Im Mordprozess um eine getötete Ärztin am Landgericht Fulda haben Polizisten von ihren Ermittlungen berichtet. An den Schuhen, an der Jacke und am Auto des Angeklagten haftete Blut, erklärten die Beamten.

Er habe sie geschlagen und gewürgt, er habe sie kontrolliert und sei krankhaft eifersüchtig gewesen. Die 35-jährige Ärztin habe Angst vor ihrem Ex-Freund gehabt. Schließlich habe er ihr sogar gedroht. Das schilderten Polizisten , die in der Sache ermittelt haben. Besonders bei den Handy-Auswertungen wurden sie fündig.

Daraus werde ersichtlich, dass die 35-Jährige, Mutter eines zweijährigen Jungen, immer wieder versucht habe, den Kontakt zur ihrem Ex-Freund abzubrechen. Er habe sie jedoch weiter angerufen und ihr Nachrichten geschickt - auch in den Stunden vor der Tat.

Die Ärztin hatte Nachtschicht im Herz-Jesu-Krankenhaus. In dieser Nacht habe er sie 117-mal angerufen, erklärten die Ermittler. Er habe ihr vorgeworfen, sie belüge und verspotte ihn. Kollegen hätten sie telefonieren hören. Sie sprachen Rumänisch und sie sprachen laut, als würden sie streiten.

Um 3 Uhr nachts schrieb er ihr, "dass sie sich gut fühlen soll, solange sie noch kann", gab der Vorsitzende Richter Josef Richter im Gerichtssaal aus dem Chat-Verlauf wieder.

Der Angeklagte ist wohl bereits um 6.29 Uhr auf dem Parkplatz des Herz-Jesu-Krankenhauses gewesen. Das hätten GPS-Auswertungen seines Handys ergeben. Um 6.52 Uhr habe er ein letztes Mal versucht, sie anzurufen. Erst 40 Minuten später, gegen 7.35 Uhr, verließ die Ärztin ihre Arbeitsstelle. Laut Staatsanwaltschaft sei der Angeklagte ihr bis nach Hause gefolgt. Um 8 Uhr war die 35-Jährige tot.

Dass er im Hinterhof ihres Wohnhauses gewesen ist, als seine Ex-Freundin starb, das könne man nicht mittels seines Handys belegen. Das Mobiltelefon kann ausgeschaltet gewesen sein, sagte eine Polizistin. Doch die 35-Jährige selbst hat kurz vor ihrem Tod Fotos von seinem Auto gemacht, das in ihrer Einfahrt stand, als sie von der Arbeit kam. Auch wenn es ein wenig verpixelt sei, meinen die Ermittler, dass es sich bei dem Mann in dem Auto mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Angeklagten handele.

Die Frau habe die Fotos um 7.55 Uhr gemacht - nur drei Minuten später ging der erste Notruf ein. Diesen hatten Mitarbeiter einer Wohnungsbaugesellschaft abgesetzt, die in dem Hinterhof Kaffee getrunken haben, als sie die schwer verletzte Frau entdeckten. Die Ärztin habe die Fotos von dem Auto des Angeklagten wohl gemacht, um zu dokumentieren, dass ihr Ex-Freund sich ihr näherte - obwohl sie zwei Wochen zuvor ein Annäherungsverbot vor Gericht erwirkt hatte.

Vier Stunden nach dem Tod der Ärztin wurde der Rumäne in der Fuldaer Walahfridstraße festgenommen - in der Wohnung einer Bekannten seines Bruders, wo er sich häufiger aufgehalten haben soll. Sie habe noch im Bett gelegen, als er gegen 8.30 Uhr dort eingetroffen war. Sie habe ihn gefragt, ob etwas passiert sei. Nein, er sei nur müde, er wolle sich schlafen legen, habe er gesagt.

Bevor er sich schlafen gelegt hat, zog er wohl Schuhe und Jacke aus. An ihnen wurden später "winzige Blutspritzer" festgestellt - das Blut der Getöteten. Dass es die Kleidung des 31-Jährigen war, habe die Bekannte bestätigt. Auch an seinem Auto fanden die Ermittler Blut - auf dem Fahrersitz und an der Autotür.

Die Frau war an einer tiefen Schnitt- beziehungsweise Stichverletzung am Hals gestorben.

Der Prozess wird aufgrund von Urlaubszeiten von Verhandlungsteilnehmenden mittels sogenannter Schiebetermine fortgesetzt - dies sind Kurztermine, bei denen nicht alle Teilnehmenden anwesend sein müssen. Mit Zeugenaussagen geht es deshalb voraussichtlich erst Ende Juni weiter.

In dem Prozess wurden bislang gut zwei Dutzend Zeugen gehört - darunter Nachbarn, Arbeitskollegen und Polizisten. Insgesamt sind knapp 50 Zeugen geladen. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Die Verhandlung geht am 14. Mai um 8.30 Uhr weiter. Ein Urteil wird für Juli erwartet.

Jessica Vey