Die Proteste gegen die Suedlink werden rauer: Die Menschen wollen das Bauvorhaben der Stromtrasse nun mit Feuer statt nur mit Worten bekämpfen. Am Wochenende werden in Bad Brückenau Fackeln an die Widerstandskämpfer verteilt. Gemeinsam soll dann der erste Strommast in Brand gesteckt werden.

Bereits beim Fasching nutzten dieser Tage viele Narren die Möglichkeit, ihren Unmut über den geplanten Bau kundzutun. In Bad Brückenau würde die Trasse wohl direkt an einem Wohngebiet vorbeiführen. Dort wollen die Menschen nun mit anderen Methoden gegen die Suedlink vorgehen. Genauer gesagt mit einem Fackelzug, der am Sonntag, 22. Februar, stattfinden wird (siehe unten).

Während dieser Protestaktion soll im Bereich des Sportplatzes ein Strommast - eine Nachbildung aus Holzbalken - abgebrannt werden. Er ist ein Symbol für die geplante Stromtrasse der Suedlink. "So wie früher der Winter vertrieben wurde, wollen wir nun die Stromtrasse vertreiben", sagt Gerhard Schumm, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse".

Besser eigenen Strom produzieren

Die Ergebnisse des Energiedialogs haben gezeigt, dass sich Bayern auch selbst mit Strom versorgen könnte. Gerhard Schumm will vor allem darauf aufmerksam machen, dass der "saubere" Strom aus dem Norden nicht nur durch Windkraft, sondern eben auch durch Kohlewerke produziert wird. "Kein Mensch spricht davon, dass nicht nur der schöne Windstrom herkommt", sagt Schumm. Er spricht sich für den Bau von Gaskraftwerken aus.

"Erstens werden weniger Schadstoffe freigesetzt als bei Kohlewerken, und zweitens ist der Wirkungsgrad wesentlich höher", sagt Gerhard Schumm. Zudem könne die Abwärme als Energiequelle genutzt werden. Im Hinblick auf den Energiewandel sei es sinnvoller, die Kohlekraftwerke zu schließen. "Gas als Alternative wäre technisch und wirtschaftlich möglich", sagt Schumm. Mit seinem Anliegen hat er sich daher in einem Brief direkt an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) gewandt.

Drei Trümpfe der Trassengegner

Die Aussicht auf Erfolg der Proteste sieht Schumm nicht schlecht: "Wir sehen Lichtblicke." Einer davon ist die besagte mögliche Selbstversorgung Bayerns. Eine zweite "Trumpfkarte" könnte die Marke Biosphärenreservat sein. Eventuell könnten zum Schutz des Reservates geographische Alternativen für die Trassenführung bestimmt werden. Eine weitere Möglichkeit, die unzähligen Strommasten zu verhindern, wäre eine Erdverkabelung.

Schumm ist zudem positiv gestimmt, weil sich der Widerstand frühzeitig und in der Planungsphase der Trasse formiert hat. Denn: "Papier zu ändern ist billiger als Löcher in der Erde", sagt Gerhard Schumm. Weitere Aktionen plant die Bürgerinitiative bis jetzt nicht. Sie will erst abwarten, was die Gespräche zwischen Horst Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ergeben.

Der Fackelzug

Treffpunkt der Protestaktion am Sonntag, 22. Februar, ist das Sportheim in Römershag beim Schulzentrum um 17 Uhr. Die Fackeln werden nach einem gemeinsamen Gang zum Feuerwehrhaus verteilt. Der Protestzug wird vom Sportheim entlang der A7 und wieder zurück laufen. Der Strommast wird am Sportplatz angezündet.