Ernährungstrends gibt es jede Menge - und ständig ploppen neue auf. Im Jahr 2022 steht klimafreundliche und nachhaltige Ernährung ganz oben. Theresia Dietz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, AELF, Bad Neustadt) staunte nicht schlecht, als sie diese Meldung in der Main-Post vorfand. Klimafreundlich essen und trinken, das sei schon lange ein Thema an der Bischofsheimer Hauswirtschaftsschule.

Kreativität ohne Grenzen

Die angehenden Haushaltsprofis und Fachlehrerin Lisa Lang widmen sich in jeder Unterrichtsstunde in der Schulküche klimafreundlichen Aspekten. Regional und saisonal ist der Speiseplan an der Schule seit jeher aufgestellt. "Zucchini, Tomaten und Erdbeeren sind im Supermarkt mittlerweile das ganze Jahr über verfügbar, aber das ist keine Nachhaltigkeit", betont Lang. In der Schule lernen die Studierenden die saisonal verfügbaren Lebensmittel kennen und schätzen. Schnell werde klar, dass typische Wintergemüse mit beliebtem Sommergemüse locker Schritt halten können. Karotten, Rüben, Pastinake, Sellerie, Lauch und Kraut haben im Winter Hochkonjunktur. Zum Klimaschutz gehöre aber auch der Blick auf den CO 2 -Verbrauch und den Fleischkonsum. Für nahezu jedes Rezept gebe es auch fleischlose Alternativen, erklärt Lang. Ein Gulasch müsse nicht unbedingt mit Rind- und Schweinefleisch versehen werden. Ebenso lecker und würzig könne ein Gemüsegulasch schmecken: "Wir besprechen die Varianten und Möglichkeiten." Statt Rindsrouladen munden auch vegetarische Kohlrouladen. Bei den Abwandlungen seien der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Rein vegetarisch werde in der Hauswirtschaftsschule allerdings nicht gekocht. Die Fleischzubereitung gehört zum Unterricht und Lehrplan. Gerade beim Bezug von Rind- und Schweinefleisch werde auf regionale Tierhaltung geachtet. Fleisch vom Rhöner Weiderind, das zudem die Kulturlandschaft pflege, sei weit entfernt von Massentierhaltung und Viehtransporten quer durch Europa. "Ein- oder zweimal in der Woche Fleisch lautet die Empfehlung," so Lang. Theresia Dietz ergänzt: "Beim Einkauf schauen, wo es her kommt. Die Transportkilometer erhöhen die CO 2 -Klimabilanz ganz erheblich." Das gelte nicht nur für Fleisch, sondern auch Obst und Gemüse, Getränke, im Grunde für alles, was im Einkaufswagen lande.

Regional einkaufen

Wer den Klimaaspekt im Blick behalten möchte, der kaufe am besten regional ein. Wild vom heimischen Jäger, regionaler und biologischer gehe es kaum, und es werde der dringend nötige Waldumbau unterstützt, indem Jäger ihre Abschusspläne erfüllen können, um den Wildverbiss in Grenzen zu halten. Fertigprodukte seien ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Theresia Dietz rät zum Selbstkochen. Auf Tütensuppen müsse niemand zurückgreifen. Eine Nudel-, Tomaten- oder Zwiebelsuppe sei ebenso schnell und ebenso lecker selbst zubereitet. Von fertigem Pfannkuchen- oder Kuchenteig und Kartoffelbrei rät sie ab, diese Speisen können mühelos und ohne große Vorkenntnisse selbst hergestellt werden. Bei diesen Fertigprodukten spiele auch Verpackungsmüll eine nicht zu unterschätzende Rolle fürs Klima.

Vorratshaltung im Blick

Dietz weist auch darauf hin, dass es wichtig sei, die Vorratshaltung im Blick zu haben: "Immer wieder die Tiefen einer Tiefkühltruhe durchschauen und Eingefrorenes verwenden." Eingefroren bedeute nicht ewige Haltbarkeit. "Alles, was am Ende weggeworfen wird, hat einmal Geld kostet." Zur Planung raten Lang und Dietz: "Bevor man einkaufen geht, einen Speiseplan erstellen und schauen, was noch im Haus ist und in Kürze verbraucht werden muss. Eine Einkaufsliste hilft gezielt und sparsam einzukaufen." Nicht nur, dass Vorräte nicht überlagert werden sollten, auch Resteverwertung sei ein Thema, das letztlich zu einem klimaschonenden Umgang beitrage. "Hauswirtschaft ist Bildung fürs Klima", bringt es Dietz auf den Punkt. Denn der Bogen ließe sich noch viel weiter spannen, bis hin zur Verwendung von Putz- und Waschmitteln.