Das Angebot ist nahezu explodiert. Seit die ersten Schüler in den Präsenzunterricht zurückgekehrt sind, wirft die Industrie Geräte verschiedenster Größe und Leistung auf den Markt, die die Luft in Klassenzimmern umwälzen und von Corona-Viren freihalten sollen. Auch die Bad Brückenauer Stadträte wollen etwas für die städtischen Schulen und Kindergärten tun. Nur was genau?

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, hatte man sich Sebastian Kuhn vom Büro Helfrich Ingenieure aus Bad Kissingen in die jüngste Sitzung eingeladen. Sein Chef Wilfried Helfrich saß zur Unterstützung dabei.

Kuhn stellte zunächst einige mobile Lüftungsgeräte vor, aber auch Möglichkeiten, bereits installierte Anlagen coronatauglich nachzurüsten, zum Beispiel mit viren- und bakterienabtötendem UV-Licht. Das alles mit Blick darauf, ob die Systeme in staatliche Förderprogramme passen. So fordert eine Richtlinie, dass die Geräte das Fünf- bis Sechsfache der Raumluft pro Stunde umwälzen. Dabei sollten sie nicht lauter als 40 Dezibel sein (Das entspricht etwa einem leisen Gespräch oder einer Nebenstraße bei Nacht). Geeignete Lüfter, das wurde in der Sitzung klar, kosten zwischen 2000 und 4000 Euro.

Laut Kuhn liegt die Lieferzeit bei mobilen Lüftern "bei unter einer Woche". Die Produzenten hätten sich da angepasst. Er machte auf ein Spannungsfeld aufmerksam: Je kleiner die Geräte, umso mehr wären im Raum nötig, um die gesetzlich geforderte Leistung zu erreichen. Dann verstärke sich der Schallpegel - oft über 40 Dezibel.

Der Landkreis habe in den Pfingstferien in seinen Einrichtungen 100 Lüfter eingebaut. Seitdem seien Kuhn keine Beschwerden bekannt. Das bestätigte auch Stadtrat David Fronczek (SPD). Seine Frau unterrichte mit einem mobilen Lüfter im Raum - was nicht sonderlich störe.

Im Büro Helfrich laufen laut dessen Inhaber im Alltag mobile Geräte mit 37 Dezibel. "Wir kommen gut zurecht; aber bei einer Prüfungssituation sind sie natürlich hörbar", so Wilfried Helfrich. Florian Wildenauer (SPD) sah die Geräusche in Schlafräumen von Kindergarten-Kindern kritisch. Helfrich sagte auch, dass der Erfolg aller dieser Geräte schlecht gemessen werden kann. Sie seien laborgetestet. Aber man ermittle nicht in der Realität die Effektivität der Reinigung im gesamten Raum.

Besuch bei Ingenieurbüro geplant

Beim Nachrüsten bestehender, fest eingebauter Anlagen sagte der Diplom-Ingenieur, dass diese die verbrauchte Luft bei eingebauter Wärmerückgewinnung "energiesparend und ohne Zugerscheinungen" nach draußen bringen und neue in den Raum holen. Man müsse aber die Einbaukosten in die Investition mit einrechnen, weil man ins Gebäude eingreift. Eine Entscheidung fällt der Stadtrat noch nicht. Es soll aber einen Besuch beim Büro Helfrich geben, wo sich der Stadtrat ein Bild vom mobilen Belüftungssystem machen will.

Für den Bedarf an mobilen Geräten geht die Stadtverwaltung geht weiter davon aus, dass 30 davon für 19 Räume besorgt werden müssen. Begründung: Diese Zimmer könnten nicht regelmäßig quergelüftet werden. Beziehungsweise lässt sich die Luft nicht durch eine feste Anlage austauschen. In Grund- und Mittelschule wird mit je vier solcher Räume gerechnet; im Kindergarten Stadtmitte (Regenbogenland) mit sieben. Bei den Kindergärten in Wernarz und Römershag bestünde bei einem beziehungsweise ein bis drei Räumen Bedarf (wir berichteten).

Michael Heyne, Rektor der Mittelschule, weiß nicht, wie die Stadtverwaltung auf vier Räume kommt. Er kennt nur einen EDV-Raum, wo das Querlüften unmöglich ist. Er sei aber durch die klassische Lüftungsanlage abgedeckt.

Heyne wünscht sich vor allem eines: mobile Corona-Lüfter für alle Präsenzräume. Diese Räume lassen sich laut ihm zwar jetzt noch über Fenster und Oberlichter gut querlüften. Aber was ist, wenn demnächst Minusgrade durch die geöffneten Fenster hineinkriechen?

Dann fürchtet Michael Heyne um die Gesundheit seiner Schüler durch Erkältungen. Schon im vergangenen Winterhalbjahr hätten Jacken die Klassenzimmer dominiert. Im EDV-Raum arbeitet - neben der festen Anlage - ein mobiler Lüfter Lüfter, gesponsort von zwei ortsansässigen Firmen.

Heyne und seine Leiterkollegin von der Grundschule, Barbara Buz, haben im September an Bürgermeister und Stadtrat geschrieben: "Beide Schulleitungen wünschen die Anschaffung von Luftfiltergeräten für die Klassenzimmer."

Ungleichgewicht befürchtet

Sie sprechen ein "absolutes Ungleichgewicht zwischen den Schulen" bei den mobilen Lüftern an. Dies werde für erhebliche Diskussionen bei Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern sorgen. Die oberste politische Ebene verlange, dass solcher Geräte angeschafft würden; dem müssten die Schulleitungen nachkommen. "Eine Wahlmöglichkeit ergibt sich aus unserer Sicht nicht mehr."

Unklar sei, ob durch die Lüfter die Quarantänezeit bei positivem Corona-Befund verkürzt werden könne. Seien sie nicht vorhanden, würde das zu "riesigen und unglücklichen Diskussionen" führen. Und schließlich habe "der Gesundheitsschutz unserer anvertrauten SchülerInnen selbstverständlich oberste Priorität". Sollten Luftfilter dazu einen Beitrag leisten und verhindern, dass Einzelne oder ganze Klassen zurück in den Distanzunterricht müssten, sei die Anschaffung sehr sinnvoll. Die Wissenschaft biete da "keine oder noch keine Klarheit".

Buz würde sich dennoch wünschen, dass "mindestens in den acht Klassenräumen" mobile Lüfter stehen. Mit minimal 23 Schülern pro Klasse seien die recht voll. Bei den Fachräumen, in denen sie sich nur ein bis zwei Stunden aufhalten, sieht Buz nicht so viel Bedarf. Da reiche regelmäßiges Lüften.

Laut Wilfried Helfrich sind die Klassenzimmer in der Mittelschule nicht an die zentrale Entlüftung angeschlossen; gleiches gelte für den generalsanierten Teil der Grundschule. Daher kann er die Forderung der Schulleiter nach Geräten, die die Raumluft coronafrei halten, verstehen. Bliebe nur das Stoßlüften in den Pausen, um verbrauchte durch frische Luft zu ersetzen.

Alexandra Fürst, Leiterin des Kindergartens Stadtmitte, sieht es nicht als ihre Aufgabe an, den genauen Bedarf an mobilen Lüftern in ihrer Einrichtung zu ermitteln. Das geschehe in Gesprächen mit der Stadt. Sie vertraue da auf die Expertise der zuständigen Stellen.

Michael Worschech, Geschäftsleiter der Stadtverwaltung, möchte dem Trugschluss begegnen, dass mit Corona-Lüftern im Raum nicht mehr konventionell gelüftet werden müsse. Das sei in Corona-Zeiten dennoch nötig.