Das gibt es auch nicht alle Tage. Im Rahmen einer Infowoche lernten die Zwillinge Max und Luca Berger gleich im Doppelpack den Alltag der Ordnungshüter bei der Polizeiinspektion Bad Brückenau kennen. Während Max seine zweieinhalbjährige Ausbildung bei den Uniformierten in Würzburg bereits begonnen hat, tritt sein Bruder Luca im März in den Polizeidienst ein.

"Der Grundgedanke, diesen Beruf zu ergreifen, war bei uns praktisch schon immer da. Seit geraumer Zeit haben unsere Vorstellungen dann ganz konkret Form angenommen", bestätigen die beiden heute 17-Jährigen im Gespräch mit dieser Zeitung. Den endgültigen Ausschlag für ihre Entscheidung hat schließlich ein mehrtägiges Schülerpraktikum gegeben, bei dem sie von Hauptkommissar Manfred Schneider, der unter anderem als Verkehrserzieher und Schulbeamter fungiert, intensiv betreut wurden und interessante Einblicke in etliche Bereiche erhielten.

Lieber zur Polizei

Der Name Berger ist in Bad Brückenau ohnehin seit einer halben Ewigkeit eng mit dem sogenannten Blaulichtmilieu verbunden. Opa Johann, mittlerweile 85 Jahre alt, hat ein großes Stück örtlicher Rotkreuz-Geschichte mitgeschrieben. Vater Michael (64) ist hauptamtlich als Notfallsanitäter aktiv, Schwester Johanna (22) arbeitet ebenfalls im Rettungswesen. Der Sanitätsdienst ist für Max und Luca nach eigener Aussage aus vielerlei Gründen "aber nur kurz eine Option" gewesen. Sie wollten lieber zur Polizei.

"Ich war begeistert und habe meine Zwillinge von Anfang an voll unterstützt", erinnert sich Michael Berger, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus besser unter seinem Spitznamen "Minz" bekannt ist. Besonders habe ihn bei seinen beiden Buben beeindruckt, mit welchem Eifer sie auf die Verwirklichung ihres Berufswunsches hingearbeitet haben.

Alles andere als ruhig

Und wie ist nun die vergangene Woche auf der Dienststelle für die jungen Leute selbst verlaufen? Luca Berger formuliert das so: "Man denkt immer, es ist ruhig hier. Wir haben aber das Gegenteil erlebt, es gibt stets eine Menge zu tun. Und kein Tag gestaltet sich wie der andere. Alles war spannend und äußerst abwechslungsreich".

Das Fazit von Bruder Max geht in dieselbe Richtung: "Der Eindruck vom kleinen Bad Brückenau täuscht. Ein Außenstehender kann sich nur schwer vorstellen, was alles im Arbeitsalltag der Polizisten zu erledigen ist". Spontan fallen den Brüdern in diesem Zusammenhang die Stichworte Ermittlungsgruppe, Streife, Fingerabdruck und Notruf ein. "Wir haben hautnah alles mitgekriegt, was hier so passiert und wie die Beamten die nicht immer einfachen Aufgaben bewältigen".

Einen groben Ablaufplan für die "Schnupperwoche" hat es nach Auskunft des stellvertretenden Inspektionsleiters Thomas Vöth zwar schon gegeben. Mehrfach musste der aber kurzfristig modifiziert werden. "Aktuelle Ereignisse aus unserem Tagesgeschäft hatten natürlich immer Vorrang", so der Polizeihauptkommissar.

Trotzdem sei er ständig bestrebt gewesen, die wissbegierigen Zwillinge ins Geschehen einzubinden. Wichtig ist für Vöth aber bei allem Interesse seiner Schützlinge die Prämisse, "dass die jungen Männer nie einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt werden".

Alles außer Pferd und Hubschrauber

Mit dem Nachwuchs, der sich für den Polizeiberuf interessiert, haben die Verantwortlichen in Bad Brückenau übrigens durchweg gute Erfahrungen gemacht. Nach wie vor sehr gefragt ist das dreitägige Schülerpraktikum in den Ferien, das die örtliche Dienststelle nun bereits seit fünf Jahren regelmäßig anbietet und das auch den Besuch auswärtiger Inspektionen einschließt. Manfred Schneider wirbt dafür bei den Schülerinnen und Schülern gern mit folgendem Satz: "Ihr bekommt bei uns alles zu sehen - außer Pferden und Hubschraubern. Die haben wir einfach nicht".