Ausgesprochen gelungen war der Neujahrsempfang der Stadt Bad Brückenau am vergangenen Freitagabend in der Georgi-Halle. Die Vorstände der Vereine und weitere Persönlichkeiten der Stadt waren eingeladen. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) eröffnete den Abend in der ihr eigenen lockeren Art. Sie erinnerte daran, dass sich die Stadt seit dem Jahr 1970 offiziell als Bad bezeichnen darf. Passend dazu spielte das Jugendblasorchester Scholz Musik aus den Siebzigern. Das Deutsche Fahrradmuseum hatte eine kleine Auswahl an Schau-Rädern aufgebaut, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen.

"Man hätte eigentlich Lust zu tanzen, Brigitte", begann Landrat Thomas Bold (CSU) seine Rede in Richtung der Bürgermeisterin. Er würdigte das Engagement der vielen Ehrenamtlichen der Stadt: "Unser ländlicher Raum wäre nicht so lebens- und liebenswert, wenn es diese Menschen nicht gäbe." Zudem lobte er die "hervorragende" Arbeit der Brückenauer Rhönallianz. Auch die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin, Kreis- und Stadträtin Adelheid Zimmermann (FDP) sprach.

Minuten großer Dankbarkeit

Die Teenager der 1. Großen Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft lieferten eine überzeugende Vorstellung ab. Der Höhepunkt des Abends aber war die Ernennung von Walter Schöpfner zum Ehrenbürger. Der Stadtrat habe dies einstimmig beschlossen, sagte die Bürgermeisterin. "Es ist die höchste Ehre, die die Stadt vergeben kann." Meyerdierks blickte auf wichtige Stationen im Leben Walter Schöpfners zurück. "Sein Wissen über die Brückenauer Vergangenheit und Brauchtumspflege wird sehr geschätzt", würdigte sie.

Der Geehrte, umringt von den Vorständen seiner Vereine, konnte vor Rührung das Weinen nicht unterdrücken. Alle Menschen im Saal waren inzwischen aufgestanden und applaudierten. 3. Bürgermeister Dieter Seban (CSU) überreichte Schöpfner den Orden der laufenden Faschingssaison, der sich ebenfalls auf 50 Jahre Bad-Titel bezieht. Else Prause, seit 2017 Ehrenbürgerin, marschierte mit ihren 93 Jahren auf die Bühne. "Ich kann dir gar nicht sagen, wie kriminal ich mich freu'", gratulierte sie Schöpfner. "Kriminal" bedeutet im Bröggenäer Dialekt so viel wie "außerordentlich".

Dieser war in diesen Minuten von großer Dankbarkeit erfüllt - und nahezu sprachlos. "Ich bin überglücklich und sehr gerührt", brachte er hervor. In Gedanken war er bei seiner Ehefrau Margot: "Ohne sie wäre das alles nie möglich gewesen. Sie hat mich in Höhen und Tiefen begleitet", sagte er. Anschließend unterschrieben die Stadträte auf der Ehrenurkunde, die der Hammelburger Künstler Konrad Albert gemalt hatte.

Langer Weg zum Bad-Titel

Als "Badefrau Frieda" verkleidet, entführte Annette Martin die Gäste in die Zeit der früheren Kur. Sie beschrieb, wie reger Betrieb das Badehaus im Siebener Park füllte. Am Wochenende habe die Bevölkerung in den mit Heilwasser befüllten Wannen Platz nehmen dürfen. "So kam es, dass die Bad Brückenauer am Samstag alle so sauber waren." Badearzt Wolfgang Wildenauer erinnerte an den langen Weg, bis auch die Stadt Brückenau - und nicht nur das Staatsbad - als Heilbad anerkannt wurde.

Bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden die beiden Heilquellen, die Siebener Quelle und der Georgi-Sprudel, gebohrt. Doch erst im Jahr 1963 sei es gelungen, das bayerische Innenministerium von der Genehmigung des Bad-Titels zu überzeugen. Es sollte noch sieben Jahre dauern, bis aus der Zusage schließlich die offizielle Ernennung wurde, berichtete Wildenauer und deutete das schwierige Verhältnis zum bereits seit Jahrhunderten etablierten Kurbetrieb im Staatsbad an.

Zum Abschluss hielt Dr. Rainer Matejka, medizinischer Leiter der Malteserklinik Dr. von Weckbecker, eine Laudatio auf den Georgi-Sprudel. Anhand verschiedener Inhaltsstoffe schlüsselte er die positiven Auswirkungen des Heilwassers auf die Gesundheit auf. In den vergangenen Jahren sei ihm "zu viel Wellness-Vokabular" in Deutschlands Kurstädten aufgefallen. "Das Nach-Vorne-Stellen der ortsüblichen Heilmittel ist genau der richtige Weg", betonte er.