Gut eineinhalb Stunden diskutierte der Stadtrat am Montag über die Erweiterung der Durchfahrtszeiten für die Fußgängerzone. Am Ende folgte eine Mehrheit von 16:4 Stimmen dem Vorschlag der Stadtverwaltung. Demzufolge können Fahrzeuge in den Monaten Mai bis August täglich von 7 Uhr bis 18.30 Uhr in die Innenstadt fahren. "Wir wollen die Fußgängerzone haben, wie sie ist - mit einer erweiterten Durchfahrtszeit", brachte es Verkehrsreferent und CSU-Fraktionssprecher Karlheinz Schmitt auf den Punkt.

Volker Wedde vom Handelsverband Bayern für Unterfranken schilderte den Stadträten den Strukturwandel, der Einzelhändlern in ganz Deutschland zu Schaffen macht. Er sparte auch nicht mit Selbstkritik. In Bezug auf die anstehende Testphase sagte er: "Der Erfolg hängt in erheblichem Maße von der positiven Begleitung der Unternehmen aus der Ludwigstraße ab." Der Werbegemeinschaft legte er ans Herz, Umsetzungswillen in Bezug auf die Ergebnisse vorangegangener Beratungsprozesse zu zeigen.

2. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) griff diesen Aspekt auf. "Die Öffnung der Fußgängerzone ist für mich der kleinste Mosaikstein." Es gebe größere Bausteine, die bewegt werden müssten. Pfister nannte als Beispiele einen Grünen Markt, Aktionen in der Adventszeit und einen Bürgerbus, der die Innenstadt direkt ansteuert, ähnlich wie in Hammelburg oder Münnerstadt. Kurt Abersfelder (CSU) gab ihm Recht: "Die Bausteine müssen sitzen, und die sitzen überhaupt nicht in Bad Brückenau", sagte er leicht frustriert.


Rat lehnt Temposchwellen ab

Während der Debatte wurde zunehmend deutlich, dass sich die Kritiker - die grundsätzliche Entscheidung für die Erweiterung der Durchfahrtszeiten war im März mit 11:10 Stimmen denkbar knapp ausgegangen - in ihren Befürchtungen bestätigt sehen. Von "blanker Anarchie der Brückenauer Verkehrsteilnehmer" redete Hartmut Bös (CSU). Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG) sprach deutlich die ungeklärte Situation bei den Parkmöglichkeiten an und Dirk Stumpe (PWG) bemühte sich, Schutzvorkehrungen für Passanten und Besucher der Cafés anzuregen.

"Es ist nicht so einfach, es allen recht zu machen", antwortete Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) darauf. Mehrfach machte sie klar, dass der Stadtrat jederzeit nachjustieren könne, sollte während der Testzeit Chaos ausbrechen. Ein Antrag von Bös, zur Drosselung der Geschwindigkeit Temposchwellen einzurichten, lehnte der Rat mit 8:12 Stimmen ab. Knapp 20 Zuhörer verfolgten die Auseinandersetzung aufmerksam, auch betroffene Einzelhändler waren darunter.


Das sagte Volker Wedde vom Handelsverband im Stadtrat:

"Die Öffnung der Fußgängerzone ist kein Allheilmittel, aber ein sinnvoller Anfang", sagte Volker Wedde. Der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern für Unterfranken ist von der Werbegemeinschaft Bad Brückenau (WBB) gebeten worden, die Interessen der Einzelhändler zu vertreten. Er machte klar: "Jede Meinung ist in dieser Testphase wichtig". Zudem brauche es begleitende Maßnahmen von der Stadt und der Seite der Unternehmer.

Diese Maßnahmen benannte Wedde auch konkret. Der Erfolg - ob also tatsächlich mehr Kunden in die Stadt kommen - müsste gemessen werden. Ein Geografiestudent von der Universität Würzburg, der über den Handelsverband vermittelt wird, könnte dafür eingesetzt werden. Wedde empfahl zudem eine Lenkungsgruppe, um weitere Maßnahmen zu steuern. Außerdem müsse klar kommuniziert werden, dass die Fußgängerzone nicht als Durchgangsstraße gedacht sei. Flyer mit Informationen und der Bitte um Rücksichtsnahme für Besucher der Innenstadt seien denkbar.


Das bedeutet die Neuregelung im Detail:

Blumenampeln Die Blumenampeln bleiben erhalten. Sie tragen dazu bei, den Verkehrsfluss zu bremsen und erschweren das Rangieren von Lkw in der Fußgängerzone.

Fahrtrichtung Der Verkehrsfluss wird sich von der Altstadt in Richtung Sparkasse orientieren. Sollten die verlängerten Durchfahrtszeiten fest etabliert werden, schlägt die Polizei vor, die Gassen, die auf die Ludwigstraße treffen, mit Pfeilen zu versehen. So würde Begegnungsverkehr in der Ludwigstraße ausgeschlossen werden.

Gastronomie Die Außenbestuhlung vor Cafés, Kneipen und Restaurants ist ausdrücklich erwünscht. Bei Bedarf können die Inhaber ihren Bereich mit Pflanzenkübeln oder ähnlichem abgrenzen.

Lieferverkehr Zusätzlich zur aktuellen Regelung dürfen Fahrzeuge zur Anlieferung werktags auch nachts in die Fußgängerzone fahren.

Parken Während der Testphase werden keine Parkplätze oder Haltepunkte für Fahrzeuge ausgewiesen. Auch wenn Parken in einer Fußgängerzone eigentlich nicht vorgesehen ist, gilt das Prinzip der Duldung: Wer kurz aussteigt, um etwas in der Stadt zu besorgen, muss nicht mit einem Strafzettel rechnen.

Pfosten Die Pfosten, die die Durchfahrt vom Schwaneneck in Richtung Sinntor versperren, bleiben stehen. Sie verhindern weiterhin, dass Autofahrer durch die Altstadt abkürzen.


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