Das Corona-Virus hat es in Innenräumen, in denen sich viele Menschen aufhalten, sehr leicht. Daher breitet es sich weiter in den Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerbende des Landkreises aus: Seit vergangenen Freitag, 23. April, ist auch die Unterkunft in Hammelburg unter Quarantäne. Die Bad Kissinger Gemeinschaftsunterkunft war schon vor zwei Wochen unter Quarantäne gestellt worden.

Johannes Hardenacke, Pressesprecher der zuständigen Regierung Unterfranken sagt: "Leider stellt sich heraus, dass wir immer mehr Fälle bekommen. Wie in der Bevölkerung gehen auch hier die Zahlen weiter nach oben." Es werde versucht, eine Quarantäne zu vermeiden. Wenn sich das Infektionsgeschehen jedoch auf größere Gruppen ausweite, ordne das ortsansässige Gesundheitsamt eine Quarantäne an. Es entscheide dabei aufgrund verschiedener Einflussfaktoren, wie der örtlichen Lage und der Anzahl der Infizierten.

Kreis Bad Kissingen: Asylbewerbende unter Quarantäne

In Hammelburg sind nun sechs der 64 dort wohnenden Personen positiv getestet. Vier der sechs Fälle kamen am vergangenen Freitag hinzu. In der Bad Kissinger Unterkunft in der Winkelser Straße sind es mittlerweile über 35 von 121 Personen, die einen positiven Test erhalten hatten. Aus der Unterkunft in Münnerstadt lägen zwar auch Meldungen über Fälle von Infizierten vor, jedoch hat das Gesundheitsamt hier Stand Montagmittag (26. April) noch keine Quarantäne angeordnet.

Nachdem bekannt wird, dass neue positive Fälle vorliegen, werden die Betreffenden Personen informiert und in den Isolationsbereich der Anker-Einrichtung (Geldersheim) verlegt. Diese wird medizinisch betreut. "Mittlerweile ist die voll belegt mit Infektionsfällen, deswegen werden nun Fälle in die Gemeinschaftsunterkunft im Innopark in Kitzingen verlegt", sagt Pressesprecher Hardenacke.

Enge Kontaktpersonen der positiv getesteten kommen daher in eine Gemeinschaftsunterkunft für Kontaktpersonen nach Kitzingen. Neben den Gemeinschaftsunterkünften gibt es in manchen Orten auch Unterkünfte mit einzelnen Wohnungen für Familien. "Bei diesen Unterkünften findet nach Beurteilung des jeweiligen Gesundheitsamtes die Isolation beziehungsweise Quarantäne dann - wie bei anderen Familien auch - in der Wohnung statt", sagt Nicolas Rupp aus der Pressestelle der Regierung Unterfranken.

Familien bleiben zusammen

Bei positiven Fällen in Familien erfolge die Verlegung in Absprache mit der jeweiligen Familie. Dabei kämen verschiedene Konstellationen vor. Kinder würden jedoch nie alleine verlegt. "Je nach individueller Falllage werden andere Familienmitglieder als enge Kontaktpersonen mitverlegt. Zum Beispiel wird eine alleinerziehende Mutter selbstverständlich nicht von ihren Kindern getrennt", heißt es aus der Pressestelle.

Die Personen dürfen bei einer Verlegung alle Dinge mitnehmen, die sie für den Aufenthalt von zwei Wochen benötigen: Kleidung, Hygieneartikel, Mobiltelefon, Medikamente, Hilfsmittel (wie eine Brille), Schulbücher, persönliche Dinge, die den Aufenthalt angenehmer machen, wie Bücher, Zeitschriften oder Musik.

Die Menschen, die in den Gemeinschaftsunterkünften Sicherheit gefunden haben, stammen oft aus Regionen dieser Welt, in der Oppositionelle verfolgt werden, Menschen bei Nacht und Nebel durch Uniformierte verschwinden. Kommen da bei manchen schlimme Erinnerungen hoch, wenn sie nun schnell die Unterkunft verlassen müssen? Nicolas Rupp sagt, dass es kaum Probleme gegeben habe: "In ganz wenigen Einzelfällen wollten die Bewohner zunächst nicht verlegt werden. Durch aufklärende Gespräche ist es bisher jedoch immer gelungen, die Bereitschaft der Betroffenen zu erreichen."

Die Verlegungen sollen eine Quarantäne für die gesamte Gemeinschaftsunterkunft vermeiden. Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes hatte dies in den Unterkünften in Bad Kissingen und Hammelburg nicht mehr gereicht. Um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten, wurde die Quarantäne für die gesamte Unterkunft anberaumt. Diese gilt in der Regel für zwei Wochen. Wenn neue Fälle auftauchen, entscheidet das Gesundheitsamt neu. In die Anker-Einrichtung in Geldersheim kommen die positiv getesteten Fälle der Gemeinschaftsunterkünfte in der Region.