen, deren Anbau getestet wird, wie Müller berichtet. Er erwartet, dass die Erdbeer-Saison in diesem Jahr bis mindestens Mitte beziehungsweise Ende Juli dauern wird. Eventuell sogar bis Anfang August.

Wie wird die Erntebilanz ausfallen? "Die Tendenz ist gut, Stand heute", sagt der 41-Jährige. "Wenn man Erdbeeren im Freiland anbaut, besteht immer das Risiko, dass über Nacht durch Starkregen oder Hagel die komplette Ernte dahin ist. Aber aktuell sieht alles nach einem sehr ertragreichen Jahr aus."

7 Hektar umfasst die Fläche, auf der der Obsthof Müller aus Modlos seine Erdbeeren anbaut und erntet.

Erdbeeren 3,8 Kilogramm Erdbeeren verzehrt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr - als frische Früchte oder verarbeitete Erzeugnisse. Nach Äpfeln sind Erdbeeren hierzulande die zweitwichtigste Art im Obstbau. Die größten Erzeuger weltweit sind China und die USA. Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Stand: 2019/2020